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Polizei in Sri Lanka sucht nach Anschlägen sechs Verdächtige
Lokales 7 4 Min. 25.04.2019

Polizei in Sri Lanka sucht nach Anschlägen sechs Verdächtige

Die Armee sichert die Hauptstadt Colombo, in der am Ostersonntag mehrere Sprengsätze hochgingen.

Polizei in Sri Lanka sucht nach Anschlägen sechs Verdächtige

Die Armee sichert die Hauptstadt Colombo, in der am Ostersonntag mehrere Sprengsätze hochgingen.
Foto: AFP
Lokales 7 4 Min. 25.04.2019

Polizei in Sri Lanka sucht nach Anschlägen sechs Verdächtige

Insgesamt kamen bei dem Anschlag am Ostersonntag 359 Menschen ums Leben - die neun Attentäter nicht mitgerechnet.

(dpa) - Nach den Anschlägen in Sri Lanka hat die Polizei die Bevölkerung um Hinweise zu sechs Verdächtigen gebeten. Sie veröffentlichte am Donnerstag die Namen und Fotos von drei Männern und drei Frauen. Diese würden im Zusammenhang mit den Selbstmordanschlägen vom Ostersonntag gesucht. Einige Twitter-Nutzer gaben an, dass eines der Bilder möglicherweise eine bekannte muslimische US-Aktivistin mit sri-lankischer Abstammung zeige.

Die US-Botschaft in Sri Lanka warnte vor möglichen weiteren Anschlägen auf Gotteshäuser. Diese sollten von Freitag bis Sonntag gemieden werden, twitterte die Botschaft am Donnerstag unter Berufung auf die sri-lankischen Behörden. „Bleiben Sie weiter wachsam und meiden Sie größere Menschenmengen“, hieß es.

Inzwischen befanden sich nach Behördenangaben vom Donnerstag 76 Verdächtige in Gewahrsam. Die Regierung hatte aber bereits gewarnt, dass sich noch Verdächtige auf der Flucht befänden. Manche von ihnen seien im Besitz von Sprengstoff. In den vergangenen Tagen wurden mehrere verdächtige Gegenstände in der Hauptstadt Colombo kontrolliert gesprengt. Bomben wurden aber nicht gefunden.


Sri Lankan security personnel stand guard at the cordoned off entrance to the luxury Shangri-La Hotel in Colombo on April 21, 2019 following an explosion. - At least 42 people were killed April 21 in a string of blasts at hotels and churches in Sri Lanka as worshippers attended Easter services, a police official told AFP. (Photo by ISHARA S. KODIKARA / AFP)
Anschläge in Sri Lanka: Einige Täter noch auf der Flucht
Der IS hat die Anschläge in Sri Lanka für sich reklamiert. Weil Hinweise auf Anschlagspläne nicht weitergegeben wurden, soll es Konsequenzen für die Sicherheitsbehörden geben. Unterdessen warnt die Regierung vor flüchtigen Tätern.

Sieben sri-lankische Selbstmordattentäter hatten sich am Ostersonntag nahezu gleichzeitig in drei Kirchen in mehreren Städten und drei Luxushotels in der Hauptstadt Colombo in die Luft gesprengt. Einige Stunden später zündeten zwei weitere Terroristen in einem kleinen Hotel und in einem Wohnhaus in Vororten Colombos Bomben. Ein weiterer Anschlag auf ein Fünf-Sterne-Hotel scheiterte. 

Foto: AFP

Insgesamt kamen 359 Menschen ums Leben - die neun Attentäter nicht mitgerechnet. Laut Unicef kamen auch 45 Kinder ums Leben. Mehr als 400 Verletzte wurden nach Angaben der Polizei noch in Krankenhäusern behandelt.

