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„Pate von Lüttich“ zu 15 Jahren Haft verurteilt
Lokales 3 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

„Pate von Lüttich“ zu 15 Jahren Haft verurteilt

Marcel Habran ist einer der berüchtigsten Bandenchefs der belgischen Kriminalgeschichte.

„Pate von Lüttich“ zu 15 Jahren Haft verurteilt

Marcel Habran ist einer der berüchtigsten Bandenchefs der belgischen Kriminalgeschichte.
Belga
Lokales 3 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

„Pate von Lüttich“ zu 15 Jahren Haft verurteilt

Geschworene und Richter haben entschieden: Marcel Habran muss für 15 Jahre Haft ins Gefängnis. Für den 77-jährigen "Paten von Lüttich" bedeutet dies, dass er wohl den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen muss. Der Mitangeklagte Thierry Dalem wurde zu einer 25-jährigen Haftstrafe verurteilt.

Update Donnerstag, 16.30 Uhr

Geschworene und Richter haben nach rund sechs Stunden Beratung entschieden: Marcel Habran muss für 15 Jahre Haft ins Gefängnis. Für den 77-jährigen "Paten von Lüttich" bedeutet dies, dass er wohl den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen muss. Der Mitangeklagte Thierry Dalem wurde zu einer 25-jährigen Haftstrafe verurteilt. Die Geschworenen und Richter blieben mit ihrem Strafmaß hinter den Forderungen der Staatsanwaltschaft zurück. Die Verteidiger von Habran wollen das Urteil dennoch nicht akzeptieren. Sie haben bereits angekündigt, dass sie vor den Kassationshof ziehen.

Update Mittwoch, 17.00 Uhr

Die Staatsanwaltschaft hat am Mittwochnachmittag 25 Jahre Haft für Marcel Habran gefordert. Das ist die Höchststrafe für die Überfälle in Luxemburg und Belgien - ohne den erschwerenden Umstand des Totschlags. Das hoher Alter Habrans sei kein entlastender Umstand. Zum Tatzeitpunkt sei er 65 Jahre alt gewesen.

Für Thierry Dalem, gegen den der Totschlag zurückbehalten wurde, forderte der Staatsanwalt eine 30-jährige Haftstrafe. Die Höchststrafe für Dalem hätte eigentlich bei 35 Jahren gelegen. Die Staatsanwaltschaft gestand ihm allerdings eine schwere Kindheit mit einem brutalen Vater als mildernden Umstand zu.

Am Mittwochnachmittag kamen ebenfalls die Verteidiger der beiden Angeklagten zu Wort. Geschworene und Richter werden voraussichtlich erst ab Donnerstagmorgen mit den Beratungen zum Strafmaß beginnen.

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(str) - Den Rest seines Lebens wird der „Pate von Lüttich“, Marcel Habran, wohl hinter Gittern verbringen. Eine 12-köpfige Jury hat den 77-Jährigen gegen 23 Uhr am Dienstagabend für schuldig befunden, an dem blutigen Überfall auf einen Geldtransporter 1998 in Waremme teilgenommen zu haben und den Überfall auf einen Diamantentransport am Flughafen Findel im Oktober 2000 organisiert zu haben. Habran riskiert nun eine mehr als zehnjährige Haftstrafe.

Es ist der zweite Prozess gegen die Habran-Bande. Der Brüsseler Kassationshof hatte das Urteil aus dem ersten Verfahren wegen eines Formfehlers annulliert. Die Jury hatte auf die Schuldfragen lediglich mit Ja oder Nein geantwortet. Ein Urteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofes im Januar 2009 hatte die belgische Justiz allerdings dazu gezwungen, künftig Urteile von Geschworenen-Gerichten im Detail zu begründen.

Geschworene unter strenger Bewachung im Hotel

Seit Freitagnachmittag saßen zwölf neue Jurymitglieder unter strenger Bewachung in einem Hotel südlich von Nivelles zusammen, um über die Schuldfrage zu beraten. Das Gericht hatte ihnen eine Liste mit 72 Fragen vorgelegt. Im ersten Prozess mussten beeindruckende 415 Fragen beantwortet werden. Habran war im September 2009 zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Am Dienstagmorgen gab die Jury bekannt, zu einem Urteil gekommen zu sein. Unterstützt von drei Magistraten brauchten die Geschworenen dann mehr als 12 Stunden, um dieses für die Verkündigung vorzubereiten.

Marcel Habran gilt seit mehr als 30 Jahren als eine der Hauptfiguren im kriminellen Milieu in Belgien. Bei dem Überfall mit vollautomatischen Militärwaffen auf einen Geldtransporter am 12. Januar 1998 in Waremme waren zwei Sicherheitsbeamte getötet, ein weiterer lebensgefährlich verletzt worden.

Im Schuldspruch des Geschworenengerichts wurde Habran genau wie im esten Prozess, für schuldig befunden an dem brutalen Raub teilgenommen zu haben. Der erschwerende Umstand der Tötung von zwei Menschen wurde gegen ihn allerdings nicht zurückbehalten.

Auch bei dem in einer regelrechten Kommando-Operation durchgeführten Überfall auf einen Diamantentransport am 9. Oktober 2000 am Flughafen Findel, wurden mehrere Personen schwer verletzt.

Sechs Tote und mehrere Überfälle

Für die Tat in Luxemburg ist ebenfalls Bandenmitglied Thierry Dalem für schuldig befunden worden. Im Gegensatz zu Habran wird er ebenfalls für die tödlichen Schüsse in Waremme zur Verantwortung gezogen. Außerdem solle im Dezember 1996 einen weiteren Geldtransporter in Dison überfallen haben.

Zwei weitere berüchtigte Figuren aus dem Lütticher Millieu Giuseppe Rosato und Anouar Bennane waren wegen der Tötung von vier Mitwissern und Konkurrenten angeklagt. Gegen Rosato wird wegen einer Unstimmigkeit in Begründung der Geschworenen ein drittes Verfahren angestrengt. Bennane wurde überraschend freigesprochen.

Noch am Mittwoch wird erwartet, dass die Brüsseler Strafkammer, die in Nivelles tagt, das Strafmaß für die verbleibenden Angeklagten verkündet. Aufgrund seines hohen Alters ist davon auszugehen, dass Marcel Habran, der im Prozess von zwei Kronzeugen schwer belastet wurde, den Rest seines Lebens hinter Gefängnismauern verbringen wird – ein Umstand auf den der 77-Jährige während dem Prozess immer wieder in verzweifelten Hilferufen aufmerksam machte.