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"Opfer der Amokfahrt in Trier kommen nicht zur Ruhe"
Lokales 2 Min. 17.10.2021
Trauma-Expertin

"Opfer der Amokfahrt in Trier kommen nicht zur Ruhe"

Kerzen brannten nach der Tat rund um den Petrusbrunnen am Hauptmarkt.
Trauma-Expertin

"Opfer der Amokfahrt in Trier kommen nicht zur Ruhe"

Kerzen brannten nach der Tat rund um den Petrusbrunnen am Hauptmarkt.
Foto: dpa
Lokales 2 Min. 17.10.2021
Trauma-Expertin

"Opfer der Amokfahrt in Trier kommen nicht zur Ruhe"

Bald ist es ein Jahr her, dass in Trier bei einer Amokfahrt fünf Menschen getötet und Dutzende verletzt wurden. Die Tat lässt Opfer bis heute nicht los, sagt eine Trauma-Expertin.

(dpa) - Die Opfer der Amokfahrt in Trier vom 1. Dezember 2020 finden nach Aussage der Trauma-Expertin Sybille Jatzko noch keine Ruhe. Es sei der derzeit vor dem Landgericht Trier laufende Prozess gegen den mutmaßlichen Amokfahrer, der „sehr viel Wut und sehr viel Ärger“ auslöse, sagte Jatzko der Deutschen Presse-Agentur.

Vor allem, weil der angeklagte 52-Jährige keine Angaben mache und keinerlei Anzeichen von Reue zeige. „Die ganze Zeit ist sehr belastend und lässt die Menschen nicht zur Ruhe kommen“, sagte Jatzko, die mit ihrer Stiftung „Katastrophen Nachsorge“ Angehörige, Betroffene und Traumatisierte in Trier begleitet.


Durch das rasche Eingreifen der Einsatzkräfte konnte noch schlimmeres Leid verhindert werden.
Prozessauftakt um Amokfahrt in Trier am Donnerstag
Die Amokfahrt in Trier hatte international für Entsetzen gesorgt. Fünf Menschen verloren dabei ihr Leben. Nun kommt der mutmaßliche Täter vor Gericht.

Besonders schlimm wird es nach Einschätzung von Jatzko für die Betroffenen, wenn demnächst Augenzeugen vor Gericht Auszüge der Amokfahrt beschreiben werden. „Es kann bei einigen dann zur Reaktivierung der traumatischen Symptome kommen: Das heißt Bilder, die durch die Traumatisierung separat abgespeichert wurden, kommen wieder hoch.“ Helfer müssten den Betroffenen dann gezielt zur Seite stehen.

Bei der Amokfahrt in Trier waren fünf Menschen getötet worden. Zudem wurden viele Menschen verletzt. Ein Mann war mit seinem Geländewagen durch die Fußgängerzone gerast und hatte gezielt Menschen angefahren. Als mutmaßlicher Täter steht seit dem 19. August der 52-Jährige vor dem Landgericht Trier. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Deutschen fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor.

Die gemeinsame Teilnahme an der Gedenkveranstaltung am Jahrestag der Amokfahrt stütze Opfer und Hinterbliebene, weil sie sich regelmäßig treffen und inzwischen zu einer „Schicksalsgemeinschaft“ geworden seien. Sie kennen sich: „Das bedeutet ein Aufgehobensein, ein Sich-nicht-so-alleine-Fühlen und den Schmerz teilen“, sagte die Psychotherapeutin aus Krickenbach bei Kaiserslautern.

Gedenktag am 1. Dezember geplant

Der Gedenktag sei aber für alle in der Stadt Trier wichtig, sagte die Expertin. Für die, die etwas gesehen haben. Und für die, die „das Gedenken in Solidarität wahrnehmen wollen“. Das Gemeinsame sei an diesem Tag wichtig. Am 1. Dezember wird es einen Gottesdienst im Trierer Dom geben, der zur damaligen Tatzeit um 13.46 Uhr mit Glockengeläut beginnt. Am Abend ist ein Konzert im Dom geplant.


19.09.2021, Rheinland-Pfalz, Idar-Oberstein: Ein Polizist sichert am frühen Morgen eine Tankstelle. Ein Angestellter der Tankstelle war in Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz von einem mit einer Pistole bewaffneten Mann erschossen worden. Die beiden Männer waren am Samstagabend vor dem Tankstellengebäude in Streit geraten, wie die Polizei mitteilte. Anschließend flüchtete der Täter zu Fuß. Foto: Christian Schulz/Foto Hosser/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Tankstelle-Todesschütze hat vor der Tat Bier getrunken
Der Todesschütze von Idar-Oberstein habe angegeben, vor der Tat „einige Bier“ konsumiert zu haben, so die Polizei.

Jatzko ging davon aus, dass nach dem Prozess „mehr Ruhe in die Schicksalsgemeinschaft“ einkehren werde. „Dann kann man sich auch mehr fokussieren auf Hilfen, die dann noch nötig sind.“ Der Prozess ist derzeit bis Ende Januar 2022 terminiert.

Es wird laut Jatzko zeitnah ein nächstes Opfertreffen geben. Da werde man sich weiter Gedanken über eine künftige Gedenkstätte machen. Und überlegen, in welcher Form man sich an der Gedenkfeier beteiligen möchte.


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