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Paul Dostert: ''Denis Scuto prescht zu schnell vor''
Der Direktor des Forschungszentrums appelliert daran, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.

Paul Dostert: ''Denis Scuto prescht zu schnell vor''

Foto: Michel Brumat
Der Direktor des Forschungszentrums appelliert daran, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.
Lokales 22.02.2013

Paul Dostert: ''Denis Scuto prescht zu schnell vor''

Das Schreiben von Historiker Denis Scuto über eine Liste mit 280 jüdischen Kindern, die 1940 an die Nazi-Besatzer weitergeleitet wurde, weist auf eine düstere Vergangenheit des Landes hin. Der Direktor des Forschungszentrums über die Résistance, Paul Dostert, appelliert allerdings daran, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.

(BB)  - Das Schreiben von Historiker Denis Scuto über eine Liste mit 280 jüdischen Kindern, die 1940 an die Nazi-Besatzer weitergeleitet wurde, lässt aufschrecken und weist auf eine düstere Vergangenheit des Landes hin. Der Direktor des Forschungszentrums über die Résistance, Paul Dostert, appelliert allerdings daran, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.

Die genannten Namen lassen nicht zwingend auf ein grausames Ende schließen. In erster Linie müsse es eine gründliche wissenschaftliche Arbeit geben.  Historiker Paul Dostert bevorzugt eine vorsichtige Vorgehensweise. ''Denis Scuto prescht zu schnell vor'', sagt er. 

Nicht alle Kinder waren Opfer der Nazi-Besatzer

Die Liste mit den Namen der jüdischen Kinder sei nicht in allen Fällen mit Deportationen und Ermordungen in Verbindung zu bringen. ''Nicht alle können als Opfer der Nazi-Besatzer dargestellt werden, verschiedene Kinder waren dann schon mit ihren Familien ins Ausland geflüchtet'', gibt Dostert zu bedenken. 

Das Dossier ist dem Direktor des Forschungszentrum bekannt. Es sei umfassend und bedürfe als historisches Dokument einer entsprechenden wissenschaftlichen Untersuchung, wo man den Kontext und die einzelnen Situationen gründlich analysiert. 

Lehrpersonal und Gemeindeverantwortliche nicht übereilt beurteilen

Dostert warnt auch davor, das Handeln des damaligen Lehrpersonals und der Gemeindeverantwortlichen übereilt zu beurteilen. Auch hier müsse man den Kontext im Auge behalten. ''Sie bekamen von oben herab den Befehl, eine Liste zu erstellen'', erklärt Dostert. Es sei die ''voie hiérarchique'' gewesen. Die späteren dramatischen Folgen hätte sich zu dem Zeitpunkt niemand vorstellen können.

''1940 war es so, dass das Deutsche Reich die Juden vertreiben wollte. Von der Endlösung ist erst Ende 1941 die Rede'', stellt Dostert klar. Heute könne man die Kinder und Enkel denn auch nicht verantwortlich machen für Geschehnisse, die noch nicht mal klar definiert sind und noch viel Forschungsarbeit benötigen werden.


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