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Panne in Beggen: Kläranlage mit Klärungsbedarf
Lokales 2 Min. 17.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Panne in Beggen: Kläranlage mit Klärungsbedarf

Zahlreiche Fische verendeten wegen Sauerstoffmangels.

Panne in Beggen: Kläranlage mit Klärungsbedarf

Zahlreiche Fische verendeten wegen Sauerstoffmangels.
Guy Jallay
Lokales 2 Min. 17.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Panne in Beggen: Kläranlage mit Klärungsbedarf

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Die Stadt Luxemburg wird die Folgekosten der Abwasserpanne in der Kläranlage Beggen übernehmen.

„Es tut mir schrecklich leid, was passiert ist. Unsere Dienste werden selbstverständlich in den nächsten Tagen dafür sorgen, dass der Alzettelauf so gut wie möglich wieder gesäubert wird und die toten Fische entsorgt werden.“ Stadtbürgermeisterin Lydie Polfer war es am Dienstag im Zuge einer Pressekonferenz, an der auch Bürgermeister aus den betroffenen Gemeinden teilnahmen, sichtlich unangenehm, die Abwasserpanne vom vergangenen Wochenende zu erklären. „Wir werden sämtliche Kosten tragen und uns auch, nach Absprache mit dem Wasserwirtschaftsamt, an den Sanierungsmaßnahmen des Flusses beteiligen“, so noch Polfer.

20000 Kubikmeter in 20 Stunden

Während 20 Stunden ergossen sich von vergangenem Freitag auf Samstag nur leicht vorgeklärte Abwässer in die Alzette, insgesamt 20 000 Kubikmeter. Der Fluss wurde auf einer Länge von insgesamt zehn Kilometern verschmutzt, Fische, Kleinstlebewesen und Wasserinsekten gingen aus Sauerstoffmangel ein. Chronik der Ereignisse Patrick Licker, Leiter des Service de la canalisation der Stadt Luxemburg, erklärte anschließend im Detail den Ablauf der Panne.


Die Kläranlage in Beggen nimmt die Abwässer von mehr als 200.000 Einwohnern auf.
Softwareprobleme führten zur Abwasserpanne
Nach der Verschmutzung der Alzette in Beggen muss die Stadt Luxemburg Antworten liefern.

Das Verhängnis nahm demnach bereits am vergangenen Freitag gegen 18.15 Uhr seinen Lauf. „Der zuständige Techniker bekam eine automatisierte Fehlermeldung und begab sich gegen 18.30 Uhr vor Ort. Dort überprüfte er einen von zwei Steuerungscomputern der voll automatisierten Anlage und informierte seinen Vorgesetzten. Dieser schickte dann zur Sicherheit einen Elektriker zur Kläranlage, der weitere Überprüfungen vornahm.

Laut Licker habe dieser weitere Störungen an der Steuerungsanlage festgestellt und bis zehn Uhr abends an diesem System gearbeitet. Dabei startete der Techniker den Computer neu und verließ den Ort wieder, nachdem er sich davon überzeugt hatte, dass das System problemlos funktionierte. Als dann samstags gegen 18.00 Uhr die ersten Informationen über eine Verschmutzung der Alzette vorlagen, begab sich der Leiter der Kläranlage vor Ort.

Ein fehlender Alarm

„Er stellte fest, dass ein Schieber, der eigentlich geschlossen sein sollte, offen stand und die Abwässer sich über ein Überlaufbecken direkt in die Alzette ergossen. Gegen 18.45 Uhr war der Schieber geschlossen und die Verunreinigung gestoppt“. Laut Licker habe das Steuerungssystem beim Hochfahren den Schieber geöffnet, obwohl dieser eigentlich nur manuell gesteuert werden sollte und geschlossen bleiben sollte.

„Die Kläranlage wurde somit kurzgeschlossen und die Abwässer liefen dran vorbei. Ein Grobfilter und ein Sandfang sowie ein Fettabscheider wurden zum Glück noch durchlaufen, sonst wäre die Verschmutzung wohl noch gravierender ausgefallen“, so Licker. „Weil dieser Fall nicht vorgesehen war, gab es auch keine Warninstallation an diesem Punkt der Anlage. Wir verfügen insgesamt über rund 500 Alarmsensoren, aber hier fehlte eben ein entscheidender. Nachher ist man immer klüger“, so Licker.

Warum die Steuerung den Schieber überhaupt automatisch öffnete, bleibt weiterhin ungeklärt. Der Hersteller des erst zwei Jahre alten Steuerungscomputers wird sich jetzt an der Fehlersuche beteiligen. Was die Umweltschäden betrifft, so sind diese laut Jean-Paul Lickes, Direktor des Wasserwirtschaftsamtes, schwer zu beziffern. „Ich kann keine Zahlen nennen, das müssen genaue Analysen und Studien zeigen. Aber der Umwelteinfluss auf die Alzette und ihre Fauna, die sich gerade in den letzten Jahren gut erholt hatte, ist natürlich dramatisch.“ Laut Lickes müssten wieder Jungfische ausgesetzt werden, zugleich könne natürliche Rückwanderung von Fischen den Fluss wieder beleben. Da es sich aber nicht um eine chemische, industrielle Verschmutzung, sondern um eine biologische handele, spiele auch der Selbstreinigungseffekt der Alzette eine Rolle.


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