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Paulette Lenert: Hinweise auf zweite Infektionswelle
Lokales 5 Min. 29.06.2020

Paulette Lenert: Hinweise auf zweite Infektionswelle

Paulette Lenert: Viele der jüngsten Neuinfektionen seien auf private Feste zurückzuführen.

Paulette Lenert: Hinweise auf zweite Infektionswelle

Paulette Lenert: Viele der jüngsten Neuinfektionen seien auf private Feste zurückzuführen.
Foto: SIP/Julien Warnand
Lokales 5 Min. 29.06.2020

Paulette Lenert: Hinweise auf zweite Infektionswelle

Ab Montag werden die Klassen in den Schulen wieder zusammengelegt – obwohl die Corona-Fallzahlen in Luxemburg zuletzt wieder anstiegen. Vertreter der Regierung versuchen zu beruhigen.

(LW) -  Das Covid-19-Virus verbreitet sich auch hierzulande wieder schneller. Seit Freitag wurden 91 Neuinfektionen verzeichnet. Alleine am Samstagabend meldete die Santé 44 Neuinfektionen. Das waren doppelt so viele wie noch am Freitag (22) – und bereits an diesem Tag hatte die Zahl seit Wochen erstmals wieder die 20er-Marke überschritten. (Mehr zu den Zahlen vom Sonntag lesen Sie hier.)  

Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) meinte am Montagmorgen bei RTL: „Bis Mitte der Woche wissen wir, ob sich die Tendenz bestätigt.“ Es sei noch zu früh, von einer „zweiten Welle“ zu sprechen, aber es gebe Hinweise darauf: „Das ist beunruhigend.“ 

80 Prozent der Neuinfizierten mit Symptomen

Ihre Behörde gehe derzeit davon aus, dass es sich bei den meisten Fällen, die in den vergangenen Tagen bekannt wurden, um ein "klar identifizierbares Infektionscluster" handle. Viele der jüngsten Neuinfektionen seien auf private Feste zurückzuführen. Der Rest seien Einzelfälle, die nicht miteinander in Verbindung stünden. Merkwürdig sei, dass zuletzt fast 80 Prozent der positiv getesteten Personen typische Symptome einer Covid-19-Erkrankung aufwiesen – bisher war man davon ausgegangen, dass 80 Prozent der Infektionen leicht beziehungsweise unbemerkt verlaufen.


Poliotik, Conseil de gouvernement Briefing presse, Xavier Bettel une Paulette Lenert: Nouvelles mesures de déconfinement Briefing. Corona Virus, Covid-19, Foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
Covid-19: Gesundheitsministerin Lenert mahnt zur Vorsicht
Ab Donnerstag gelten neue Vorschriften im Umgang mit der Pandemie. Es kommt zu weiteren Lockerungen. Doch Gesundheitsministerin Paulette warnt vor zu viel Übermut.

Die Gesundheitsministerin erklärte, man bereite sich darauf vor, eine Handy-App für die Nachverfolgung von Infektionen in Luxemburg einzuführen. Das Gesundheitsamt werde aber auch weiterhin auf die analoge Methode setzen, um Kontakte von Infizierten aufzuspüren. Über Telefongespräche könnten die Mitarbeiter der Santé wichtige Präventionsarbeit leisten. 

Lenert verwies auch darauf, dass in den vergangenen Tagen viel getestet wurde. Bislang seien aber erst 20 Prozent - das heißt rund 100.000 Personen – dem Aufruf der groß angelegten Kampagne "Large scale Testing" gefolgt.

Am Freitag hatte die Santé auf LW-Nachfrage erklärt, dass ein Teil der Neuinfektionen auf eine Familienfeier Mitte des Monats zurückzuführen sei, auf der sich rund 70 Personen zusammengefunden hatten. Die Hygienevorschriften sollen dabei nicht immer beachtet worden sein. Zum Zeitpunkt der Feier war diese in dieser Größenordnung nicht erlaubt gewesen. Erst seit Donnerstag gelten im Zusammenhang mit den neuen Covid-Gesetzen neue Regeln im Umgang mit der Pandemie. Strenge Verbote gibt es nur noch wenige, stattdessen setzt das Gesundheitsministerium auf den gesunden Menschenverstand und auf Eigenverantwortung (siehe Kasten unten).

Zusammenlegung der Schulklassen nicht infrage gestellt 

Angesichts der steigenden Infektionszahlen werden auch Stimmen laut, die die Zusammenlegung der Schulklassen, die ab dem (heutigen) Montag erfolgen soll, kritisieren. Die Lehrergewerkschaft Féduse sprach sich gegen die Aufhebung der A/B-Klassen aus. Die Zusammenlegung der Klassen werfe nicht nur sanitäre, sondern auch organisatorische Probleme auf: Das Schulsystem müsste sich nun schon zum vierten Mal während der Krise auf eine neue Situation einstellen. 

Die Neuansteckungen erfolgen weniger auf offener Straße oder in der Schule als bei Partys oder Familienfesten, wo Menschen „unkontrolliert“ beieinander kommen, erklärt Bildungsminister Claude Meisch.
Die Neuansteckungen erfolgen weniger auf offener Straße oder in der Schule als bei Partys oder Familienfesten, wo Menschen „unkontrolliert“ beieinander kommen, erklärt Bildungsminister Claude Meisch.
Foto: SIP/Julien Warnand

Konfrontiert mit der Kritik antwortete Bildungsminister Claude Meisch am Sonntag gegenüber RTL: „Größere Cluster von Infektionen scheinen tatsächlich von Orten zu kommen, wo Leute unkontrolliert beieinander kommen. Wie auf Familienfesten, Partys, Versammlungen draußen, in Parks oder auf öffentlichen Plätzen.“ In Schulen seien auch einzelne Corona-Fälle nachgewiesen worden, aber hätten die Ansteckungen meistens nicht in Schulgebäude, sondern auswärts stattgefunden. 

Bleibt von den Partys weg und falls ein Familienfest anfällt, feiert, aber passt ganz, ganz gut auf.

Claude Meisch

„In der Regel infiziert man sich nicht in der Schule“, so der Minister. Demnach werde man die Klassen nicht in zwei Gruppen aufgeteilt lassen, „weil irgendwo auf einer Wiese eine wilde Party stattgefunden hat oder auf einem Familienfest nicht so aufgepasst wurde, wie es sein müsste“, so Claude Meisch. 

Am Wochenende richtete das Gesundheitsministerium via die sozialen Medien denn auch einen Appell an die Bevölkerung, trotz schönen Wetters auf große Partys zu verzichten. „Vermeidet dieses Risiko, damit die Infektionszahlen nicht weiter steigen!“, schreibt das Ministerium auf Facebook. Oder wie es Claude Meisch ausdrückte: „Bleibt von den Partys weg und falls ein Familienfest anfällt, feiert, aber passt ganz, ganz gut auf.“ 

Weiterlesen: Wie eine zweite Corona-Welle vermieden werden kann

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