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Oh Gott - eine Jugendkolumne!
Lokales 3 Min. 25.02.2017 Aus unserem online-Archiv
Von Katzen, Cowboys und Badewannen

Oh Gott - eine Jugendkolumne!

Und außerdem fördert Karneval die Gemeinschaft. Man verkleidet sich ja nicht für sich alleine zu Hause.
Von Katzen, Cowboys und Badewannen

Oh Gott - eine Jugendkolumne!

Und außerdem fördert Karneval die Gemeinschaft. Man verkleidet sich ja nicht für sich alleine zu Hause.
Foto: Shutterstock
Lokales 3 Min. 25.02.2017 Aus unserem online-Archiv
Von Katzen, Cowboys und Badewannen

Oh Gott - eine Jugendkolumne!

Anne CHEVALIER
Anne CHEVALIER
An Fastnacht gibt es keinen 
Prinzessinnenmangel. Und einen Priestermangel übrigens auch nicht. Dann steht die Welt kopf. Wer arm war, ist König. Wer keine Waffen hat, wird Held. Und wer immer schon mal verrückt sein wollte, ist Pippi Langstrumpf, schreibt Paul Galles in seiner Jugendkolumne.

An Fastnacht gibt es keinen 
Prinzessinnenmangel. Und einen Priestermangel übrigens auch nicht. Dann steht die Welt kopf. Wer arm war, ist König.  Wer keine Waffen hat, wird Held. Und wer immer schon mal verrückt sein wollte, ist Pippi Langstrumpf. Am überzeugendsten ist nach dem Sprichwort immer noch eine Badewanne als Verkleidung. Die kann sich wenigstens ungehindert volllaufen lassen.

Ich selbst fand Verkleiden immer blöd. Wenn ich unverkleidet lustig sein kann, brauche ich den Firlefanz nicht. Und doch staune ich irgendwie. Warum feiern wir Fastnacht? Oder ist Karneval einfach Karneval? Okay, dann anders gedreht: Warum feierst du Karneval? Zum Beispiel du, Mylana, 23, Jurastudentin in Straßburg? „Wir sind doch das ganze Jahr über im Alltag verkleidet!“

Wie bitte? „Ja, auf der Arbeit in Krawatte und Anzug, im Fitnessstudio in engen Sportklamotten, und beim Ausgehen halt casual. Alles Verkleidung!“ Und was bezwecken wir deiner Meinung nach damit? „Es gibt doch das Sprichwort: Kleider machen Leute. Wir stellen uns dar. Wir passen uns an.“ Das klingt nicht sehr authentisch. Und irgendwie verstehe ich sie. Ich in Krawatte auf Arbeit? Das würde mich eine große Überwindung kosten. Dann doch lieber cool und lässig. Aber auch das aus einem Grund: Weil ich mit Jugendlichen arbeite. Ich passe mich an. Aber ist nun alles Verkleidung?

Mylana dreht den Spieß um. Sie sieht den Vorteil von Karneval. „Da kann ich endlich mal aus den Konventionen ausbrechen, einfach mal experimentieren, einen anderen Teil meiner Persönlichkeit ausprobieren und zeigen!“ Andere Facetten meines Ich? „Teile vom Ich, die oft unentdeckt bleiben, weil wir zu oft in eine einzige Rolle reinwachsen, teilweise von der Gesellschaft reingedrückt. In eine Schublade gesteckt, aus der es schwierig ist rauszukommen. An Karneval fällt es einem leichter, diese eine Rolle fallen zu lassen und sich auch anders zu zeigen.“

Wow, tolle Sätze! Es geht also nicht darum, einfach mal alle Regeln zu brechen? „Nein, es gibt Grenzen!“, sagt Mylana. „Respekt gegenüber den anderen und vor allem sich selbst. Man wird ja nicht asozial, nur weil gefeiert wird.“ Und außerdem fördere Karneval die Gemeinschaft. Man verkleide sich ja nicht für sich alleine zu Hause. „Was an Karneval auffällt ist, dass viele gesellschaftliche Regeln, z. B. über die Kleidung, eigentlich gar nicht so wichtig sind. Vielfalt und Kreativität machen eine Gesellschaft offener und interessanter.“

Und was schließt sie daraus? „Vielleicht sollten wir mehr von Karneval in den Alltag hineinbringen!“ Mehr Offenheit, mehr Authentizität, mehr Gemeinschaft. Je nach Verkleidung entdecke ich an Karneval etwas Wichtiges über mich. Wer gerne mit dem Colt hantiert, sollte nicht vergessen, auch im Alltag zu seiner Position zu stehen. Und alle Pippi Langstrumpfs nehmen was von ihrem gelassenen und kreativen „Zwei mal drei macht vier“ mit in ihren Alltag.

Paul Galles
Paul Galles
Foto: Guy Wolff

Fastnacht als Boost für den Rest des Jahres! Und all die Priester und Nonnen? Es war für mich immer ärgerlich, weil die, die in den Gewändern steckten, scheinbar nicht viel von der Würde der Mission verstanden. Und doch: Ihre Rollen werden noch gesellschaftlich verarbeitet, ins Lächerliche gezogen. Aber zugleich sagen sie aus: Diese Rollen sind noch da. Das Heilige stört immer noch. Und das ist gut so. Wenn ich mich selbst noch mehr vom Göttlichen positiv stören lassen würde, würde ich noch vieles an meinem Leben ändern. Und vielleicht würde ich mit dem beginnen, was ich an Karneval immer am liebsten war: Cowboy. Ich würde schneller ziehen als mein Schatten, wäre wilder, ungezähmter, direkter. So wie Jesus, an den ich glaube. Wild, ungezwungen, direkt. Gott eben. Seine einzige Regel war die entschlossene Liebe. Karneval sagt mir dann: ein wenig göttlicher und mutiger sein.


Und Mylana? Sie verkleidet sich als Katze. Das passt, denn sie mag Katzen über alles, aber wirklich! Übrigens das ganze Jahr über. 


Paul Galles, Koordinator „bénévolat solidaire“, Young 
Caritas Luxembourg

Der Autor ist über E-Mail: paulgalles@gmail.com sowie über Briefe an die Zeitung – Redaktion Glaube und Leben – und/oder soziale Netzwerke zu erreichen.