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Oh, Gott! - Eine Jugendkolumne
Lokales 4 Min. 19.03.2016 Aus unserem online-Archiv
„Was habe ich verloren, wenn es keinen Gott gibt?“

Oh, Gott! - Eine Jugendkolumne

Sich mit Gott zu verbinden – sprich religiös zu sein – bedeutet eine Verbindung mit dieser guten Kraft einzugehen.
„Was habe ich verloren, wenn es keinen Gott gibt?“

Oh, Gott! - Eine Jugendkolumne

Sich mit Gott zu verbinden – sprich religiös zu sein – bedeutet eine Verbindung mit dieser guten Kraft einzugehen.
Lokales 4 Min. 19.03.2016 Aus unserem online-Archiv
„Was habe ich verloren, wenn es keinen Gott gibt?“

Oh, Gott! - Eine Jugendkolumne

Anne CHEVALIER
Anne CHEVALIER
"Ich werde in dieser Kolumne keine Texte für Jugendliche über Religion schreiben. Stattdessen möchte ich den Platz, den das Luxemburger Wort einräumt, euch, den Jugendlichen und euren Fragen und auch Antworten zur Verfügung stellen, so wie sie im Gespräch mit euch auftauchen", schreibt Christina Fabian-Heidrich in ihrer ersten Jugendkolumne.

Liebe jugendliche Leser: „Oh Gott“, da hat sich die Redaktion des „Luxemburger Wort“ etwas ausgedacht: Eine Jugendkolumne im Wort, einmal im Monat, auf der Seite „Glaube und Leben“. Ich hoffe, ihr seid neugierig weiterzulesen. Und nicht nur ihr, sondern auch erwachsene Leser, die sich dafür interessieren, welche Ideen Jugendliche zur Religion, zu „Glauben und Leben“ haben.

Seit 30 Jahren unterrichte ich Religion und ich lasse mich immer wieder gern davon überraschen, auf welche ganz eigene Weise Jugendliche über die großen Fragen des Lebens nachdenken. Ja, kirchlich gebundene Religiosität ist heute bei den Jugendlichen nur noch selten anzutreffen. Auch ist das Wissen über Religion, religiöse Traditionen stark rückläufig. Andererseits ist ein neues Interesse zu beobachten, dass Religion oder gar gläubige Menschen als etwas „Exotisches“ bestaunt werden, als handele es sich bei Gläubigen um Angehörige eines unbekannten Stammes. Diese Erfahrung machen z. B. muslimische Jugendliche in Luxemburg, von denen viele auf eine sehr lebendige Art und Weise in ihrer Tradition verwurzelt sind und die in der Regel auch wissen, warum sie bestimmte Regeln wie etwa das Fasten im Ramadan einhalten. Was geblieben ist – und dies unabhängig von Herkunft und Bildung – ist die Frage nach dem Sinn des Ganzen, wohin der Weg führen soll, und wer bei uns bleibt, wenn es dunkel wird.

Diese Fragen kommen oft nicht in einem religiösen Gewand daher und sie verlangen auch nicht zwingend eine religiöse Antwort. Und es sind doch auch immer religiöse Fragen, die aus den häufig verstrickten und komplizierten jugendlichen Lebenswelten aufsteigen.

Genug 
über Jugendliche gesprochen.

Und ich werde in dieser Kolumne auch keine Texte für Jugendliche über Religion schreiben. Stattdessen möchte ich den Platz, den das Luxemburger Wort einräumt, euch, den Jugendlichen und euren Fragen und auch Antworten zur Verfügung stellen, so wie sie im Gespräch mit euch auftauchen. Vielleicht bekommt ihr Lust, euch auch über die E-Mail glaube@wort.lu zu Wort zu melden. Erwachsene Leser dürfen gleich gern mit dem Zuhören anfangen und lesen, was Samantha, eine 19-jährige Schülerin, zum Thema „Oh Gott“ zu erzählen hat.

„Oh Gott“ – ich frage Samantha, was sie mit diesem Titel und dem Wort „Gott“ anfangen kann. Und wir sind mitten drin im Gespräch: "oh Gott, mäi Gott", von Jugendlichen gefühlt, tausend Mal am Tag gebraucht, um Aufregung, Überforderung, Abwehr, Genervtsein auszudrücken. Samanthas Oma findet es schrecklich, das Wort „Gott“ so zu benutzen. Für sie ist das ein Missbrauch des Namens Gottes. Samanthas Mutter mag es einfach nicht, wenn das Wort „Gott“ wie ein x-beliebiges Wort inflationär und ohne Nachdenken ausgesprochen wird. Samantha ist mit der Position ihrer Mutter einverstanden. Sie sagt, Religion sei doch dazu da, Erklärungen zu suchen, Dinge zu hinterfragen und ihnen auf den Grund zu gehen und eben auch Worte und auf jeden Fall das Wort „Gott“ bewusst zu gebrauchen.

Und dann wagt sie den Satz: Religion gehört zum Leben dazu – wem Religion, Nachdenken über Religion egal ist, dem ist doch irgendwie alles egal. Man solle doch bitte nicht Kirche und Religion miteinander vermischen, wer kirchenfeindlich sei, sei noch lange nicht religionsfeindlich. Sie nimmt sich sowieso das Recht, in religiösen Dingen ihre eigenen Akzente zu setzen. Sie sieht keinen Grund, nicht zu glauben. „Was habe ich verloren, wenn es keinen Gott gibt? Man kann nur gewinnen.“

Von ihrer Großmutter, die auf sehr eigenständige Weise fromm ist, hat sie gelernt, dass Religion helfen kann, sich selbst, seinen Weg zu finden und mit sich selbst froh zu sein! Sie ist davon überzeugt, dass jeder „Religion in sich hat“; jeder hat etwas von Gott, etwas Göttliches in sich, in der Bibel ist ja auch geschrieben, dass wir „Gottes Ebenbild“ sind, so Samantha.

Und wir brauchen keine Belehrung und wir brauchen auch keine Angst vor Gott zu haben. Gott stiftet Zusammenhalt unter den Menschen, hilft seinen Platz auf dieser Welt zu finden. Sich mit Gott zu verbinden – sprich religiös zu sein – bedeutet eine Verbindung mit dieser guten Kraft einzugehen. Den Namen Gottes bewusst auszusprechen – dazu kann man auch beten sagen – tut gut, nährt das Gute in uns und macht uns gleichermaßen verletzlich und stark.

Samantha ist eine ganz normale junge Frau, die zugegebenermaßen – sie sagt als Kind schon – über die großen Fragen nachdenkt, ganz beiläufig, und die im Gespräch selbst erstaunt ist, als sie ihre Gedanken zur Sprache bringt. Ich fühle mich beschenkt durch dieses Gespräch. Zuhören lohnt sich, definitiv! Und Erzählen auch, wenn denn jemand zuhört ...

Christina Fabian-Heidrich, Religionslehrerin am Fieldgen

Die Texte stehen auch auf wort.lu und die Autorin ist über E-Mail: glaube@wort.lu sowie über Briefe an die Zeitung – Redaktion Glaube und Leben – zu erreichen.

- Alle Texte zur Jugendkolumne in unserem Dossier


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