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Parlamentarische Frage: Luxemburg lebt ungesünder
Seit Anfang 2019 ist Luxemburg nicht mehr in den Top 10 des "Bloomberg 2019 Healthiest Country Index" vertreten.

Parlamentarische Frage: Luxemburg lebt ungesünder

Foto: Pexels
Seit Anfang 2019 ist Luxemburg nicht mehr in den Top 10 des "Bloomberg 2019 Healthiest Country Index" vertreten.
Lokales 2 Min. 25.03.2019

Parlamentarische Frage: Luxemburg lebt ungesünder

Sarah CAMES
Sarah CAMES
Laut dem "Bloomberg Healthiest Country Index" ist Luxemburg seit 2017 ungesünder geworden – doch wie signifikant sind diese Ergebnisse wirklich?

Der "Bloomberg Healthiest Country Index", der alle zwei Jahre neu publiziert wird, stellt aus 169 Ländern ein Ranking der Länder mit der gesündesten Bevölkerung zusammen. Im Jahre 2017 kam Luxemburg noch auf den zehnten Platz – jetzt ist das kleine Großherzogtum aus den Top 10 auf Platz elf gerutscht.


In der Gesundheitsstudie werden die Teilnehmer unter anderem gefragt, ob und wie viel Sport sie pro Woche treiben.
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Der größte Gewinner des Healthiest Country Index 2019 war Spanien. Das südeuropäische Land rückte fünf Plätze nach oben und sicherte sich somit den ersten Platz. Auch Japan machte drei Plätze wett und kommt somit auf Platz vier in der Liste. Andere Länder in der Top 10 sind Italien, Island, die Schweiz, Australien, Singapur und Norwegen. Luxemburgs 10. Rang wurde dem Land übrigens von Israel abgelaufen. 27 der 30 ungesündesten Länder befinden sich laut Liste, deren Daten sich auf Zahlen der WHO, der UN und der Weltbank beziehen, im subsaharischen Afrika.

Auch wenn das luxemburgische Ergebnis auch im Jahr 2019 noch ein sehr gutes ist, wollte CSV-Abgeordnete Nancy Arendt dennoch von Gesundheitsminister Etienne Schneider wissen, welche Vorkehrungen die Regierung zu treffen gedenke, um diesem Trend sowohl kurz- als auch langfristig entgegenzuwirken.

In seiner Antwort auf die parlamentarische Frage wirft Schneider die Gegenfrage auf, wie signifikant eine Verschlechterung um nur 0,48 Prozentpunkte überhaupt sein könnte. Laut Schneider sei die komplette Studie nur gegen Bezahlung einsehbar. Dadurch konnte man auch keinen näheren Einblick in die verwendete Methodologie gewinnen.  

Eine unübersichtliche Methodologie

Im Grunde stellt sich die Liste allerdings durch eine Reihe von Indikatoren zusammen, die zu einem "health score" aufsummiert werden. Dazu gehören etwa die durchschnittliche Lebenserwartung, Kindersterblichkeit, Krankheitsrisiken oder auch noch das durchschnittliche Rentenalter. Von diesem "health score" werden danach dann die "health risk penalties" abgezogen, die sich aus negativen Faktoren wie zum Beispiel Übergewicht, Raucherrate, Luftverschmutzung und psychischen Erkrankungen zusammensetzt. Am Ende dieser komplizierten Berechnungen mit vielen Faktoren – und einer dementsprechend breiten Fehlerspanne – gelangt man dann zu den Zahlen des Healthiest Country Index.


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Diese potenzielle Fehlerspanne ließ Gesundheitsminister Schneider in seiner Antwort vom 22. März bezweifeln, dass eine Verschlechterung des luxemburgischen "health grade" von 87,87 auf 87,39 Punkten als signifikant erachtet werden könne. Schneider wies außerdem darauf hin, dass der Negativ-Faktor der "health risk penalties" überdem laut der Studie für Luxemburg sogar gesunken wäre – von 5,03 auf 4,64 seit 2017. Dies spräche gegen die Interpretation von RTL, laut der Risikofaktoren wie Übergewicht, schlechte Ernährung und zu wenig Bewegung in den letzten zwei Jahren zugenommen hätten, so Schneider.

Schneider strich in seiner Antwort auf Arendts parlamentarische Frage allerdings auch hervor, dass stets an der Sichtbarkeit und Effektivität staatlicher Gesundheitskampagnen gefeilt würde und viel Wert auf eine "bessere Zusammenarbeit zwischen den Ministerien" gelegt würde. Kurzfristig sehe er keine Notwendigkeit, eine zusätzliche Evaluation durchführen zu lassen. Regulär wäre es allerdings vorgehen, eine solche externe Analyse alle fünf Jahre anfertigen zu lassen, so Schneider. Die nächste solche Studie würde spätestens für das Jahr 2023 erwartet.





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