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Oh, Gott! - eine Jugendkolumne: Ohne Ladegerät kein Leben!
Lokales 4 Min. 06.02.2016 Aus unserem online-Archiv

Oh, Gott! - eine Jugendkolumne: Ohne Ladegerät kein Leben!

Es bräuchte ein Ladegerät für die Religion. Was könnte das sein? Was könnte die Religiosität ein wenig aufladen?

Oh, Gott! - eine Jugendkolumne: Ohne Ladegerät kein Leben!

Es bräuchte ein Ladegerät für die Religion. Was könnte das sein? Was könnte die Religiosität ein wenig aufladen?
Foto: REUTERS
Lokales 4 Min. 06.02.2016 Aus unserem online-Archiv

Oh, Gott! - eine Jugendkolumne: Ohne Ladegerät kein Leben!

Anne CHEVALIER
Anne CHEVALIER
Paul Galles, Koordinator bei Young Caritas, und die Religionslehrerin Christina Fabian-Heidrich schreiben über und für die Jugend. Diesmal: Das Handy.

(AC) - Ohne Ladegerät kein Leben! so der 
Titel der – ersten – Jugendkolumne, die künftig einmal im Monat erscheinen wird.

Der Autor, Paul Galles, und die Autorin, Christina Fabian-Heidrich, sind respektive Koordinator für das „bénévolat solidaire“ bei Young Caritas und Religionslehrerin am Fieldgen.

In diesem Artikel von Paul Galles geht es, knapp gesagt, um den Schüler Moreno und die Studentin Valérie, Handys – nein, Ladegeräte – und Religion. Und wer wissen möchte, wo der Zusammenhang ist ... das wird nicht verraten, das wird am besten in Erfahrung gebracht, wenn man den Artikel, der fast schon wie eine Kurzgeschichte anmutet, liest. Und weiterempfehlen empfiehlt sich auch.

Ziel dieser Kolumne auf den Glaubensseiten der Zeitung  ist es, Jugendliche insbesondere auf aktuelle Themen anzusprechen und die Thematik um einem spirituellen, sprich christlichen Zusammenhang zu erweitern.

Es geht aber auch darum, mit Jugendlichen einen Dialog aufzunehmen, ihre Ansichten widerzuspiegeln, und ihnen eine Plattform der Kommunikation anzubieten.


Von Paul Galles

Ohne Ladegerät kein Leben!

Das Smartphone, das sei am allerwichtigsten! So spricht Moreno. Er ist 18 – und Schüler. Alles läuft über das rechteckige Ding in seiner Hosentasche. Und das Allerschlimmste, das ihm passieren kann? Wenn er den „chargeur“, das Ladegerät zuhause vergisst. „Ouni chargeur kee Liewen!“

Paul Galles ist Koordinator „bénévolat solidaire“, Young Caritas Luxembourg
Paul Galles ist Koordinator „bénévolat solidaire“, Young Caritas Luxembourg
Foto: Chris Karaba

Interessiert tippe ich seine Kernaussagen – in mein Smartphone. Verdammt, er hat Recht! Ohne Smartphone kein Leben. Und kein Artikel im Wort. Und ohne Ladegerät kein Smartphone. Schlimm wird es, wenn der Akku auf unter 20% fällt. Wenn das Iphone den Stromsparmodus einschaltet. „Plötzlich geht es rasant schnell!“ Da ist es schon von Vorteil, dass durch den Sparmodus die letzten 20% nicht ganz so schnell verschwinden.

Was ihr denn das Wichtigste sei, frage ich Valérie. Sie ist 21 und studiert in Hamburg. Die Freunde! „Auch solche, die kein Smartphone haben?“, frage ich. Sie lacht. „Sécher dat!“ Das Smartphone sei doch nur ein Mittel zum Zweck. Das Eigentliche sei doch, die Leute zu treffen, mit ihnen zu chillen, mal eine Freundin, der es nicht so gut geht, in den Arm zu nehmen.

Und der Glaube an Gott? Ist der euch auch wichtig?, frage ich weiter. Vielleicht so 10%, meint Moreno. Also weniger als 20%? Das heißt: Energiesparmodus! Er lächelt. Und Valérie ergänzt: „Es verlangt zu viel Energie, um sich mit Religion auseinanderzusetzen.“

Aha, da kommt mir eine Idee! Es bräuchte also ein Ladegerät für die Religion. Was könnte das sein? Was könnte die Religiosität ein wenig aufladen? Ganz sicher sind sich die beiden Jugendlichen nicht. „Vielleicht eine Kirche, die chill ist“, meint Moreno. „Wo ich mich wohl fühle.“ Und was müsste zu einer solchen Kirche gehören? Farbiges Licht, coole Musik, indirekte Beleuchtung, knallige Kissen Liegen, Matratzen. Und Musik von heute! Sehr wichtig! Und natürlich Platz, wo man sich zusammen hinsetzen und was trinken kann. Einen Cocktail oder so.

Also eine Kirche, wo man nicht ruhig rumsitzen muss! Das kann ich irgendwie nachvollziehen. Und wo man das Smartphone gebrauchen darf?, bohre ich nach. Ganz genau! „Aber nicht zum Anrufen, sondern zum Fotografieren und Whatsappen, um die Freunde gleich mal upzudaten!“ Upzudaten worüber? „Na, wenn es cool ist. Dann sollen sie auch kommen!“ Und wann ist es cool? „Die Cocktails müssen lecker sein!“, lacht Valérie. „Und man soll uns nicht nerven!“, fügt Moreno hinzu.

Klar, denke ich! Nicht nerven! Also am besten keinen Gottesdienst oder so? „Doch, warum nicht?!“, ist die einhellige Antwort. „Zuhause bete ich manchmal, wenn jemand krank ist, zum Beispiel meine Oma oder meine Katze.“ Moment! Habe ich mich verhört? „Du betest? ZUHAUSE?!!“ – „Natürlich“, entgegnet mir Valérie. „Und deswegen muss es in der coolen Kirche auch einen Platz geben, wo man Kerzen anzünden kann!“ Toll! Auf wie viel Prozent Akku sind wir dann?, interessiert mich. „So auf 80%!“ Wow, 80%??! Ich bin erstaunt. Schafft dein Freund auch 80% auf der Skala? „Klar, 99%! Aber keine 100, sonst wird er eingebildet!“

Vielleicht ist das eine gute Regel für die Kirche: nicht eingebildet sein und mit weniger als 100% zufrieden sein. Dann lädt das Akku vielleicht schneller. Das letzte Prozent braucht sowieso immer besonders lang, scheint mir. Aber es gibt tatsächlich Lademöglichkeit für das Religiöse. „Das finde ich cool!“, sage ich noch so. Doch Moreno kriegt es nicht mit. Er kramt in seiner Tasche. Was er wohl sucht? Genau, sein Ladegrät!

 

Video-Interview mit Moreno

Kontakt: paulgalles@gmail.com


Außerdem im Rahmen der Fastenzeit:

„Auf seinem Youtube-Channel stellt Paul Galles unter der Rubrik „Liewege Faaschtekalenner“ vielen Menschen die Frage, was für sie das Wichtigste im Leben ist. Worauf will ich nicht verzichten? Worauf will ich mich also konzentrieren? Was will ich pflegen? So kann Fastenzeit eine Zeit der Besinnung auf das Lebensnotwendige werden. Wer selber Interviewpartner sein will, kann sich bei Paul Galles melden: paulgalles@gmail.com“


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