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Opfer der Trierer Amokfahrt leiden unter psychischen Folgen
Lokales 2 Min. 22.12.2021 Aus unserem online-Archiv
Prozess in Trier

Opfer der Trierer Amokfahrt leiden unter psychischen Folgen

Prozess in Trier

Opfer der Trierer Amokfahrt leiden unter psychischen Folgen

Foto: Harald Tittel/dpa
Lokales 2 Min. 22.12.2021 Aus unserem online-Archiv
Prozess in Trier

Opfer der Trierer Amokfahrt leiden unter psychischen Folgen

Das Trauma sitzt tief. Augenzeugen und Opfer der Amokfahrt in Trier schildern vor Gericht ihr Erlebtes. Die schreckliche Tat lässt etliche von ihnen nicht los. Sie haben Angst vor fahrenden Autos.

(dpa/lrs) - Im Prozess um die Trierer Amokfahrt vor gut einem Jahr haben Opfer und Augenzeugen über das Erlebte und die Folgen berichtet. „Ich konnte es nicht fassen. Der kam einfach auf mich zu. Es ging alles so furchtbar schnell“, sagte eine 70-Jährige am Dienstag vor dem Landgericht Trier. Sie habe versucht, sich in Richtung Häuserfassade zu retten – da habe er ihr Bein erfasst. „Ich habe geschrien, aber er fuhr einfach weiter. Alles was kam, flog durch die Luft. Ich kam mir vor wie bei einer Treibjagd“, sagte die Frau, die der mutmaßliche Amokfahrer als eine der ersten gezielt ansteuerte.


Politik, Wie ein Ersthelfer die Amokfahrt von Trier verarbeitet, Foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
Wie ein Ersthelfer die Amokfahrt von Trier verarbeitet
Christian Fritzen hat sich sofort nach der Trierer Amokfahrt um Opfer gekümmert. Noch heute kämpft er mit den Erinnerungen – und mit dem Verhalten mancher Passanten, die Videos drehten, statt zu helfen.

Auch wenn sie körperlich weitgehend geheilt sei, leide sie stark unter psychischen Folgen. „Ich war bis heute gar nicht mehr in der Innenstadt“, berichtete sie. Sie habe Angst vor schnell fahrenden Autos, wache oft nachts schreiend auf. „Ich sehe immer wieder, wie sich die Reifen auf mich zubewegen.“ Die Frage nach dem Warum lasse sie nicht los. „Warum sagen Sie denn nichts?“, sagte sie zu dem Angeklagten im Gerichtssaal.

Der Amokfahrer war am 1. Dezember 2020 mit seinem Geländewagen fast einen Kilometer durch die Fußgängerzone gerast und hatte gezielt Menschen angefahren. Seit dem 19. August steht ein 52-Jähriger als mutmaßlicher Täter vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor. Zum Prozessauftakt hatte der Deutsche vor Gericht gesagt, er wolle keine Aussage machen.

„Da ist eine Lücke“

Eine 64-Jährige, die vom Wagen des Amokfahrers erfasst wurde, sagte, sie bekomme heute noch Herzrasen, wenn an ihr als Fußgängerin ein Auto vorbeifahre. Sie haben Monate danach kein Auto fahren können, weil sie Panikattacken bekommen habe, wenn ihr Autos entgegenkamen. Sie war bei der Tat schwerst verletzt worden. An das schreckliche Ereignis könne sie sich nicht mehr erinnern. „Da ist eine Lücke.“


ARCHIV - 01.12.2020, Rheinland-Pfalz, Trier: Polizisten sind in der Fußgängerzone im Einsatz, in der ein Autofahrer fünf Menschen getötet und zahlreiche weitere Passanten verletzt hat. (zu dpa «Prozess um Trierer Amokfahrt geht weiter») Foto: Harald Tittel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Kurz vor der Amokfahrt Bier von der Luxemburger Tankstelle
Der Angeklagte schweigt. Die Zeugen im Prozess zeichnen aber ein recht genaues Bild des Tattages, an dem reichlich Alkohol floss.

Der Amokfahrer sei mit hoher Geschwindigkeit in die Fußgängerzone eingebogen, berichtete ein 67-Jähriger. Er habe gesehen, wie eine Frau von dem Wagen erfasst und durch die Luft geschleudert worden sei. Dann sei das Fahrzeug in einem Meter Abstand an ihm vorbeigerauscht. „Und dann habe ich nur noch gehört „plopp“, „plopp“, „plopp“, als Personen oder Gegenstände erfasst wurden.“ Nach vorläufiger Einschätzung eines psychiatrischen Sachverständigen leidet der Angeklagte an einer Psychose.

Im Oktober war zudem ein 77-Jähriger gestorben, der bei der Tat schwer verletzt worden war. Ob die erlittenen Verletzungen todesursächlich waren, muss noch abschließend geklärt werden.


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