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Parkhäuser im Wandel der Zeit: Als das Auto „untertauchte“
Lokales 8 4 Min. 24.01.2015

Parkhäuser im Wandel der Zeit: Als das Auto „untertauchte“

Lokales 8 4 Min. 24.01.2015

Parkhäuser im Wandel der Zeit: Als das Auto „untertauchte“

1979 eröffnete die erste Tiefgarage in der Hauptstadt. Wir blicken zurück - mit Fotos, Fakten und kuriosen Anekdoten.

(DL) - Es gibt welche unter der Erde, andere werden überirdisch erbaut. Früher gab es überhaupt keine – sie wurden auch nicht benötigt. Heute hingegen gibt es deren nie genug, ständig kommen weitere hinzu. Die Rede ist von den Tiefgaragen, Parkhäusern und Parkflächen – die gewissermaßen auch die Entwicklung der Hauptstadt reflektieren.

8 050 – so viele Personenfahrzeuge waren gemäß dem Statec im Jahr 1950 im Großherzogtum immatrikuliert. Eine Zahl, die sich im Laufe der Jahrzehnte rasant entwickelt hat: 1960 sind bereits 33 446 Gefährte registriert, 1970 ganze 84 816. 1972 wird schließlich die 100 000er-Marke geknackt. Heute fahren in Luxemburg sage und schreibe 363 879 Fahrzeuge umher.

Mit der Anzahl der Automobile wuchs naturgemäß auch der Bedarf an Stellplätzen – vor allem in der Innenstadt. Stadthistoriker Robert L. Philippart erklärt: „Als sich das 
Auto in den 1950er-Jahren demokratisierte, wurden nach und nach freie Plätze als Parking genutzt.“ In einer zweiten Phase sei das Auto dann gewissermaßen „frecher“ geworden und habe Bepflanzungen verdrängt – etwa auf der Place de la Gare oder auf dem „Saint Esprit“. Des Weiteren seien Vorgärten gekürzt und große Boulevards und Brücken verbreitert worden, erklärt der Experte. „Erst mit dem Bau des Centre Aldringen im Jahr 1974 ,frisst' sich das Auto unter die Erde“, erklärt der Experte.

Mit der Tiefgarage „Aldringen“ wird denn auch das erste Parking in dieser Form in der Hauptstadt eröffnet – dies im Jahr 1979. Noch im gleichen Jahr folgt jenes unterhalb des Knuedler, eine Initiative der städtischen Geschäftsleute. 1982 eröffnet das Parking „Rousegäertchen“, anschließend folgen die Tiefgarage unterhalb der „Theaterplaz“ (1983) sowie das Parkhaus „Neipperg“. „Die ,Theaterplaz' war schon im 19. Jahrhundert als ,Parking' für die Wagen der Markthändler auf dem Knuedler genutzt worden“, ruft Historiker Robert L. Philippart in Erinnerung.

Seit 1985 können Autofahrer ihr Gefährt außerdem unterhalb des „Plateau du Saint-Esprit“ abstellen. 1992 eröffnet das „Parking Fort Wedell“, 1997 die Tiefgarage „Rocade“. In den 2000er Jahren folgen nacheinander das „Parking Rond-Point Schuman“, jenes in der Avenue Monterey, die Tiefgaragen „Place de l'Europe“ und „Trois Glands“ in Kirchberg sowie die Parkings „Bouillon“ in Hollerich und „Tramsschapp“ in Limpertsberg. Zu den neusten Parkings auf dem Gebiet der Hauptstadt zählen das Parking „Brasserie“ in Clausen (2008), das (überirdische) CFL-Parkhaus am Bahnhof (2010) und jenes beim Bonneweger Schwimmbad (2011). Die beiden ältesten Exemplare „Aldringen“ und „Knuedler“ werden in Bälde erneuert bzw. ausgebaut.

