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Pädophilie-Prozess: "Ich dachte, die Bilder würden mich interessieren"
Lokales 3 Min. 21.01.2019

Pädophilie-Prozess: "Ich dachte, die Bilder würden mich interessieren"

Pädophilie-Prozess: "Ich dachte, die Bilder würden mich interessieren"

Foto: Lex Kleren
Lokales 3 Min. 21.01.2019

Pädophilie-Prozess: "Ich dachte, die Bilder würden mich interessieren"

Ein ehemaliger Lehrer aus Bissen gab vor Gericht zu, Kinder nackt gefilmt zu haben, er stritt aber ab, dass es hierfür einen sexuellen Hintergrund gegeben habe. Für den psychiatrischen Gutachter ist der Weg bis zur Heilung noch weit.

(SH) - „Ich habe nie ein Kind an einer intimen Stelle angefasst. Das würde ich nicht übers Herz bringen“, erklärte der ehemalige Lehrer aus Bissen, der sich derzeit wegen unsittlichen Verhaltens vor Gericht verantworten muss, am Montag. Er verstehe nicht, warum die Kinder etwas anderes sagen würden und er finde das „sehr deprimierend“.

Der 42-Jährige gab allerdings zu, Kinder gefilmt zu haben, als diese nackt waren. „Ich habe die Situationen ausgenutzt, die sich mir geboten haben“, erklärte er, um gleich danach aber wieder zurückzurudern: „Ich dachte, es würde mich mehr interessieren, als es das tatsächlich tat“, so der Beschuldigte. Er habe die Filme – es seien derer vier gewesen, maximal fünf – gedreht, sie sich angeschaut, sei dann aber erschrocken und habe sie gelöscht.

Keine Einsicht

Dass ihm nun auch vorgeworfen werde, dass er Kindern durch die Haare gestrichen habe, verstehe er nicht. Er sei ein guter Lehrer und bei den Kindern beliebt gewesen. Es tue ihm leid, dass er dieser Tätigkeit nicht mehr nachgehen könne, denn es sei seine Berufung gewesen. Es tue ihm leid, was passiert sei. „Ich bin wütend über mich und enttäuscht von mir.“ Einen sexuellen Hintergrund sieht er an seinem Verhalten aber weiterhin nicht: „Ich hatte keinen Bedarf, Kinder anzufassen.“


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Und genau da liegt dem psychiatrischen Gutachter zufolge das Problem. „Ich habe immer noch nicht gehört, dass er von sich selbst sagt, dass er pädophil ist und sexuell von Kindern angezogen wird“, erklärte der Experte und fügte hinzu: „Er hat noch ein Stück Weg zu gehen.“ Der Gutachter hatte bereits in einer früheren Sitzung erklärt, dass die Prognose, dass der Angeklagte seine pädophilen Tendenzen in den Griff bekommt, schlecht sei.

Der Psychiater, bei dem der Beschuldigte seit zwei Jahren in Behandlung ist, sprach hingegen von einem Fortschritt – der Mann habe immer wieder Bedauern ausgesprochen. Er vermochte jedoch nicht zu sagen, wie lange der Heilungsprozess noch andauern würde.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hob zudem hervor, dass der Angeklagte den Psychiater aufgesucht habe, weil es ihm schlecht ging, nicht aber, um sich wegen des unsittlichen Verhaltens helfen zu lassen. Auch habe er seinem Psychiater nicht klar erklärt, unter welchen Auflagen er nach einem Monat aus der Untersuchungshaft entlassen worden war.

Opfer spricht

Wie stark die Kinder litten, führten die Anwälte jener sieben Opfer aus, die Schadenersatzansprüche geltend machten. Viele seien in ein Schweigen verfallen, würden nicht mehr über die Vorfälle reden wollen.

Eine mittlerweile 24-jährige Frau hat sich nun unterdessen dazu entschieden, zu reden. Für sie sei das wichtig. „Wir haben so lange geschwiegen“, erklärte sie. Sie habe sich zwar ebenso wie ihre Schwester nach den Vorfällen an ihre Mutter gewandt, als diese jedoch andere Frauen darauf angesprochen habe, hätten die ihr den Rücken zugewandt.

Die junge Frau war während eines Ausfluges nach Hollenfels beim Duschen gefilmt worden. Die Aufnahme hätten die Kinder allerdings nie zu Gesicht bekommen. Auch sei ihr ehemaliger Lehrer immer wieder im Schwimmbad in die Umkleidekabine gekommen und habe den Mädchen gesagt, er wolle ihnen beim Umziehen helfen. Sie seien damals sieben oder acht Jahre alt gewesen.

In der Schule habe er die Mädchen immer wieder auf den Schoß genommen und sei ihnen dann mit der Hand unter das T-Shirt geglitten. „In dem Alter hatten wir an nichts Böses gedacht. Ich sah mich selbst immer als schwache Schülerin und hatte mich deshalb über die Aufmerksamkeit gefreut“, sagte sie. Heute sehe sie das anders, er habe ihr wohl zu viel Aufmerksamkeit geschenkt.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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