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Oktavprediger Reiners: "Eine Ehre und eine Herausforderung"
Lokales 6 Min. 25.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Oktavprediger Reiners: "Eine Ehre und eine Herausforderung"

Jean-Pierre Reiners deckt ein vielfältiges Aufgabengebiet ab: Neben seiner Tätigkeit als Seelsorger der Ministranten bereitet er als Zeremoniar des Bischofs auch dessen Gottesdienste vor.

Oktavprediger Reiners: "Eine Ehre und eine Herausforderung"

Jean-Pierre Reiners deckt ein vielfältiges Aufgabengebiet ab: Neben seiner Tätigkeit als Seelsorger der Ministranten bereitet er als Zeremoniar des Bischofs auch dessen Gottesdienste vor.
Foto: Lex Kleren
Lokales 6 Min. 25.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Oktavprediger Reiners: "Eine Ehre und eine Herausforderung"

Sarah SCHÖTT
Sarah SCHÖTT
Im Jubiläumsjahr übernimmt Jean-Pierre Reiners die Oktavpredigten. Dabei sieht er sich angesichts der Corona-Restriktionen mit einer besonderen Form der Oktave konfrontiert.

Jean-Pierre Reiners ist der diesjährige Oktavprediger. Der 46-Jährige ist Pfarrmoderator in der neuen Pfarrei "Mamerdall Saint-Christophe". Zusätzlich zu seinen pfarrlichen Aufgaben ist er Zeremoniar des Erzbischofs, diözesaner Seelsorger der Ministranten, Mitverantwortlicher in der Berufungspastoral und Präses der "Grands-Clercs de la Cathédrale Notre-Dame de Luxembourg". Mit dem "Luxemburger Wort" hat er über die Herausforderungen der digitalen Oktave und die Bedeutung der Marienverehrung gesprochen.

Jean-Pierre Reiners, aufgrund der Corona-Pandemie findet die Oktave in diesem Jahr ohne Pilger, dafür digital statt. Was bedeutet das für Sie als Prediger? 

Es ist natürlich eine Herausforderung und gleichzeitig eine komische Situation. Man predigt vor einer Kathedrale, die leer ist, aber trotzdem im Bewusstsein, dass Leute zuschauen, dabei sind und mitfeiern. Man muss den Leuten vor dem Bildschirm etwas rüberbringen, ohne sie von Angesicht zu Angesicht zu sehen. 

Kann man auf dem digitalen Weg auch neue Zielgruppen ansprechen? 

 Das ist eine Hoffnung. Ob es eine Realität wird, kann ich nicht sagen. Andere Zielgruppen können vielleicht den Bezug dazu neu entdecken, sie müssen sich nicht auf den Weg machen, sondern können alles von zu Hause mitverfolgen. Auf der anderen Seite hoffe ich, dass die Oktave auch bis zu den Älteren vordringt. Viele von ihnen haben vielleicht keinen Computer und sind nicht so gewohnt, damit umzugehen. Ich hoffe, dass es in den Alten- oder Pflegeheimen Personen gibt, die sich darum kümmern, dass die Bewohner das Ganze anschauen können. 

Die Oktave könnte eine Chance zu sein, Trost in unserer heutigen Situation zu finden.

Jean-Pierre Reiners

Wie wird man überhaupt Oktavprediger? 

Da hat unser Erzbischof die freie Auswahl. Bei mir war es so: Wir waren im August 2018 auf Wallfahrt mit den Ministranten nach Rom. Da hatten wir jeden Tag Messe mit dem Bischof. Da ich auch Diözesanseelsorger der Ministranten bin, habe ich auch eine Predigt übernommen. Und die scheint dem Bischof gefallen zu haben, denn in der Sakristei meinte er dann, es wäre doch schön, wenn ich Oktavprediger werden würde. Für 2019 war es schon Guy Diederich, deshalb sollte ich es 2020 übernehmen. 

Sie widmen sich in ihren Predigten den Wappensprüchen der Luxemburger Bischöfe. Wurde Ihnen das Thema vorgegeben? 

Das große Thema der Oktav "Zesumme Kierch sinn" ist mir vorgegeben. Aber für die Unterthemen der Predigten hatte ich freie Hand. Die Idee mit den Wappensprüchen hatte ich schon länger. Ich will sie aber nicht unbedingt historisch bearbeiten, sondern in unseren heutigen Kontext übertragen. 

Jean-Pierre Reiners
Jean-Pierre Reiners
Foto: Erzbistum

Können Sie schon einen kleinen Einblick in den Inhalt ihrer Predigten geben?

 Anhand der verschiedenen Wappensprüche versuche ich die Situation unserer Kirche in der heutigen Zeit zu beleuchten und den Leuten Hoffnung für die Zukunft zu geben, aber vielleicht auch eine neue Ausrichtung auf Jesus Christus – und Vertrauen auf Maria für unsere Luxemburger Kirche in der Zukunft. Eine Zukunft, von der wir noch nicht wissen, wie sie aussehen wird. Aber sicher eine Zukunft mit vielen weiteren Herausforderungen. 

Was bedeutet es für Sie, der diesjährige Oktavprediger zu sein? 

