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Polizei: Ein Leserbrief mit Folgen
Lokales 2 Min. 02.08.2013

Polizei: Ein Leserbrief mit Folgen

Ein Polizist redete sich in einem Leserbrief den Frust von der Seele. Nun drohen ihm Konsequenzen.

Polizei: Ein Leserbrief mit Folgen

Ein Polizist redete sich in einem Leserbrief den Frust von der Seele. Nun drohen ihm Konsequenzen.
Foto: Steve Remesch (Archiv)
Lokales 2 Min. 02.08.2013

Polizei: Ein Leserbrief mit Folgen

In einem Leserbrief an das "Luxemburger Wort" hatte ein Polizist sich den Frust über Polizeioffiziere von der Seele geredet. Nun drohen dem Mann disziplinarische Konsequenzen.

(str) - Unter dem Titel „Polizeicorps: "Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken" hatte sich der Polizist Théo Arensdorff am vergangenen Samstag in einem Leserbrief an das "Luxemburger Wort" den Frust über allzu realitätsfremde Polizeioffiziere von der Seele geredet. Nun drohen dem Mann Konsequenzen.

Am Montag informierte er das „Luxemburger Wort“, dass ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet worden sei. Die Polizei bestätigte dies am Donnerstagmorgen auf Nachfrage.

Dem Artikel 9 des Displinargesetzes, dem sowohl Militärs wie auch Polizisten unterliegen, ist folgendes zu entnehmen: "Les militaires doivent tenir compte de l'intérêt du service et s'abstenir de tout ce qui pourrait nuire à la bonne renommée de la force publique en général et du corps dont ils font partie." Sie dürfen demnach nichts tun, was dem guten Ruf ihres Korps schaden könnte. Die Dienstvorschriften sehen zudem ein strikt geregelten Umgang der Polizisten mit der Öffentlichkeit vor.

Manager statt Polizisten

In seinem öffentlichen Schreiben hatte Arensdorff kritisiert, echte Polizeiarbeit sei den „sternenbeschulterten Offizieren“ fremd. Die Offiziere seien Manager, denen es nur um Statistiken gehe.

"Sie wissen zwar immer alles besser, doch haben die wenigsten von diesen hochbezahlten Staatsdienern und -schützern jemals eine Vernehmung getätigt, einen Verkehrsunfall aufgenommen, eine Unfallskizze gezeichnet, eine Verkehrskontrolle durchgeführt und Avertissements erhoben, eine Einbruchsklage aufgenommen und dabei mit den Geschädigten gesprochen, einen Familienstreit geregelt und mit den aufgebrachten Parteien diskutiert, oder einfach einmal eine Untersuchung geführt oder gar geleitet", heißt es in dem Brief.

Der Sog der Bommeleeër-Affäre

Verbittert zeigte sich der Polizist Arensdorff auch darüber, dass in den Medien im Rahmen der Bommeleeër-Affäre der Eindruck erweckt würde, die Polizei bestünde ausschließlich aus Offizieren. Es gebe deren aber nur knapp 70. Die allermeisten der 1671 Nicht-Offiziere seien jedoch loyal, gesetzestreu, ehrlich und voller Idealismus. Lediglich eine Handvoll Polizeioffiziere habe sich an Gesetzestexten gestört und wohl auch in diesem Zusammenhang alles andere als ein reines Gewissen.

"Der Fisch beginnt bekanntlich am Kopf zu stinken", meinte Théo Arensdorff abschließend. "Wenn nun der Rest nicht auch verderben soll, müsste dieser stinkende Kopf abgetrennt werden."

Déi Gréng: Aufklärung statt Sanktionen

Am Donnerstagnachmittag meldete sich der grüne Abgeordnete Camille Gira in der Angelegenheit zu Wort. In einem Presseschreiben betont er, dass Déi Gréng bereits in der parlamentarischen Debatte zur Polizeireform auf einen durch die letzte Reform entstandenen Wasserkopf der Polizei aufmerksam gemacht habe. Die Arbeit der Polizei auf dem Terrain sei dabei ins Hintertreffen geraten.

Die Polizeidirektion solle sich den Kritiken stellen, anstatt Sanktionen zu erteilen. Das aktuelle Geschehen würde offenbaren, dass das von den Grünen geforderte und von Minister Halsdorf abgelehnte Organisations-Audit bei der Polizei gerechtfertigt gewesen sei.

LSAP: Freie Meinungsäußerung

Zuvor hatte bereits der LSAP-Fraktionschef Lucien Lux mehre Fragen zur Angelegenheit an den Innenminister gerichtet. So will Lux etwa von Jean-Marie Halsdorf wissen, ob ein strukturierter Dialog einer Disziplinarprozedur nicht vorzuziehen gewesen sei. Desweiteren fragt Lucien Lux, ob der Vorfall nun nicht zu einem Präzedenzfall werde und dies zum Nachteil der freien Meinungsäußerung von Beamten und Gewerkschaftsdelegierten. 

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