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Pläne im Überfluss für die Mobilität im Süden
Lokales 5 Min. 17.04.2013 Aus unserem online-Archiv

Pläne im Überfluss für die Mobilität im Süden

Auf der Autobahn A 4 sollen Busspuren über die Standspur führen.

Pläne im Überfluss für die Mobilität im Süden

Auf der Autobahn A 4 sollen Busspuren über die Standspur führen.
Foto: Serge Waldbillig
Lokales 5 Min. 17.04.2013 Aus unserem online-Archiv

Pläne im Überfluss für die Mobilität im Süden

Eine Busspur auf der Autobahn A4, zahlreiche Park&Ride-Plätze entlang des Schienennetzes und Umgehungsstraßen für Niederkerschen und Dippach waren nur einige der Themen, die bei einer Konferenz zur Verkehrsproblematik von Minister Claude Wiseler angesprochen wurden.

Von Nicolas Anen

Eine Busspur auf der Autobahn A4, zahlreiche Park&Ride-Plätze entlang des Schienennetzes und Umgehungsstraßen für Niederkerschen und Dippach waren nur einige der Themen, die am Montagabend in Leudelingen von Nachhaltigkeitsminister Claude Wiseler angesprochen wurden. Auf Einladung der CSV Süden ging der Minister während einer öffentlichen Konferenz auf die sehr zahlreichen Mobilitätsprojekte ein, die für die kommenden Jahre im Süden anstehen, und erklärte, wie diese sich ins Konzept der „Mobilité durable“ einfügen.

„Man wirft mir oft vor, dass wir mit leeren Bussen durch die Landschaft fahren“, betonte der Minister gleich zu Beginn – fügte aber gleich hinzu, dass dieselben Busse während der Spitzenstunden überfüllt seien. Das Gleiche gelte übrigens auch für die Züge.

Angesichts des Ausmaßes des Verkehrs in den Spitzenstunden – heute finden täglich 1,66 Millionen motorisierte Fahrten in Luxemburg statt, davon zwei Drittel während der sogenannten „rush hour“ – reiche es demnach nicht, die Menschen dazu aufzufordern, den öffentlichen Transport zu benutzen: Das Angebot müsse, wenigstens während der Spitzenstunden, erweitert werden. So wurde bereits die Zugstrecke Petingen-Luxemburg zweigleisig ausgebaut, während die Strecke von Bettemburg nach Luxemburg von zwei auf vier Gleise erweitert werden soll. In diesem Zusammenhang kündigte Claude Wiseler auch eine Neugestaltung des Bahnhofs in Bettemburg an. Die Gespräche mit der Gemeinde haben bereits begonnen. Ziel sei es, die erweiterte Strecke 2020 in Betrieb nehmen zu können. Auch die Strecke Kleinbettingen-Luxemburg soll so verbessert werden, dass dort eine erhöhte Geschwindigkeit erlaubt werden kann. Alle diese Investitionen sollen das Schienennetz zum Rückgrat des öffentlichen Verkehrs machen.

Zahlreiche Park&Ride-Plätze in Planung

Die „Modu“-Strategie (für „mobilité durable“) sieht aber auch eine Reorganisation des Busnetzes vor. Es dürfe nicht mehr sein, dass aus jeder Gemeinde ein Bus nach und durch Luxemburg-Stadt fahre, so der Minister. Stattdessen werde unter anderem auf ein System von Park&Ride-Anlagen gesetzt, von wo aus man mit dem öffentlichen Transport weiterfahren könne. Geplant ist zum Beispiel die Erweiterung des Parkplatzes in Rodange. Dieser soll von 166 auf 566 Plätze aufgestockt werden. Aktuell laufen die Verhandlungen mit ArcelorMittal, was die Grundstücke anbelangt. In Differdingen ist im Rahmen der Umgestaltung der Ortseinfahrt ein Parkplatz für 800 Fahrzeuge vorgesehen, davon 300 als Park&Ride.

