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Oh Gott - eine Jugendkolumne!
Lokales 3 Min. 28.01.2017 Aus unserem online-Archiv
Babylonische Sprachenverwirrung oder pfingstliche Kommunikation?¶

Oh Gott - eine Jugendkolumne!

So wie damals an Pfingsten?
Babylonische Sprachenverwirrung oder pfingstliche Kommunikation?¶

Oh Gott - eine Jugendkolumne!

So wie damals an Pfingsten?
Foto: AP
Lokales 3 Min. 28.01.2017 Aus unserem online-Archiv
Babylonische Sprachenverwirrung oder pfingstliche Kommunikation?¶

Oh Gott - eine Jugendkolumne!

Anne CHEVALIER
Anne CHEVALIER
Es ist kein Geheimnis – in Luxemburg spricht man viele verschiedene Sprachen, manchmal bunt gemischt oder nebeneinander im fliegenden Wechsel. Nicht selten kommt es vor, dass man ein Gespräch in einer Sprache beginnt und dann der Einfachheit halber in die Muttersprache seines Gesprächspartners wechselt, meint Christine Busshardt in ihrer Jugendkolumne.

Es ist kein Geheimnis – in Luxemburg spricht man viele verschiedene Sprachen, manchmal bunt gemischt oder nebeneinander im fliegenden Wechsel. Nicht selten kommt es vor, dass man ein Gespräch in einer Sprache beginnt und dann der Einfachheit halber in die Muttersprache seines Gesprächspartners wechselt.

Bei der Vorbereitung von Gottesdiensten stellen sich die Verantwortlichen immer wieder die Frage, ob es eher nützlich ist, mehrere Sprachen zu verwenden, damit so wie damals an Pfingsten „die Apostel jeder in seiner Sprache“ hören und verstehen kann. Andere empfinden die Vielsprachigkeit eher als störend und zitieren lieber die Sprachenverwirrung aus dem Alten Testament damals beim Turmbau zu Babel.

Welche Rolle spielt die Sprache für Jugendliche beim Gottesdienst?, frage ich mich. Und mir fällt Taizé ein und die Selbstverständlichkeit mit der dort die Vielsprachigkeit erlebt werden kann.

Bei unserem letzten Ausflug nach Taizé war im „Jugendbus“ das Portugiesische am meisten vertreten. Die junge Belgierin und der einzige Luxemburger konnten nicht umhin in diesen Tagen ihre Portugiesischkenntnisse zu erweitern. Aus dem „Cockpit“ heraus kam von mir (Deutsche) wiederholt die Aufforderung, doch bitte die Gespräche auf Luxemburgisch zu führen, damit jeder etwas verstehe. Die Muttersprache ist nun mal prägend. Wenn wir träumen, wenn wir unser Herz sprechen lassen und wenn wir uns klar ausdrücken wollen, dann greifen wir am liebsten auf die uns am meisten vertraute Sprache – unsere sogenannte Muttersprache – zurück. Das geht den Jugendlichen nicht anders als den Erwachsenen.

In Taizé bekommt jeder etwas für sich. Die Lieder sind oft in vielen verschiedenen Sprachen singbar und wenn nicht, so steht wenigstens eine Übersetzung des Textes im Liederheft. Eine geniale Idee!

Auch die Lesungstexte werden immer in den Hauptsprachen der angemeldeten Teilnehmer vorgetragen bzw. auf Handzetteln ausgedruckt. So ist gewährleistet, dass sich jeder mit den Bibelstellen gedanklich befassen kann.

Christine Busshardt
Christine Busshardt
Foto: Gerry Huberty

Ob das auch ein Modell für luxemburgische Gottesdienste sei, frage ich die Gruppe.

Monique, eine der erwachsenen Begleiterinnen unserer kleinen Gruppe, erzählt: „Ich finde es spannend, wenn ich den Bibeltext, der im Gottesdienst zum Thema wird, in verschiedenen Sprachen mitlesen kann. Ich habe durch die verschiedenen Übersetzungen schon oft einen Text neu entdeckt.“

„Ich freue mich jedes Mal, wenn wir ein spanisches Lied singen. Spanisch war meine Lieblingsfremdsprache in der Schule.“, begründet Nadine ihre Vorliebe. „Endlich mal ein Lied auf Portugiesisch. Warum singen wir diese bekannte Melodie nicht auch mal mit dem portugiesischen Text in Luxemburg?“, fragt Jessica. Mélanie hat sich in ein niederländisches Lied verliebt: „Idere nacht …“ ist ihre Antwort, wenn ich frage, welche Lieder wir aufs Programm setzen sollen. Pit hält dagegen: „Mit dem niederländischen Text komm‘ ich nicht klar, ich höre da lieber nur zu. Am liebsten hab ich die lateinischen Lieder.“

Wenn ich die Begeisterung der Jugendlichen richtig deute, mit denen ich regelmäßig in Luxemburg Taizé-Gebete vorbereite, dann schätzen sie unter anderem die Vielfalt der Sprachen an diesem Gottesdienstmodell.

Es geht wohl auch nicht anders – Vielfalt und Offenheit durch verschiedene Sprachen machen die Gottesdienste nicht nur für Jugendliche attraktiver. In solchen Gottesdiensten spiegelt sich der Alltag unserer Gesellschaft wieder, in dem das Luxemburgische ein verbindendes Element sein kann, das aber bei Herzensangelegenheiten wie dem Gebet um die pfingstliche und damit meine ich die mehrsprachliche Dimension erweitert werden sollte.

 

Christine Busshardt, Pastoralreferentin, Pfarrverbände „Bettembourg-Huncherange“, „Fréiseng“, „Hesper“, „Réiserbann“ und „Weiler-la-Tour“. Die Autorin ist über E-Mail: glaube@wort.lu zu erreichen

- Alle Texte zur Jugendkolumne in unserem Dossier


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