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Oh Gott - eine Jugendkolumne!
Lokales 3 Min. 01.07.2017 Aus unserem online-Archiv
Wenn nicht wir, wer dann?

Oh Gott - eine Jugendkolumne!

Paul Galles: "Die Menschen, die zu uns kommen, trauen uns in Luxemburg eine fundamentale soziale Kompetenz zu: ohne Vorurteile zusammen zu leben!"
Wenn nicht wir, wer dann?

Oh Gott - eine Jugendkolumne!

Paul Galles: "Die Menschen, die zu uns kommen, trauen uns in Luxemburg eine fundamentale soziale Kompetenz zu: ohne Vorurteile zusammen zu leben!"
Lokales 3 Min. 01.07.2017 Aus unserem online-Archiv
Wenn nicht wir, wer dann?

Oh Gott - eine Jugendkolumne!

Anne CHEVALIER
Anne CHEVALIER
Gemeinsam mit Arian, einem Flüchtling, und fünf Luxemburger Jugendlichen sind wir auf einer Fahrradtour durch unser wunderschönes Ländchen. Organisiert von Young Caritas, schreibt Paul Galles.

Gemeinsam mit Arian und fünf Luxemburger Jugendlichen sind wir auf einer Fahrradtour durch unser wunderschönes Ländchen. Organisiert von Young Caritas. Mein Chef Luc, Carole und ich, wir drei von der Caritas, fahren auch mit. Wir wollen ihnen Land, Leute und Traditionen zeigen. Erster Stop ist Echternach, da ist heute Springprozession. Doch was wir bei dieser Tour mit den Jugendlichen erleben, ist beeindruckend.

Wir erleben Luxemburger Jugendliche, die sich Zeit nehmen, um den Neuankömmlingen das Land zu zeigen. Um mit ihnen zu reden, zu lachen, zu strampeln, zu grillen, zu spielen. Wir erleben junge Menschen aus fernen Ländern, die unser Land noch nicht gut kennen und begeistert sind. Von den Landschaften, den Menschen, den Traditionen.

„Für uns ist es normal, dass wir hier alle zusammen leben! Warum ist das überhaupt eine Frage?“

Wir erleben Jugendliche, die sehr unterschiedliche Nationalitäten, Religionen oder nicht-religiöse Überzeugungen haben und denen es nicht um die Unterschiede geht, sondern um das Zusammenleben. Sich kennenlernen, Ängste abbauen, voneinander lernen. Wir erleben Jugendliche, die schon lange in Luxemburg leben und zur Schule gehen, aber deren Ursprünge in anderen Kontinenten und Kulturen liegen, und die sagen: „Für uns ist es normal, dass wir hier alle zusammen leben! Warum ist das überhaupt eine Frage?“

Wir nehmen unsere Helme und gehen gemeinsam ein Eis in der Echternacher Fußgängerzone essen. „So etwas tun die Menschen in meinem Land nicht!“ Arian (Name geändert), junger albanischer Flüchtling, steht staunend in Echternach neben den Mengen von Menschen, die trotz Regen und Sturm durch die schöne Abteistadt springen. „Dass alle auf den Straßen sind, springen, tanzen, lachen, sich begegnen, das gibt es so bei uns nicht!“

Mir wird klar, was er meint. Die Springprozession gehört fest zu unserem kulturellen Kalender. Aber worum es eigentlich geht, vergesse ich oft: Menschen begegnen sich und feiern zusammen! Arian, der kein Christ ist, ist beeindruckt. Neben ihm stehen zwei junge Irakerinnen und zwei junge Syrer.

Die beiden Irakerinnen fragen uns: „Please teach us the steps! – Bitte bring uns die Schritte bei!“ So entsteht im Angesicht von Schokoladen- und Mango-Eis eine interkulturelle Mini-Springprozession.

Liegt es an der jugendlichen Naivität, dass für sie alles so easy aussieht? Vielleicht auch. Aber für mich ist es eine Lektion: Warum sollen wir es uns schwerer machen, als es in Wirklichkeit ist? Die Menschen, die zu uns kommen, trauen uns in Luxemburg eine fundamentale soziale Kompetenz zu: ohne Vorurteile zusammen zu leben!

Und das bezieht sich nicht alleine auf Flüchtlinge, sondern auf alle Menschen: Sprache, Kultur, sozialer Status, Alter, Geschlecht, Religion – hier wird zusammengelebt. Zusammen. Gelebt!

Manchmal denke ich: Wenn nicht wir, wer dann? Wenn nicht wir in Luxemburg, die wir Sprachen kennen und über Jahrzehnte gewohnt sind, mit vielen Nationalitäten denselben Lebensraum zu teilen, wer dann? Wenn nicht wir, die wir aus unzähligen Kulturen stammen, wer dann?

Vor einigen Wochen war ich als Vertreter von Young Caritas bei der Verleihung des Jugendkarlspreises in Aachen dabei. Dort steht auf einer Tafel, wer 1986 den Karlspreis erhielt: das Luxemburger Volk! Für die europäischen Brücken, die wir bauen. Luxemburg als „Europa im Kleinen“.

Paul Galles
Paul Galles
Foto: Guy Wolff

Wenn nicht wir, wer ist dann Experte im Zusammenleben der Unterschiede? Für die europäischen Brücken, die wir bauen. Luxemburg als „Europa im Kleinen“. Wenn nicht wir, wer ist dann Experte im Zusammenleben der Unterschiede?

Die Mini-Springprozession neigt sich dem Ende zu. Wir machen uns auf den Weg zu unseren Fahrrädern. Nun geht es weiter quer durchs Land. Zusammenhalten ist gefragt. Und Ausdauer. Und viele Pausen!

Langsam radeln wir den Sauer-Fahrradweg hoch Richtung Diekirch. Hinter uns liegt Echternach. Und ich behalte einen Satz im Kopf: „People don’t do this in my country! I’m impressed!“

Arian hat diese Worte gerade in das Mikrofon des Fernsehens gesagt. Monica – vom Fernsehen – schaut ihn froh an. Er ist stolz, denn er hat etwas gesagt, das ihm wichtig ist: Luxemburg, mach so weiter! Denn wenn nicht wir, wer dann?


Paul Galles, Dr. theol., Projektmanager bei Young Caritas Luxemburg, www.youngcaritas.lu

Der Autor ist über E-Mail: paulgalles@gmail.com sowie über Briefe an die Zeitung – Redaktion Glaube und Leben – und/oder soziale Netzwerke zu erreichen.

- Alle Texte zur Jugendkolumne in unserem Dossier


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