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Polizei nimmt Radfahrer ins Visier
Lokales 3 Min. 13.06.2018

Polizei nimmt Radfahrer ins Visier

Polizei nimmt Radfahrer ins Visier

Foto: Zsolt Varga
Lokales 3 Min. 13.06.2018

Polizei nimmt Radfahrer ins Visier

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Es war eigentlich nur eine Verkehrskontrolle wie andere auch. Dennoch hat sie in sozialen Netzwerken für teils sehr hitzige Diskussionen gesorgt. Und eigentlich offenbarte sie ein strukturelles Problem im Bahnhofsviertel.

Es ist eines der Themen, die derzeit wohl im Großherzogtum am meisten polarisieren: Die Rechte und Pflichten der Radfahrer – und ihre Beziehung zu den Autofahrern. Nun hat ein eigentlich banaler Vorfall mächtig Öl ins Feuer gegossen.

Die Polizei hat am Mittwochmorgen in der hauptstädtischen Avenue de la Gare Fahrradfahrer kontrolliert. Insbesondere ging es dabei darum, jene Radfahrer zu sanktionieren, die über den Bürgersteig fuhren. Fotos von der Kontrolle waren quasi in Echtzeit auf Facebook zu sehen und wurden vielseitig kommentiert.

35 Radfahrer verwarnt

Wie die Polizei am Mittwochnachmittag mitteilt, haben die Beamten zwischen 8.15 und 9 Uhr insgesamt 35 Radfahrer und zwei Fußgänger gebührenpflichtig verwarnt. Gegen einen Radfahrer wurde zudem ein Strafverfahren eingeleitet. Genaues war zwar zu diesem Fall nicht in Erfahrung zu bringen, aber es ist davon auszugehen, dass die betroffene Person das Bußgeld verweigert hatte.

In ihrem Pressebericht erinnert die Polizei daran, dass es verboten ist, mit dem Fahrrad auf dem Bürgersteig zu fahren und dass der Gebrauch von Kopfhörern und des Mobiltelefons beim Radfahren ebenfalls untersagt ist. Für die unrechtmäßige Benutzung des Bürgersteigs sieht der Bußgeldkatalog eine Strafzahlung in Höhe von 74 Euro vor.

Regeln für alle

Auf die Kontrolle angesprochen, betont der Pressesprecher der Polizei, Frank Stoltz, der Sachverhalt stelle sich im Prinzip sehr einfach dar: „Der Code de la route sieht Regeln für alle Verkehrsteilnehmer vor. Im Verkehr bewegt man sich miteinander und jeder muss dabei seine Regeln einhalten“, so Frank Stoltz.

35 Radfahrer hat die Polizei am Mittwochmorgen in der hauptstädtischen Avenue de la Gare zur Kasse gebeten, weil sie unerlaubt mit dem Fahrrad auf dem Bürgersteig unterwegs waren. Die Fahrbahn in Richtung Oberstadt ist 
allerdings für Radfahrer völlig ungeeignet.
35 Radfahrer hat die Polizei am Mittwochmorgen in der hauptstädtischen Avenue de la Gare zur Kasse gebeten, weil sie unerlaubt mit dem Fahrrad auf dem Bürgersteig unterwegs waren. Die Fahrbahn in Richtung Oberstadt ist 
allerdings für Radfahrer völlig ungeeignet.
Fotos: Zsolt Varga

Neben der schon fast vorhersehbaren Hetze gegen Radfahrer, die mit den Berichten über die Fahrradkontrolle in sozialen Netzen einherging, offenbart die Polizeiaktion allerdings auch ein bestehendes strukturelles Problem, das durch die kurzfristige Sperrung der neuen Fahrradbrücke verschärft wurde: Im Bahnhofsviertel sind die Infrastrukturen für Radfahrer dürftig.

Rund 900 Radfahrer täglich

Das soll sich zwar mit dem Bau der Tramtrasse in der Avenue de la Liberté und der einhergehenden Umgestaltung der Avenue de la Gare ändern, aber bis 2021 werden noch viele Radfahrer ohne diese Annehmlichkeiten sich über den Viaduc zur Oberstadt und zurück durchschlagen. An regenfreien Tagen sind es der Anzeigetafel am Schwender zufolge so um die 900 Zweiräder täglich.

Tagsüber, und weit über die Hauptverkehrszeiten hinaus, ist die Durchfahrt der Avenue de la Gare auf den beiden Fahrbahnen in Richtung Oberstadt für Radfahrer unmöglich und über den Bürgersteig verboten. Eine Alternativroute über die Rocade de Bonnevoie kann trotz eingezeichnetem Radweg getrost den lebensmüden unter den Radlern überlassen werden, denn der Auto- und Lastverkehr nimmt den dicken weißen Streifen kaum wahr, der ihre Fahrbahn von der Radpiste und den Baustellen auf dem Bürgersteig trennt.

Es bleibt aber noch ein anderer Weg: Der dunkelrot eingezeichnete Radweg vor dem Bahnhofsgebäude. Dieser löst sich zwar in Höhe der Haltestellen des hauptstädtischen Busdienstes wieder in Luft auf, führt dann aber zum Beginn der Avenue de la Gare auf dem Bürgersteig weiter.

Umweg durch die „Vullegas“

Nach wenigen Metern biegt er dann in die Rue du Fort Neipperg ein. Hier ist die Fahrt mit dem Rad in beide Richtungen erlaubt. Doch auch dieser Weg ist keine sehr praktische Lösung. Die Strecke endet nämlich an der Avenue Charles de Gaulle.

Um von hier über den Boulevard d'Avranches zur Radpiste am Viaduc zu gelangen, müssen Radfahrer drei Fußgängerüberwege nacheinander bewältigen. Die Wartezeit an diesen Verkehrsampeln ist für gewöhnlich länger als die gesamte Fahrtzeit vom Bahnhof zur Oberstadt. Viele Radfahrer, die den Weg über die Rue du Fort Neipperg einschlagen, nutzen daher die Rue du Fort Wallis, um zum Boulevard d'Avranches zu gelangen.

Dort fahren sie dann verbotenerweise entgegen der Fahrtrichtung auf dem auf dem Bürgersteig eingezeichneten Radweg zurück zur Avenue. Empfehlenswert ist das nicht, denn auch hier könnte es durchaus vorkommen, dass die Polizei einmal kontrolliert.


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