Was bislang gewusst ist

Die Behörden bestätigten inzwischen die Identitäten von vier Beteiligten. Es sind zwei Söhne eines reichen Gewürzhändlers, der sich nun in Gewahrsam befindet, die Ehefrau eines der Brüder und ein islamistischer Hassprediger. Aus den Angaben der Polizei und der Regierung ergibt sich inzwischen folgendes Bild:

Die Brüder sprengten sich am Ostersonntag in zwei verschiedenen Fünf-Sterne-Hotels in Sri Lankas Hauptstadt Colombo in die Luft: im „Cinnamon Grand“ und im erst kurz zuvor eröffneten „Shangri-La“. Beim Anschlag auf das „Shangri-La“ waren die Attentäter zu zweit: einer der Ibrahim-Brüder und der Prediger Mohammed Zaharan, der nach Informationen indischer Geheimdienste der Anführer der Gruppe war.

An dem Morgen schlugen insgesamt neun Attentäter fast zeitgleich in drei Luxushotels in Colombo sowie drei Kirchen in Colombo und den Orten Negombo und Batticaloa zu. In den Hotels gingen die Bomben an den Frühstücksbuffets hoch.

Ein Attentäter wollte eine weitere Kirche in Dehiwala, einem Vorort von Colombo, angreifen. Weil es dort einen Einbruch gegeben hatte, wurde die Kirche von Polizisten bewacht, und der Mann brach das Attentat ab. Anschließend ging er in ein weiteres Fünf-Sterne-Hotel an der Strandpromenade von Colombo. Es gelang ihm allerdings nicht, seine Bombe zu zünden. Also ging er zurück in sein Zimmer in einem kleinen Hotel in Dehiwala. Dort explodierte die Bombe, vermutlich aus Versehen. Außer dem Attentäter starb ein junges Pärchen in einem Nebenzimmer.

Kurz darauf, Stunden nach den ersten sieben Explosionen, zündete die Frau eines der Ibrahim-Brüder in einem luxuriösen Haus, das ihrem Schwiegervater gehört, eine weitere Bombe. Zuvor hatte die Polizei das Haus betreten. Sie tötete sich, ihre beiden Kinder, einen weiteren Angehörigen der Ibrahim-Familie und drei Polizisten.

Die meisten der Terroristen waren nach Angaben der Regierung gebildet und stammten aus wohlhabenden Familien. Sie hätten im Ausland studiert, hieß es - einer vermutlich in Großbritannien und Australien.

Die Behörden gehen davon aus, dass die Attentäter der einheimischen Islamistengruppe National Thowheeth Jamaath (NTJ - etwa Nationale Versammlung für den Glauben an die Einheit Gottes) angehörten. Die Gruppe Jammiyathul Millathu Ibrahim soll ebenfalls beteiligt gewesen sein. Beide Organisationen waren zuvor kaum bekannt und nicht mit Terrorismus in Verbindung gebracht worden. Die NTJ gilt als salafistisch.

Der Salafismus ist eine extrem konservative Strömung des Islams. Anhänger beziehen sich ausschließlich auf den Koran und lehnen jede Form von Modernisierung ab. Ziel der Salafisten ist die vollständige Umgestaltung von Staat, Rechtsordnung und Gesellschaft nach ihrem Regelwerk - die Errichtung eines islamistischen Gottesstaates.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag für sich. Ihr Sprachrohr Amak veröffentlichte auch ein Video, das angeblich zeigt, wie acht der Attentäter dem IS die Treue schwören. Die Echtheit ließ sich nicht unabhängig überprüfen.

Polizeichef räumt Posten

Wegen folgenschwerer Fehler bei der Informationsweitergabe vor den Anschlägen in Sri Lanka müssen dort der Polizeichef und ein hochrangiger Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums ihre Posten räumen. Staatspräsident Maithripala Sirisena wies sie am Mittwoch an, Kündigungen einzureichen, wie sein Büro mitteilte.

Sirisena hatte am Dienstagabend angekündigt, innerhalb von 24 Stunden die Führungen der Sicherheitsbehörden des Landes auszutauschen. Hinweise von ausländischen Geheimdiensten auf Anschlagspläne seien nicht an ihn weitergegeben worden, sagte er zur Begründung.

Sri Lankas Präsident Maithripala Sirisena wird durch den Tatort in der St. Sebastian Kirche in Negombo geführt.
Sri Lankas Präsident Maithripala Sirisena wird durch den Tatort in der St. Sebastian Kirche in Negombo geführt.
Foto: AFP



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