In diesem Zusammenhang erinnerte der Minister übrigens auch an den geplanten Bau der Zufahrtsstraße, die die Stadt Differdingen mit der „Collectrice du Sud“ verbinden soll. Ein Projekt, das sieben Millionen Euro kosten dürfte. Weitere Park&Ride-Plätze sind in Sterpenich und Windhof vorgesehen, während die Arbeiten in Belval zum Teil abgeschlossen sind und Letzterer bereits im September geöffnet werden dürfte. Dort finden bis zu 1 620 Fahrzeuge Platz. Darüber hinaus ist eine Erweiterung möglich, welche die Kapazität verdoppeln würde. Noch ist nicht entschieden, wie die Tarifstruktur aussehen wird, jedoch scheint sich herauszuschälen, dass das Parken hier nicht gratis sein wird, Bahnbenutzer aber einen Rabatt erhalten werden. Dies um zu verhindern, dass der Park&Ride später von Studenten benutzt wird und nicht von Pendlern, die dort auf den Zug umsteigen sollen.

Eine Busspur auf der Autobahn A4

Parallel zu den Gleisen sollen in Zukunft keine Buslinien mehr verkehren: Diese sollen prioritär dort eingesetzt werden, wo es keinen Schienenverkehr gibt. Da der Bau einer direkten Zugstrecke zwischen Luxemburg und Esch/Alzette aktuell nicht (mehr) auf der Tagesordnung steht, sei demnach geplant, eine Busspur auf der A4 zu erichten, erklärte der Minister. Konkret soll die Struktur, welche die beiden Fahrspuren in der Mitte der Autobahn abgrenzt, enger gestaltet werden, damit die Standspuren erweitert und von Bussen benutzt werden können. Dieses Projekt, das Claude Wiseler als „extrem wichtig“ bezeichnete, soll mit etwa 20 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Neben diesen Investitionen in den öffentlichen Transport sind aber auch zahlreiche Projekte im Straßenbau vorgesehen. Auch wenn das Projekt, die A6 und die A3 dreispurig zu gestalten, auf später verschoben wurde, soll dennoch das Teilstück zwischen der „Aire de Berchem“ und dem Gaspericher Kreuz auf der A3 dreispurig gestaltet werden, da es sich hier um eine große Gefahrenstelle handelt. Die Arbeiten sollen Ende 2013, Anfang 2014 beginnen. Auch eine Neugestaltung der Autobahnkreuzung A13-A4 bei Foetz ist vorgesehen. Zum Teil soll der Verkehr dort vierspurig geleitet werden. Die Kosten sollen sich auf etwa 130 Millionen Euro belaufen. Außerdem soll die Ausfahrt zwischen Düdelingen und Bettemburg mittels eines großen Kreisverkehrs neugestaltet werden. Hier sollen die Arbeiten 2014 beginnen.

Käerjeng: die „sinnvollste“ Variante zurückbehalten

Bereits stark umstritten ist die Umgehungsstraße von Niederkerschen. Claude Wiseler stellte klar, dass die aktuelle Situation in der Gemeinde Käerjeng „unmöglich“ sei und dass die vom Ministerium zurückbehaltene Variante (die über Sassenheimer Territorium führt) die „sinnvollste“ und technisch einfachste sei. Alles werde getan, um die Belästigung so weit wie möglich zu reduzieren. Er sei bereit, jeden davon überzeugen zu wollen, auch in Sassenheim. Die Alternativstrecke, die von der Gemeinde Sassenheim vorgeschlagen wurde, sei „nicht baubar“ und würde eine neue Gefahrenstelle in der Verkehrslandschaft schaffen. In einer späteren Phase ist auch eine Umgehungsstraße von Dippach vorgesehen, doch sei noch keine Straßenvariante zurückbehalten worden.

Das Projekt befindet sich im Stadium des „avant-projet“. Eine weitere Umgehungsstraße ist bekanntlich auch um Kehlen geplant. Hatte vor diesen ausgedehnten Erklärungen CSV-Süden-Präsidentin Sylvie Andrich-Duval noch das Verkehrsnetz mit den Blutgefäßen und Adern im Körper verglichen, so stellte der Minister in seinen über zwei Stunden dauernden Erörterungen klar, dass dem Patienten Verkehrsproblematik in den kommenden Jahren zahlreiche Operationen bevorstünden.