Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Per Express-Tram in den Süden
Die Express-Tram würde sich lediglich technisch, nicht aber äußerlich von der bestehenden Straßenbahn unterscheiden.

Per Express-Tram in den Süden

Foto: Chris Karaba
Die Express-Tram würde sich lediglich technisch, nicht aber äußerlich von der bestehenden Straßenbahn unterscheiden.
Lokales 2 Min. 11.06.2018

Per Express-Tram in den Süden

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
Eine Express-Tram entlang der Autobahn A4 soll künftig die Hauptstadt und den Süden des Landes "schnell und zuverlässig" miteinander verbinden. Am Montag stellte Infrastrukturminister François Bausch das Projekt eines "Séieren Tram" vor.

Eine Express-Tram eignet sich am besten für eine schnelle und performante Verbindung zwischen der Hauptstadt und dem Süden des Landes. Zu diesem Schluss kommen die Experten des deutsch-französischen Beratungsunternehmens Transport Technologie Consult Karlsruhe (TTK), die im Auftrag des Infrastrukturministeriums verschiedene Transportmittel für die Strecke Luxemburg-Esch überprüft haben.

Die Express-Tram könnte mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Stundenkilometern fahren, würde sich äußerlich nicht von der bestehenden Tram unterscheiden und sie könnte auch auf dem "klassischen" Tramnetz verkehren, erklärte Marc Perez von TTK. Somit wäre auch eine direkte Anbindung an zentrale Orte in der Hauptstadt, etwa an das Kirchberg-Plateau, möglich.

Genaue Streckenführung noch unklar

Konkret würde dies bedeuten: In 37 Minuten von der Place Benelux in Esch bis zur Stäreplaz, in 35 Minuten von Foetz bis zur Place de l'Europe und in 2o Minuten von Esch-Schifflingen bis nach Hollerich, wie Marc Perez als Beispiele für die mögliche Reisezeit aufführte.

Die genaue Streckenführung in Esch, in Foetz und auf der Höhe von Leudelingen bleibt noch zu klären. Geplant ist aber, dass die Trasse zunächst die Autobahn A4 entlang bis nach Foetz führt. Dort soll ein wichtiger Pôle d'échange entstehen. Dieser erste Abschnitt könnte bis 2028 Realität sein. Anschließend geht es weiter in Richtung Industriebrache Esch-Schifflingen und schließlich, um das Jahr 2035, bis nach Esch und Belval.

Grafik: MDDI

Superbus, Monorail und Co. nicht geeignet

Neben einer Express-Tram wurden auch mehrere weitere Transportmittel analysiert. Darunter zunächst einmal zwei verschiedene Schnellbussysteme,  den Bus à haut niveau de service (BHNS) sowie der Car à haut niveau de service (CHNS). Der Unterschied zwischen Ersterem und Letzterem besteht darin, dass es im BHNS mehr Steh- als Sitzplätze gibt. Allerdings sind Stehplätze gemäß Code de la route lediglich innerorts erlaubt, weshalb sich dieses Transportmittel für die Verbindung Esch-Luxemburg nicht eignen würde.

Der CHNS hingegen verfügt ausschließlich über Sitzplätze und würde somit höchstens 90 Passagieren Platz bieten. Er würde den erforderlichen Kapazitäten somit nicht gerecht werden,wie Marc Perez erklärte. Außerdem würde sich die Einfügung ins Stadzentrum als schwierig gestalten. Würde der CHNS lediglich den Rand der Hauptstadt anfahren, wäre er wenig attraktiv. Würde er ins Stadtzentrum hineinfahren, müssten die rund 800 Doppeldeckerbusse dort wenden.

Auch die Variante Monorail bzw. Metro wurde überprüft. Diese Transportmittel wären für die Strecke Esch-Luxemburg jedoch vollkommen überdimensioniert, erklärt der Experte. Sie werden in der Regel bei 100.000 Passagieren pro Tag eingesetzt. Hier liegen wir bei etwa 30.000. Auch von einem städtebaulichen Standpunkt aus wäre die Umsetzung zu kompliziert beziehungsweise zu kostspielig. Beim Monorail beispielsweise würde jeweils eine sieben bis acht Meter breite Fläche benötigt.

Komplementär zu anderen Verkehrsmitteln

Wichtig sei, dass das Projekt Express-Tram nicht in Konkurrenz zu den anderen Verkehrsmitteln wie Bus und Zug steht, sondern komplementär dazu. "Man muss sie im Zusammenhang mit den anderen Infrastrukturen sehen", unterstrich Infrastrukturminister François Bausch. So soll die Express-Tram beispielsweise an die transversale Superbuslinie im Süden des Landes gekoppelt werden.

François Bausch zufolge müssen die Details des Vorhabens nun analysiert werden. Die politische Entscheidung liegt dann aber bei der künftigen Regierung.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Zwischen Kritik und Begeisterung
Seit sechs Monaten ist die Tram zwischen der Luxexpo und der Rout Bréck in Betrieb. Am 27. Juli wird die nächste Etappe bis zur Place de l'Etoile eröffnet. Von dort geht es weiter durch die Hauptstadt – und in Richtung Süden.
Test tram - nouveau tracé entre le pont rouge et la place de l'étoile - photo : Pierre Matgé
Eine Tram nach Süden
Noch mehr Tram: Infrastrukturminister François Bausch plant, die Straßenbahn bis nach Esch/Alzette ausbauen.
Tram Testfahrten, Kirchberg, Foto Lex Kleren
Editorial: Auf der Schiene
In weniger als 30 Monaten soll die Tram durch die Hauptstadt rollen. Auf dem ersten Streckenabschnitt zwischen dem Hauptbahnhof und dem Kirchberg. Obwohl bereits auf der Schiene, ist das Straßenbahnprojekt immer noch Aufregerthema Nummer eins.