Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Opposition gegen Abriss von Bahnhöfen
Lokales 3 Min. 27.01.2022
Ruf nach Rettung

Opposition gegen Abriss von Bahnhöfen

Das Bahnhofsgebäude in Berchem soll abgerissen und durch einen modernen barrierefreien Bau ersetzt werden.
Ruf nach Rettung

Opposition gegen Abriss von Bahnhöfen

Das Bahnhofsgebäude in Berchem soll abgerissen und durch einen modernen barrierefreien Bau ersetzt werden.
Foto: Luc Ewen/LW-Archiv
Lokales 3 Min. 27.01.2022
Ruf nach Rettung

Opposition gegen Abriss von Bahnhöfen

Marc HOSCHEID
Marc HOSCHEID
In Ettelbrück warnen Denkmalschützer vor dem Verlust zahlreicher Bahngebäude quer durch Luxemburg.

Ettelbrück. Mit perfekter Sicht auf die Ettelbrücker Gare, aber bei ziemlich kühlen Temperaturen haben sich Denkmalschützer am Mittwochabend auf der Terrasse des Hotel Lanners während einer Pressekonferenz für den Erhalt mehrerer historischer Bahnhofsgebäude starkgemacht. Allerdings hält sich die Hoffnung gerade in Ettelbrück in Grenzen.

In der vergangenen Woche hatten mehrere Mitglieder der Vereinigung „Luxembourg under destruction“ rund um deren Frontfrau und Sprachrohr Karin Waringo ein Treffen mit Vertretern der CFL. Während des Gesprächs sei bestätigt worden, dass die Ettelbrücker Gare definitiv abgerissen wird, aktuell laufen bereits Arbeiten am angrenzenden Bahnsteig. Es sei aber auch unterstrichen worden, dass die Markise abgebaut und im Fond-de-Gras neu aufgebaut werden soll. Zudem werde die Gemeinde zumindest einen Teil der Steine, aus denen das Gebäude gefertigt ist, anderweitig nutzen. Dabei besteht laut Waringo durchaus die technische Möglichkeit, das Gebäude zu verschieben. Ähnliche Projekte hat es bereits in der Schweiz gegeben.

Vorwurf des Größenwahns

Auch wenn quasi keine Hoffnung mehr für den Erhalt des Bahnhofsgebäudes bestehe, setze man sich trotzdem weiter dafür ein, weil von diesem Projekt eine Signalwirkung für den Schutz des restlichen architektonischen Erbes der Eisenbahn hierzulande ausgehe. Neben Ettelbrück sollen nämlich auch die Bahnhofsgebäude in Berchem und Capellen abgerissen werden.  Wobei in beiden Fällen wie bei der Ettelbrücker Gare eine positive Einschätzung der „Commission des sites et monuments nationaux“ (Cosimo) vorliege. 

„Wir haben das Gefühl, dass die CFL einfach plant und dabei keine Rücksicht auf das bestehende architektonische Erbe nimmt“, so Waringo. In dieser Vorgehensweise sieht sie „einen Ansatz von Größenwahn“. Als Beispiel für  diesen harschen Vorwurf nennt sie den Abriss der ehemaligen Patton-Brücke in Ettelbrück. „Die Brücke wurde vor nicht einmal 20 Jahren für mehrere Millionen Euro renoviert und rezent abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Dabei hat Luxemburg mit der alten Patton-Brücke 1951 noch bei der Weltausstellung angegeben“, so Waringo.

Zwölf geschützte Bahnhöfe

Als positive Nachricht bezeichnet Waringo hingegen die Zusage der CFL, dass zwölf Bahnhöfe, darunter Bettemburg, Leudelingen, Sandweiler und Wasserbillig nach Absprache mit der Denkmalschutzbehörde Sites et monuments als schützenswert eingestuft werden sollen. Trotzdem befürchte man, dass die restlichen Gebäude abgerissen werden sollen. Wie viele Gebäude zum architektonischen Erbe der CFL gehören, habe die Eisenbahngesellschaft indes nicht verraten wollen.

Sorge bereitet den Denkmalschützern zudem die Tatsache, dass die CFL aktuell dabei ist, Gebäude, die sich nicht weiter als sieben Meter von den Gleisen entfernt befinden, darunter auch Bahnwärterhäuser, aufzukaufen, um sie anschließend abzureißen. Als Begründung würden Sicherheitsgründe angeführt.


Protest gegen Abriss der Ettelbrücker Gare
Vor Ort haben etwa 30 Personen für den Erhalt des historischen Bahnhofsgebäudes demonstriert. Zweifel an Argumentation des Ministeriums.

Auch die Tatsache, dass sämtliche Bahnübergänge hierzulande verschwinden und durch Unterführungen ersetzt werden sollen, sieht Waringo kritisch. Letztere würden zu einer Zerschneidung der betroffenen Ortschaften führen. Den Einwand, dass Bahnschranken dieselbe Wirkung haben, weist Waringo zunächst zurück, gibt anschließend jedoch zu, dass die konkrete Gestaltung der Unterführungen eine wesentliche Rolle spiele.

Alternative Nutzung fördern

Unabhängig davon wünsche man sich, dass die Bevölkerung vor Ort und die lokalen politischen Entscheidungsträger stärker eingebunden und um ihre Meinung gefragt würden. Die starke Rolle des lokalen Bezugs sehen die Denkmalschützer auch als Grund dafür, dass eine Demonstration gegen den Abriss der Ettelbrücker Gare im Juni des vergangenen Jahres einen doch eher überschaubaren Zulauf verzeichnete.

Peter Kleijnenburg und Sandra Latanik sind ebenfalls Mitglieder von „Luxembourg under destruction“. Die beiden Zugezogenen finden es schade, dass das architektonische Erbe Luxemburgs generell nicht mehr geschützt werde. Laut Kleijnenburg liege dies in erster Linie an einer mangelhaften Informationspolitik der Regierung. Latanik würde sich indes wünschen, dass alternative Nutzungsmöglichkeiten für frühere Bahngebäude, beispielsweise die Einrichtung von Bibliotheken, stärker in Betracht gezogen würden. 

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema