Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Polizei: Alte Schießeisen zu Geld gemacht
Lokales 18.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Polizei: Alte Schießeisen zu Geld gemacht

Die aus dem Verkehr gezogenen ehemaligen Dienstrevolver des Typs Smith & Wesson 686 in der Waffenmeisterei der Polizei.

Polizei: Alte Schießeisen zu Geld gemacht

Die aus dem Verkehr gezogenen ehemaligen Dienstrevolver des Typs Smith & Wesson 686 in der Waffenmeisterei der Polizei.
Foto: Pierre Matgé / LW-Archiv
Lokales 18.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Polizei: Alte Schießeisen zu Geld gemacht

Michel THIEL
Michel THIEL
Ein Teil der umstrittenen früheren Dienstwaffen der Polizei wurden Mitte Juli versteigert, wie jetzt bekannt wurde.

Das Finanzministerium hat am 17. Juli 708 alte Polizeirevolver des Typs Smith & Wesson 686 öffentlich versteigern lassen. Dies geht aus der Antwort der Regierung an den Abgeordneten Marc Baum (déi Lénk) hervor, der sich über den Hintergrund der Aktion erkundigte.

Demnach spülte die Auktion insgesamt 325.484 Euro in die Staatskassen. Sämtliche Revolver wurden von einem einzigen Bieter aus Deutschland aufgekauft. Es handelt sich dabei laut Minister um einen professionellen Händler.


Die Fehlerquote liegt bei 0,12 Prozent. Erlaubt sind 0,2 Prozent.
Polizeimunition ist besser als ihr Ruf
66.782 Schüsse hat die Polizei zwischen dem 1. Mai und dem 31. Juli auf ihrem Schießstand in Reckenthal abgefeuert. 35 Mal bereitete die Munition Probleme. Einem internen Bericht zufolge lag allerdings nur in 16 Fällen ein schwerwiegender Herstellungsfehler vor.

Die ehemaligen Dienstwaffen waren 2014 Gegenstand einer größeren Auseinandersetzung zwischen Polizeigewerkschaft, Generaldirektion und Ministerium, nachdem bekannt geworden war, dass es eine Reihe von Schießunfällen mit den älteren Dienstwaffen gegeben hatte. Marc Baum erkundigte sich nun bei der Regierung, ob diese technische Problem kein Sicherheitsrisiko für die Käufer bedeute.

In ihrer gemeinsamen Antwort erklären der Minister für Innere Sicherheit Francois Bausch und Justizministerin Sam Tanson, dass aufgrund der festgestellten technischen Mängel 360 Revolver aus dem Verkehr gezogen und zerstört worden seien. Die restlichen Waffen seien von der Waffenmeisterei der Polizei inspiziert und gewartet worden und erfüllten sämtliche Sicherheitsstandards des Herstellers Smith & Wesson. Darüber hinaus unterstreichen sie, dass die Schießunfälle vor einigen Jahren weniger auf die Revolver selbst, als auf die verwendete Spezialmunition zurückzuführen gewesen seien.


Armurerie de la Police - Photo : Pierre Matgé
Die Waffenmeister der Polizei: Das Schießeisen ist ihr Metier
Eine der bestbewachten Abteilungen der Polizei ist die Waffenmeisterei. Dafür zu sorgen, dass die Dienstwaffen der Polizisten einwandfrei funktionieren, ist nur eine ihrer Aufgaben. In der "Armurerie" landen auch alle beschlagnahmten Waffen.

Im Sommer 2017 wurde die Luxemburger Polizei mit neuen Dienstpistolen des Typs Heckler&Koch SFP9 ausgerüstet. Der Erlös aus der Versteigerung der alten Revolver floss laut Regierung in den Kauf der neuen Dienstwaffen mit ein. Es sei das erste Mal gewesen, dass die Regierung eine solche Versteigerung veranlasst habe.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die Zahl der legalen Schusswaffen ist in Luxemburg konstant. Auf EU-Ebene werden nun aber schärfere Regeln zum Waffenbesitz eingeführt, die auch Luxemburg betreffen. Die Justiz sieht dies jedoch noch skeptisch.
Rund 38.800 der gemeldeten Waffen werden für
Sportschießen verwendet. 15.800 zu Jagdzwecken.
Luxemburgs Polizei bekommt ab Mitte 2017 hochmoderne Pistolen des Herstellers Heckler & Koch als Ersatz für die obsoleten Revolver. Sicherheitsprobleme hatten diesen Schritt unumgänglich gemacht.
Die HK SFP9 wird die künftige Dienstwaffe der luxemburgischen Polizei werden.
Maschinenpistolen eingezogen
Die Polizeiführung zieht bis Ende September die Maschinenpistolen einiger Abteilungen ein. Dazu zählt die Kriminalpolizei, die künftig auf die Feuerkraft der Langwaffen verzichten muss.
Weniger Polizisten als bisher werden sich im Ernstfall auf die überlegene Feuerkraft einer Maschinenpistole verlassen können – offenbar aus Kostengründen.
Luxemburger an den Waffen
Mehr als 14.000 Personen besitzen in Luxemburg eine Waffengenehmigung. Doch was macht den Reiz des Schießens aus? Ist es Abenteuerlust oder sportlicher Ehrgeiz? Ein Besuch auf dem Schießstand in Kayl.
Reportage Waffen - Schie�stand Kayl - Photo : Pierre Matg�
Der neue Schießstand der Polizei in Reckenthal
Wenn Sekundenbruchteile über Leben und Tod entscheiden, müssen Polizisten nicht nur ermessen, ob der Waffengebrauch legitim ist, sie müssen auch mit der Waffe umgehen können – und treffen. Das lernen Polizeibeamte seit nunmehr 70 Jahren in Reckenthal.
Stand de tir de la police - Photo : Pierre Matgé
Privater Waffenbesitz in Luxemburg
Während die angekündigte Verschärfung des Waffengesetzes feststeckt, wächst die Zahl der Waffen. Tausende Waffen sind in Luxemburg legal oder illegal im Umlauf. Nicht immer werden diese aus legitimen Gründen erworben, oft fehlt eine offizielle Genehmigung.
78 Zwischenfälle zwischen Mai und Juli
66.782 Schüsse hat die Polizei zwischen dem 1. Mai und dem 31. Juli auf ihrem Schießstand in Reckenthal abgefeuert. 35 Mal bereitete die Munition Probleme. Einem internen Bericht zufolge lag allerdings nur in 16 Fällen ein schwerwiegender Herstellungsfehler vor.
Die Fehlerquote liegt bei 0,12 Prozent. Erlaubt sind 0,2 Prozent.
Hat die Polizei keine anderen Sorgen als die Endlosdiskussion über Revolver und Pistolen? Diese Frage könnte man sich stellen. Doch die Sache ist sehr ernst. Ein Lagebericht.
„Die Revolver, die die Polizei hat, sind gut“, sagt Waffenhändler Henri Freylinger aus Liwingen. „Aber wer Munition über den Rechnungshof kauft und sich für das billigste Produkt auf dem Markt entscheidet, der hat dann auch nur das Allerbilligste.“