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Opferanwälte fordern lebenslange Haft für Trierer Amokfahrer
Lokales 2 Min. 21.07.2022
Prozess am Landgericht

Opferanwälte fordern lebenslange Haft für Trierer Amokfahrer

Prozess am Landgericht

Opferanwälte fordern lebenslange Haft für Trierer Amokfahrer

Foto: Berthold Werner / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
Lokales 2 Min. 21.07.2022
Prozess am Landgericht

Opferanwälte fordern lebenslange Haft für Trierer Amokfahrer

Mit teils drastischen Worten hielten die Vertreter der Nebenklage am Trierer Landgericht ihre Abschluss-Statements.

(dpa/lrs) – Im Prozess um die tödliche Amokfahrt in Trier haben weitere Opferanwälte am Donnerstag eine lebenslange Haftstrafe für den Angeklagten gefordert. Sie schlossen sich damit in ihren Plädoyers vor dem Landgericht Trier den Anträgen der Staatsanwaltschaft an. Diese hatte Ende vergangener Woche auch auf Feststellung der besonderen Schwere der Schuld plädiert und die Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie beantragt. Bei der Amokfahrt am 1. Dezember 2020 waren fünf Menschen getötet worden. Zudem gab es zahlreiche Verletzte und Traumatisierte.

Otmar Schaffarczyk, der den Bruder einer getöteten 73-Jährigen vertritt, wandte sich direkt an den mutmaßlichen Amokfahrer: „Sie sind ihr Mörder. Und ich bin mir sicher, Sie werden Ihre Augen im geschlossenen Vollzug schließen.“ Die 73-Jährige sei eine lebensfrohe Frau gewesen, die „ohne Vorwarnung von hinten frontal in den Rücken“ getötet worden sei, sagte der Anwalt.


Durch das rasche Eingreifen der Einsatzkräfte konnte noch schlimmeres Leid verhindert werden.
Amokfahrt in Trier
Fünf Menschen kamen ums Leben, als am 1. Dezember 2020 ein 51-Jähriger mit einem Geländewagen durch die Trierer Innenstadt raste. Mindestens 24 Menschen wurden verletzt.

Seit dem 19. August 2021 steht als mutmaßlicher Täter ein 52-Jähriger vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor. Der Deutsche soll mit seinem Geländewagen durch die Trierer Fußgängerzone gerast sein, um möglichst viele Menschen zu töten oder zu verletzen.

Anwalt Thomas Roggenfelder sagte, die Amokfahrt habe großes Leid über „viele Familien, die Stadt und darüber hinaus“ gebracht. Seine Mandantin, die Opfer eines versuchten Mordes geworden sei, leide bis heute unter den Folgen der Tat. „Sie fragt sich immer nach dem Warum“, sagte er. Diese Frage bleibe in dem Prozess leider unbeantwortet.

„Es gibt kein Motiv, auch kein absurdes“, sagte Anwalt Felix Orlowski. Seine Mandantin sei damals 14 Jahre alt gewesen, als sie frontal von dem Auto des Mannes erfasst wurde. „Es scheint wie ein Wunder, dass sie überlebt hat.“ Trotz damals schwerster Verletzungen gehe es ihr heute gut. „Dennoch: Die große Narbe über ihrem Bauch erinnert sie jeden Tag an den Tag.“


ARCHIV - 01.12.2020, Rheinland-Pfalz, Trier: Polizisten sind in der Fußgängerzone im Einsatz, in der ein Autofahrer fünf Menschen getötet und zahlreiche weitere Passanten verletzt hat. (zu dpa «Prozess um Trierer Amokfahrt geht weiter») Foto: Harald Tittel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Kurz vor der Amokfahrt Bier von der Luxemburger Tankstelle
Der Angeklagte schweigt. Die Zeugen im Prozess zeichnen aber ein recht genaues Bild des Tattages, an dem reichlich Alkohol floss.

Der Ehemann einer getöteten 52-Jährigen sei seit der Tat schwer traumatisiert, sagte dessen Anwältin. Das Opfer sei „eine warmherzige Frau“ gewesen, dessen Verlust kaum zu verkraften sei. Ein weiterer Anwalt sprach von einer „Horrorfahrt“. Die „sinnlose und feige Jagd“ auf Menschen habe das Sicherheitsgefühl in der Stadt verändert.

Am vorherigen Prozesstag hatten sich Nebenkläger-Vertreter ebenfalls weitgehend den Forderungen der Staatsanwaltschaft angeschlossen. Am 11. August sollen die Plädoyers der Verteidigung gehört werden. Das Urteil könnte am 16. August fallen. Nach dem Gutachten leidet der Angeklagte an einer paranoiden Schizophrenie. Er hat bisher geschwiegen.


Foto: Landgericht Trier am Nikolaus-Koch-Platz / Berthold Werner / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0


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