Tiefgaragen, die für Schlagzeilen sorgten

Können Sie sich noch erinnern? Folgende Geschichten im Zusammenhang mit Parkhäusern und Tiefgaragen haben in der Vergangenheit für Schlagzeilen gesorgt:

1) Gräber, alte Gemäuer und eine Bombe: Relikte aus vergangenen Zeiten unterhalb des Knuedler entdeckt

Im Hinblick auf den Ausbau der Tiefgarage Knuedler haben die Mitarbeiter des „Centre national de recherche archéologique“ vergangenes Jahr archäologische Ausgrabungen vorgenommen. Entdeckt wurden mehrere Skelette, zahlreiche Gemäuer, Keramik, Gräber sowie ein altes „Millchen“-Spiel, das vermutlich aus dem 17. Jahrundert stammt. Des Weiteren wurden Überreste einer Bombe, die 1683 von Fetschenhof aus in Richtung Stadtkern abgeschossen worden war, entdeckt. Sämtliche Funde wurden sorgfältig dokumentiert. Bis 1830 befand sich an der Stelle bekanntlich eine Klosteranlage. Mitte des 13. Jahrhunderts hatten sich hier die Franziskaner niedergelassen. Zunächst war um das Jahr 1250 eine Kirche parallel zur Rue Notre-Dame erbaut worden. Zwischen 1660 und 1667 wurde dann ein neues Bauwerk, diesmal parallel zur Rue du Fossé, errichtet. Beim Bau der Tiefgarage Knuedler im Jahr 1979 waren die Überreste der Klosteranlage teilweise zerstört worden. Doch reicht der aktuelle Parking unterhalb der Erde lediglich bis zur Hälfte des Platzes – sodass die restlichen Überreste nun freigelegt werden konnten.

Historische Funde: Unterhalb des Knuedler entdeckten Archäologen die Überreste eines Franziskanerklosters.
Historische Funde: Unterhalb des Knuedler entdeckten Archäologen die Überreste eines Franziskanerklosters.
ARCHIVFOTO: JOAQUIM VALENTE

2) Geplatzte Geldübergabe an die Bommeleeër im Parking Theaterplaz

Die Tiefgarage am Theaterplatz geriet am 11. Juni 1985 im Zusammenhang mit der Bommeleeër-Affäre in die Schlagzeilen. Dort sollte nämlich, im fünften Untergeschoss, eine Geldübergabe stattfinden. In einem Erpresserbrief hatten die Attentäter 750 000 Dollar gefordert. Der Deal platzte – den Erpressern zufolge, weil zu viel Sicherheitsdispositiv vor Ort gewesen sei. Wie sich später herausgestellt hat, wussten die Erpresser in der Tat ganz genau, wer sich in und um die Tiefgarage aufgehalten hatte.

3) Mordversuch auf österreichischen Waffenhersteller in der Tiefgarage eines Bürogebäudes

Am 27. Juli 1999 kam es in der Tiefgarage eines Bürogebäudes am hauptstädtischen Boulevard Prince Henri zu einem Mordversuch auf den österreichischen Waffenhersteller Gaston Glock. Ein Luxemburger Finanzmann, der unter dem Spitznamen „Panama-Charly“ bekannt ist, gilt als Auftraggeber für die Tat und war dafür im Jahr 2006 zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Gegen den Attentäter selbst hatte das Gericht eine 16-jährige Gefängnisstrafe verhängt.

4) Dauergast im Parkhaus „Théâtre“

2011 sorgte im Parkhaus Theaterplatz ein alter Citroën BX TRD Turbo mit französischen Kennzeichen für Gespräch. Der Grund: Der Besitzer hatte das Gefährt etwa fünf Jahre zuvor dort abgestellt, ohne es jemals wieder abzuholen. Dem Betreiber der Tiefgarage waren die Hände gebunden. Nachdem mywort.lu von dem inzwischen 51 000 Euro teuren Parkschein berichtet hatte, wurde die kuriose Geschichte von diversen Nachrichtenportalen übernommen – und sorgte vielerorts für Lacher.

"Treuer" Kunde: Dieses Fahrzeug wurde in der Tiefgarage Theaterplaz abgestellt - und nie wieder abgeholt.
"Treuer" Kunde: Dieses Fahrzeug wurde in der Tiefgarage Theaterplaz abgestellt - und nie wieder abgeholt.
ARCHIVFOTO: PAUL HINGER

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