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Polizeirazzia in Wasserbillig: Nigerianische Sekte des Drogenhandels verdächtigt
Lokales 15 2 Min. 28.10.2015

Polizeirazzia in Wasserbillig: Nigerianische Sekte des Drogenhandels verdächtigt

Die Polizei zerschlug am Dienstag in Wasserbillig einen Drogenring.

Polizeirazzia in Wasserbillig: Nigerianische Sekte des Drogenhandels verdächtigt

Die Polizei zerschlug am Dienstag in Wasserbillig einen Drogenring.
Foto: Chris Karaba
Lokales 15 2 Min. 28.10.2015

Polizeirazzia in Wasserbillig: Nigerianische Sekte des Drogenhandels verdächtigt

Die Polizei hat am Dienstag in Wasserbillig einen größeren Drogenhändlerring gesprengt und bezeichnete die Aktion als "vollen Erfolg". LW-Informationen zufolge besteht ein Zusammenhang zu einer nigerianischen Sekte, die auch in der Hauptstadt aktiv ist.

(mth/mv/SH) - Die Polizei hat am Dienstag in Wasserbillig in der Grand-Rue zwischen der Kirche und dem Grenzübergang zu Deutschland einen größeren afrikanischen Drogenhändlerring hochgehen lassen. "Die Aktion war ein voller Erfolg", erklärte Vic. Reuter, Pressesprecher der Polizei, am Mittwoch.

Die Aktion, an der rund 220 Zöllner und Polizisten beteiligt waren, sei eine der größten gewesen, die in Luxemburg durchgeführt wurden. 50 Personen wurden kontrolliert, 16 davon vorübergehend festgenommen und dem Untersuchungsrichter vorgeführt.

Neben Drogen hat die Polizei auch Bargeld und mehrere Handys beschlagnahmt. Es handele sich primär um eine Drogenaffäre. "Man weiß bei solchen Akten nie, worauf man noch stoßen wird. Doch es handelt sich klar um Ermittlungen, die dazu dienen sollten, einen Drogenring zu zerschlagen", erklärt Reuter.

Wie er weiter betonte, sei die Aktion am Dienstag nur ein Moment in einer langwierigen Ermittlung gewesen. Die Luxemburger Polizei konnte dabei auf die Unterstützung von Europol zählen. "Europol hat uns analytisch unterstützt, vor allem was die Identifizierung von Personen betrifft. Man muss wissen, dass sich Drogengeschäfte nicht auf Luxemburger Territorium begrenzen", so Reuter.

Christliche Sekte unter Verdacht

Informationen des Luxemburger Worts zufolge wurde das Gebäude von der christlichen Glaubensgemeinschaft "Mountain of Fire and Miracles Ministries" genutzt. Es handelt sich um eine aus Nigeria stammende christliche Sekte, die der Pfingstbewegung zugerechnet wird und Niederlassungen in der ganzen Welt besitzt.

Das Logo der nigerianischen Sekte "Mountain of Fire and Miracles Ministries" an einem Schaufenster des Hauses, in dem die Razzia am Dienstag durchgeführt wurde.
Das Logo der nigerianischen Sekte "Mountain of Fire and Miracles Ministries" an einem Schaufenster des Hauses, in dem die Razzia am Dienstag durchgeführt wurde.
Pierre Matgé

Aus gut unterrichteten Quellen war zu erfahren, dass die Räumlichkeiten der Sekte in Wasserbillig auch in Luxemburg seit Monaten überwacht wurden. Es besteht zudem der Verdacht, dass die Gruppe eine tragende Rolle beim Straßenhandel mit Kokain im hauptstädtischen Bahnhofsviertel spielen könnte.

Razzia im Dezember 2013

Im Dezember 2013 hatte die Polizei zudem eine Großrazzia im Bahnhofsviertel durchgeführt. Die Polizei hatte Hinweise bekommen, dass am Abend des 11. Dezember eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen den überwiegend aus Nigeria stammenden mutmaßlichen Drogenhändlern stattfinden werde.

Die Tür eine Lokals in der Rue de Hollerich nach einer Polizeirazzia im Dezember 2013.
Die Tür eine Lokals in der Rue de Hollerich nach einer Polizeirazzia im Dezember 2013.
Steve Remesch

Um Blutvergießen zu vermeiden, setzte die Polizei im Vorfeld 60 Kriminalbeamten, Streifenpolizisten und Hundeführer ein, die am 11. Dezember um 22.35 Uhr zeitgleich in zwei Gaststätten in der Rue de Hollerich und in der Rue de Strasbourg eindrangen. 47 Personen wurden kontrolliert, es gab eine Festnahme wegen unerlaubten Aufenthalts in Luxemburg. Waffen oder Drogen konnten keine sichergestellt werden.

Kirche als Deckmantel für Drogenhandel

Auslöser der Aktion waren vier gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den Mitgliedern beider Gruppen in der Rue de Strasbourg und in der Rue de Hollerich. Wie das „Luxemburger Wort“ aus Polizeikreisen in Erfahrung bringen konnte, soll es sich bei den Banden um Drogenhändler handeln, die unter dem Deckmantel von religiösen Gruppen operieren.

Ob ein Zusammenhang zu "Mountain of Fire and Miracles Ministries" besteht, wurde allerdings nie offiziell bestätigt. Die Razzia vom Dienstag in Wasserbillig kann jedoch als deutlicher Hinweis gewertet werden, dass eine derartige Verbindung existiert.

Die Sekte wurde allerdings bereits im Ausland in Zusammenhang mit Drogenhandel gestellt. Im vergangenen Januar wurden in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh acht Nigerianer und eine Kambodschanerin verhaftet - wegen Verdachts auf Handel mit der Droge Methamphetamin (Crystal Meth). Die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft sollen die Kirche der Glaubensgemeinschaft als Umschlagplatz und logistische Zentrale genutzt haben.

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