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Polizei observierte Täter vor Uhren-Raub
Lokales 3 Min. 21.03.2018 Aus unserem online-Archiv

Polizei observierte Täter vor Uhren-Raub

Polizei observierte Täter vor Uhren-Raub

Foto: Gerry Huberty
Lokales 3 Min. 21.03.2018 Aus unserem online-Archiv

Polizei observierte Täter vor Uhren-Raub

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Die französische Polizei hatte die Uhren-Räuber bereits seit längerem auf dem Radar und wusste, dass ein Coup bevorstehen würde. Nach einer Observierung schlug ein erster Zugriff fehl. Die Verhaftung der Tatverdächtigen gelang erst nach einer Schießerei und einer Geiselnahme.

Bei ihrer Rückkehr wurden sie bereits erwartet: Nach dem Überfall am Dienstagvormittag auf ein Uhrengeschäft in der hauptstädtischen Rue Philippe II hat die "Anti-Gang"-Einheit der Kriminalpolizei aus Lyon in der Nacht zum Mittwoch einen Wagen auf einer Autobahn im Département du Rhône ins Visier genommen. Doch ein geplanter Zugriff schlug fehl.


Luxusuhren im Visier
Rücksichtslos, gewalttätig und gut organisiert ging eine Räuberbande am Dienstagmittag bei einem Überfall auf ein Juweliergeschäft in der Oberstadt vor. Die Täter konnten unerkannt entkommen.

Den Tätern gelang zunächst die Flucht. Aus ihrem Wagen nahmen sie, wie unter anderem "Le Progrès" berichtet, die Polizei mit Handfeuer- und Kriegswaffen unter Dauerbeschuss. Von einem Polizeihubschrauber verfolgt, suchten sie Unterschlupf in einem Wohnviertel in Arnas. Berichten von "France 3" zufolge drangen sie gegen 2.30 Uhr in ein Einfamlienhaus ein, in dem sie eine sechsköpfige Familie als Geiseln nahmen. Um Zugang zu deren Haus zu erlangen, hatten sie sich bei den Bewohnern als Polizisten ausgegeben.

Spezialeinheiten der Polizei stürmten bereits wenige Minuten später das Gebäude, befreiten die Geiseln und überwältigten zwei Täter. Einer von ihnen hatte sich beim Zugriff unter einem Kinderbett versteckt. Zwei weitere Täter wurden kurze Zeit später auf einem Sportplatz in der Nähe festgenommen. Zwei der Räuber wurden verletzt und mussten ins Krankenhaus gebracht werden.

Täter seit längerem observiert

Informationen des "Luxemburger Wort" zufolge hatte die "Anti-Gang"-Abteilung der Kriminalpolizei aus Lyon die Tätergruppe bereits längere Zeit auf dem Radar. So soll der Ermittlungseinheit bekannt gewesen sein, dass ein Coup bevorstehen würde. Nachdem sie über den Raubüberfall in Luxemburg und den Fluchtwagen mit Kennzeichen aus der Region um Lyon informiert wurden, bemühten sich die Sicherheitskräfte, die einzelnen Bandenmitglieder zu orten.



Am Dienstagabend nahmen die Ermittler dann die Observierung eines verdächtigen Wagens mit zwei Insassen auf. So konnten sie beobachten, wie dieser sich auf einem Parkplatz  mit den Insassen eines dunkelgrünen BMW-Combi traf - jener Wagen mit dem "M" im Kennzeichen, den ein Augenzeuge bei der Flucht der Uhren-Räuber in Hollerich beobachtet hatte. Es galt, schnell zu handeln. So wurde dann entschieden, diesen Wagen an einer Autobahnmautstelle nördlich von Lyon, in Limas, zu stoppen und die Insassen festzunehmen.

Der zweite Wagen war als Spähfahrzeug vorgefahren. Die Insassen wurden einem Bericht des "Parisien" zufolge widerstandslos festgenommen. Allerdings musste es ihnen gelungen sein, ihre Komplizen zu warnen. Denn diese verließen von acht Zivilfahrzeugen der Polizei gefolgt die Autobahn. Nachdem sie eine Sperre durchbrochen hatten, endete ihre Flucht in Arnas.  In ihrem Wagen ließen sie neben anderen Waffen auch ein Sig-Sauer-Sturmgewehr vom Typ Sig716 zurück.

Täter mit Sturmgewehr wartete beim Überfall im Auto

Das Sturmgewehr, mit dem die Täter bei ihrer Flucht auf die Polizei schossen, hatten Zeugen LW-Informationen zufolge bereits in der hauptstädtischen Rue Phillippe II gesehen: in den Händen des Fluchtfahrers im Renault Mégane. Wie der französischen Presse weiter zu entnehmen ist, hatten die Räuber in Luxemburg Wertsachen im Wert von über einer Million Euro erbeutet.

Wie "20 Minutes" zudem berichtet, stammen die Tatverdächtigen allesamt aus Rillieux-la-Pape, einem von Wohntürmen und einer Jugendarbeitslosigkeit von 38,2 Prozent geprägten Stadtbezirk von Lyon. Zwei von ihnen sind einschlägig vorbestraft.

Parallelen zum Kasinoraub im Jahr 2011

Als vor sieben Jahren, am 5. März 2011, das Casino 2000 von schwerbewaffneten Räubern überfallen wurde, führte die Spur ebenfalls nach Lyon. Im Fluchtauto waren DNS-Spuren eines Mannes aus Vaulx-en-Velin sichergestellt worden - dem Nachbarviertel von Rillieux-la-Pape.


Doppelter Freispruch
Im Berufungsverfahren um den Überfall auf das Casino 2000 in Bad Mondorf wurden am Mittwoch beide Angeklagte freigesprochen. In erster Instanz war einer der Männer noch zu 16 Jahren Haft verurteilt worden.

Im Februar 2015 war er wegen des Überfalls in erster Instanz zu einer Haftstrafe von 16 Jahren verurteilt worden. Das Berufungsgericht sprach ihn allerdings genau wie einen zweiten Mann aus Vaulx-en-Velin dann in zweiter Instanz frei. Für das Gericht reichte die DNS-Spur im Wagen nicht aus, um eine direkte Beteiligung am Überfall zu beweisen.



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Eigentlich sollte beim Prozess um den Raubüberfall am 5. März 2011 in Mondorf das Casino 2000 im Vordergrund stehen. Doch ein Vorfall 26 Tage später in einem Brüsseler Vorort wirft nach dem ersten Verhandlungstag entscheidende Fragen auf.
Auf diesem Parkplatz in Jezus-Eik (B), an der E411 kurz vor Brüssel, waren die Angeklagten in eine Polizeikontrolle geraten.⋌