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Die Gefahr lauert im Netz
Lokales 3 Min. 31.07.2014 Aus unserem online-Archiv
Phänomen Cyber-Grooming

Die Gefahr lauert im Netz

Kinder und Jugendliche können oft die Gefahren von Nacktbildern im Internet nicht abschätzen.
Phänomen Cyber-Grooming

Die Gefahr lauert im Netz

Kinder und Jugendliche können oft die Gefahren von Nacktbildern im Internet nicht abschätzen.
Shutterstock
Lokales 3 Min. 31.07.2014 Aus unserem online-Archiv
Phänomen Cyber-Grooming

Die Gefahr lauert im Netz

Für Aufsehen sorgte vergangene Woche der Fall eines Mädchens, das über das Internet einen Mann aus Luxemburg kennenlernte und letztlich mit Nacktfotos erpresst wurde. Wir haben die wichtigsten Aspekte zum sogenannten Cyber-Grooming zusammengefasst.

(ks) - Für Aufsehen sorgte vergangene Woche der Fall eines Mädchens, das über das Internet einen Mann aus Luxemburg kennenlernte und letztlich mit Nacktfotos erpresst wurde. Wir haben die wichtigsten Aspekte zum sogenannten Cyber-Grooming zusammengefasst.

Wie schafft es ein Täter, im Netz von Minderjährigen Nacktfotos zu erhalten?

„Im Fall von 'Cyber-Grooming' baut der Täter über das Internet ein Vertrauensverhältnis zu dem Kind auf. Manche geben vor, selbst ein Jugendlicher zu sein. Der Täter manipuliert das Opfer, um es dann sexuell auszubeuten, zum Beispiel indem er es drängt, ihm Nacktfotos von sich zu schicken“, erklärt Hannah Bristow, Projektleiterin bei Ecpat, einer Organisation, die gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern kämpft.

Ist der Fall von vergangener Woche ein Einzelfall?

Dies ist schwer zu sagen. Statistisch wird das Cyber-Grooming bei der Polizei nicht erfasst, da in diesen Fällen mehrere Delikte zusammenfallen. „Die Straftaten, die mit sozialen Medien in Zusammenhang stehen, nehmen in dem Maß zu, in dem die Benutzung des Internets zunimmt. Es ist aus diesem Grund schwierig festzustellen, ob die relative Zahl dieser Straftaten über die letzten Jahre gestiegen ist“, heißt es bei der Polizei. Fraglich ist auch, ob wirklich jeder Fall angezeigt wird und wenn nicht, wie hoch die Dunkelziffer ist.

Welche Strafen riskieren die Täter?

Dass es sich beim Grooming keineswegs um ein Kavaliersdelikt handelt, hat auch der Staat erkannt und 2011 ein entsprechendes Gesetz eingeführt: Täter riskieren eine einmonatige bis dreijährige Haftstrafe sowie eine Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro. Kommt es zu einem Treffen in der realen Welt, kann die Strafe deutlich höher ausfallen.

Hinzu kommen weitere Straftaten. So gelten Nacktfotos eines Minderjährigen als kinderpornografischer Inhalt. Deren Besitz ist ebenso verboten wie deren Verbreitung. Wird ein Foto ohne die eigene Zustimmung gepostet, wird zudem das Recht am eigenen Bild verletzt. Nicht zuletzt kann es sich um einen Eingriff in die eigene Privatsphäre handeln.

Wie lässt sich verhindern, dass Jugendliche zu Opfern von Cyber-Grooming werden?

„Durch Aufklärung“, meint Georges Knell, der beim Kanner-Jugendtelefon die BeeSecure-Helpline betreut. „Jugendliche sollten wissen, dass sie auch im Internet vorsichtig sein müssen im Umgang mit Unbekannten.“ Auch vom eigenen Partner sollten sich Teenager nicht zu Nacktaufnahmen überreden lassen. Wer weiß, ob er aus Rache die Fotos nicht nach dem Ende der Beziehung auf Facebook postet?

Was tun, wenn ein Nacktfoto in Umlauf ist?

Die Betroffenen sollten den Übeltäter auffordern, die Inhalte aus dem Internet zu nehmen. Schließlich besitzen sie selbst das Recht am eigenen Bild. Zudem löschen soziale Netzwerke unerlaubte Inhalte, wenn ihnen diese gemeldet werden. Nicht zuletzt bleibt der Gang zur Polizei.

Wem können sich Betroffene anvertrauen?

Aus Scham mag so mancher Teenager vielleicht nicht mit der Sprache herausrücken. Aber: Darüber sprechen hilft! Am besten zunächst mit den eigenen Eltern. Zudem bieten die BeeSecure-Hotline (Tel.: 26 64 05 44) und das Kanner-Jugendtelefon (Tel.: 116 111) anonym Unterstützung. Ein Ansprechpartner ist auch der Ombudsman fir d'Rechter vum Kand (Tel.: 26 123 124). Über die Internetseite childprotection.lu können der Polizei Fälle von Cyber-Grooming gemeldet werden.

Welche Folgen haben die Taten für die Opfer?

„Sie entwickeln häufig Schuldgefühle. Sie fragen sich, wie sie so naiv sein konnten. Dabei sind sie das Opfer einer Manipulation geworden“, sagt Hannah Bristow. Hinzu kommt das Gefühl, der Verbreitung des eigenen Nacktfotos machtlos gegenüber zu stehen. Dies könne in Depression, Suchtkrankheiten und schlimmstenfalls im Selbstmord enden. Eventuell bleibt es aber nicht beim virtuellen Kontakt. „Kommt es zusätzlich zu einem Treffen in der realen Welt, ist die Gefahr des sexuellen Missbrauchs natürlich noch größer“, sagt Bristow.

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