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P wie „Panama Charly“
Lokales 07.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Hintergrund "Panama Papers"

P wie „Panama Charly“

Im Februar 2006 wurde Charles Ewert wegen des Mordanschlags an Gaston Glock zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt.
Hintergrund "Panama Papers"

P wie „Panama Charly“

Im Februar 2006 wurde Charles Ewert wegen des Mordanschlags an Gaston Glock zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt.
Archivfoto: Guy Jallay
Lokales 07.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Hintergrund "Panama Papers"

P wie „Panama Charly“

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Panama macht seit Sonntag weltweit Schlagzeilen. Auch die Luxemburger Justiz musste sich in einem Fall, bei dem es um Waffen, Geld und Macht ging, mit Firmengeflechten in dem mittelamerikanischen Land befassen. Ein Wirtschaftskrimi der mit einem Mordversuch endete.

Panama steht seit der Veröffentlichung von vertraulichen Unterlagen einer Anwaltskanzlei mit Sitz in Panama-Stadt am vergangenen Sonntag weltweit in den Schlagzeilen. Es geht dabei um Steuerhinterziehung, Geldwäsche und mehr als 200.000 Briefkastenfirmen.

Das System beruht darauf, dass ein Firmengeflecht aufgebaut wird, in dem Vermögenswerte zwischen den einzelnen Firmen so oft verschoben werden, dass die Transaktionen und Eigentumsverhältnisse nicht mehr nachvollziehbar sind. Auch der Luxemburger Finanzplatz steht in diesem Wirtschaftskrimi offenbar in vorderster Reihe.

Im Großherzogtum erinnern die „Panama Papers“-Enthüllungen allerdings an einen anderen Kriminalfall, der erst nach 16 Jahren, im November 2015 vorläufig abgeschlossen wurde: die „Panama-Charly“-Affäre.

Im Mittelpunkt dieses Falls stehen der Luxemburger Geschäftsmann Charles Ewert und der österreichische Waffenhersteller Gaston Glock. Wie die Staatsanwaltschaft in den Verhandlungen darlegte, soll Ewert – Treuhänder von Glock und Spezialist für Briefkastenfirmen in Panama – sich durch Fälschungen über Jahre hinweg bereichert haben.

Am 27. Juli 1999 eskalierte die Situation. Der Überzeugung des Gerichts nach hatte Charles Ewert den französischen Wrestling-Schaukämpfer und Ex-Soldaten Jacques Pêcheur engagiert, um Glock im zweiten Untergeschoss eines Gebäudes am hauptstädtischen Boulevard Prince Henri zu töten. Der Versuch schlug fehl. Glock überlebte schwer verletzt.

Pêcheur wurde 2006 zu einer Haftstrafe von 17 Jahren verurteilt, Ewert zu 20 Jahren Gefängnis. Für den Finanzbetrug lautete das Urteil gegen Ewert im vergangenen Jahr drei Jahre Haft. Seine Anwälte haben Kassation gegen dieses Urteil eingelegt und hoffen dadurch eine Revision des ersten Urteils – im Prozess um den Mordanschlag auf Gaston Glock – zu erreichen.


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