Einerseits ist es eine Ehre, im Jubiläumsjahr predigen zu dürfen – überhaupt, Oktavprediger zu sein. Aber auch eine große Herausforderung und zusätzliche Arbeit. Es nimmt viel Zeit in Anspruch, nicht nur beim Schreiben. Das ist noch am wenigsten zeitaufwendig. Viel mehr Zeit fließt in die Vorbereitung. Man liest sich verschiedene Sachen an, muss sich Gedanken machen, die Themen ordnen, sodass es nachher ein großes Ganzes ist. 

Kirche ist nicht nur eine Kirche des Klerus oder der Hauptamtlichen, sondern des Volkes Gottes.

Jean-Pierre Reiners

Bereitet man sich darauf anders vor, als auf andere Predigten? 

Ja und Nein. Bei anderen Predigten hat man ja sonntags normalerweise den Text vorgegeben, über den man sich seine Gedanken macht. Das Prinzip hier ist das gleiche, nur, dass man nichts vorgegeben hat. Man sucht sich aus, worüber man reden will und versucht das in eine Sprache zu bringen, die dem Publikum und einem selbst gerecht wird. Was man sagt, muss man ja auch vertreten. 

Ist die Oktav noch ein festes Ereignis im Leben der Luxemburger? 

Als Zeremoniar des Bischofs war ich in den letzten Jahren von morgens bis abends bei jeder Oktave dabei. Man merkt einerseits, dass die Besucherzahlen langsam zurückgehen. Das ist eine Feststellung. Das muss man einfach sagen, und wer das Gegenteil behauptet, sieht der Situation nicht ins Gesicht. Trotz allem ist es immer noch ein Fest des Glaubens der Diözese. Es verlagert sich einfach. Die Pfarreimessen am Morgen werden zunehmend weniger besucht. Aber neue Veranstaltungen oder Themen – da nehmen die Zahlen doch zu. Es gibt punktuelle Dinge, wo man auch merkt, dass die jüngeren Generationen, Familien mit Kindern, noch einen Bezug haben. Aber nicht mehr unbedingt den Bezug zur Pfarrei, die in die Oktave geht, sondern eher einen persönlichen Bezug. Sie suchen sich die Gottesdienste aus, die ihnen zeitlich und thematisch am besten gefallen. 

Was muss man tun, um jüngere und vielleicht auch kirchenfernere Menschen anzusprechen? 

Man muss die Realität der Menschen sehen, wie sie heute ihren Tag gestalten. Nicht umsonst wollten verschiedene Pfarreien ihre Messen abends. Das Leben heute ist anders. Und der Bezug zur Pfarrei auch. Um die Oktave attraktiver zu gestalten, müssen wir versuchen, Programmänderungen vorzunehmen, die dem Leben, dem Lebensgefühl und der Zeit der Menschen von heute entsprechen. Aber da liegt auch ein Problem. Man darf nicht alles sofort radikal ändern, denn es ist eine Tradition, die gewachsen ist. Sie muss lebendig bleiben und mit Neuem gefüllt werden. Dazu zählt auch alles, was mit Katechese oder mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat. Das ist die Generation, die die Oktave in Zukunft beleben und erleben soll. Und diese muss hingeführt werden.

Im Mittelpunkt der Oktave steht Maria. Was können wir heute noch von ihr lernen? 

Maria zeigt auf einen, der eigentlich im Mittelpunkt steht, nämlich Christus. Und das können wir auch von ihr lernen. Auf Christus hören und ihn in die Mitte unseres Lebens stellen. Sie verweist auf den, den sie geboren hat. Ihr Jawort gegenüber Gott ist auch etwas, wovon wir lernen können: Den Willen Gottes in unserem Leben entdecken und zu erfüllen. 

Vergleichen Sie sich mit vorherigen Oktavpredigern? 

Jeder ist anders, jeder predigt anders. Aber man macht sich schon Gedanken, ob das, was man sagt, so ankommt, wie die Vorgänger es fertiggebracht haben. Trifft man den richtigen Ton, hat man die richtigen Themen, bringt man es so rüber, dass die Leute auch etwas damit anfangen können. Da gibt es ja einige, die das perfekt hinbekommen haben. 


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Das übergeordnete Thema ist "Zesumme Kierch sinn". Was soll das den Menschen sagen? 

Jeder und jede in der Kirche hat Verantwortung zu tragen. Jeder Getaufte, jeder Gefirmte ist ein mündiger Christ. Und das Mündigsein soll im Zusammenleben und zusammen Glauben auch zum Vorschein kommen. Kirche ist nicht nur eine Kirche des Klerus oder der Hauptamtlichen, sondern des Volkes Gottes. 

Was ist Ihr Wunsch für die Oktave? 

Dass es eine fruchtbare Zeit wird, nicht nur für mich als Prediger, sondern für die Leute die zuschauen. Oktave heißt auch immer, wir blicken zur Trösterin und wollen dort Trost finden – in unserer Zeit, im persönlichen Leben, in vielen persönlichen Angelegenheiten und auch in der Weltsituation von heute – inklusive Corona. Luxemburg und die Welt sind im Ausnahmezustand, wir wissen nicht was kommt. Die Oktave könnte eine Chance sein, Trost in unserer heutigen Situation zu finden. 

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