Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Petruss-Kasematten: Galerien bald wieder zugänglich
 Für die Restaurierung nach Deutschland: Während die Feuerwehr die Kanone aus dem Jahr 1834 von den Kasematten auf die Place de la Constitution brachte, kümmert sich die Luxemburger Armee nun um deren Transport in das Restaurationsatelier in Bensheim (D).

Petruss-Kasematten: Galerien bald wieder zugänglich

Foto: Chris Karaba
Für die Restaurierung nach Deutschland: Während die Feuerwehr die Kanone aus dem Jahr 1834 von den Kasematten auf die Place de la Constitution brachte, kümmert sich die Luxemburger Armee nun um deren Transport in das Restaurationsatelier in Bensheim (D).
Lokales 2 Min. 20.09.2017

Petruss-Kasematten: Galerien bald wieder zugänglich

Nadine SCHARTZ
Nadine SCHARTZ
Seit 2015 sind die Petruss-Kasematten nicht mehr zugänglich. In den kommenden Monaten werden sie nun modernisiert. In wenigen Monaten können die Besucher dann wieder auf Entdeckungstour durch die Galerien gehen.

(nas) - Sie zählen zu den Hauptattraktionen des Luxemburger Tourismus: die 23 Kilometer langen Kasematten. Allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres stiegen die Besucherzahlen um 5,17 Prozent. Insgesamt begaben sich damit 106 599 Personen aus dem In- und Ausland auf Erkundungstour durch die unterirdischen Galerien der Hauptstadt.

Dies jedoch allein in den Bock-Kasematten. Denn die Petruss-Kasematten sind seit dem Jahr 2015 geschlossen und demnach auch nicht mehr zugänglich. Aus mehreren Gründen, wie der Direktor des „Luxembourg City Tourist Office“ (LCTO), Tom Bellion erklärt. So seien diese Galerien lediglich während der Oster-, Pfingst- und Sommerferien und nur für geführte Besichtigungen geöffnet worden.

„Unser Ziel aber ist es, diese Gänge von Februar bis November, oder besser noch während des ganzen Jahres zugänglich zu machen“, erklärt Tom Bellion. Hinzu kamen Sicherheitsbedenken. Deshalb habe man denn auch entschieden, diesen Teil der Kasematten vorerst komplett zu schließen und die Pläne für deren Restaurierung ausarbeiten zu lassen.  Nun, zwei Jahre später werden die diesbezüglichen Arbeiten aufgenommen.

Die Übergabe der preußischen Kanone bildete den Startschuss der Restaurierungsarbeiten.
Die Übergabe der preußischen Kanone bildete den Startschuss der Restaurierungsarbeiten.
Foto: Chris Karaba

Eine Kanone auf Abwegen

Der Startschuss dafür erfolgte gestern Nachmittag jedoch nicht etwa durch einen Spatenstich oder den handwerklichen Einsatz eines Kommunalpolitikers, sondern der Übergabe der einzigen noch ursprünglichen Kanone aus dem Jahr 1834 an die Luxemburger Armee. Während die hauptstädtische Feuerwehr diese Kanone aus der preußischen Zeit aus den Kasematten bis auf die Place de la Constitution brachte, wird die Armee sich nun um den Transport in das Restaurationsatelier im deutschen Bensheim (nahe Karlsruhe) transportieren.

Während die Kanone in Deutschland auf Vordermann gebracht wird, werden die Arbeiten in den unterirdischen Galerien auf Hochtouren laufen. Nach den Plänen des Studienbüros Jean Schmit sollen dabei das kulturelle Erbe zur Geltung gebracht, die Zugangsmöglichkeiten verbessert, die Beleuchtung erneuert und die Sicherheit verbessert werden. Insgesamt werden die Galerien moderner und der Zeit angepasst, „ohne dabei zum Disneyland zu mutieren“, wie es gestern hieß.

„Läuft alles nach Plan ist die Restaurierung im späten Frühjahr 2018 abgeschlossen“, so der LCTO-Direktor. Die Wiederöffnung ist im Juni vorgesehen. Die Kosten für die Restaurierung beläuft sich auf 1,5 Millionen Euro, wovon die Stadt Luxemburg drei Viertel und der Staat ein Viertel übernimmt.

Per Aufzug vom Petrusstal auf die Place de la Constitution?

Stadtbürgermeisterin Lydie Polfer ging in ihrer Ansprache u. a. auf die seit längerem vorgesehene Neugestaltung der Place de la Constitution an.  In diesem Zusammenhang denke man denn auch über die  Anbindung des Petrusstals per  Aufzug nach.

Erste Renovierung seit 1933

Mit den nun aufgenommenen Arbeiten werden die Petruss-Kasematten erstmals seit deren Eröffnung anno 1933 instand gesetzt. Die Bock-Kasematten hingegen waren in den Jahren 2008 und 2009 auf den neuesten Stand gebracht worden. Die Gänge selbst entstanden ab dem Jahre 1644; realisiert wurden sie zu Beginn von den Spaniern und später von den Franzosen und den Österreichern. Nachdem die Kasematten in den 1930er Jahren als Touristenattraktion geöffnet worden waren, gewährten sie der Bevölkerung während der Kriege Schutz, dienten aber auch während des Zweiten Weltkriegs als Luftschutzbunker. Noch heute zeugt die Inschrift „Den Sand nicht vergessen“ in den Petruss-Kasematten – wo sich damals die Latrinen der Schutzsuchenden befanden – von dieser Zeit.

Nach dem Krieg stand wiederum der Tourismus im Mittelpunkt. Ein Highlight erfolgte im Jahr 1994, als die Kasematten zusammen mit der Altstadt auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen wurden.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema