Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Oesling85: Mission „Sendemast sprengen“
Lokales 3 Min. 09.04.2013 Aus unserem online-Archiv

Oesling85: Mission „Sendemast sprengen“

Während die Soldaten im Norden Sabotage-Akte üben, suchen Gendarmen den Tatort am Schléiwenhaff nach Beweisstücken ab.

Oesling85: Mission „Sendemast sprengen“

Während die Soldaten im Norden Sabotage-Akte üben, suchen Gendarmen den Tatort am Schléiwenhaff nach Beweisstücken ab.
Foto: Lé Sibenaler
Lokales 3 Min. 09.04.2013 Aus unserem online-Archiv

Oesling85: Mission „Sendemast sprengen“

Viel wird im Rahmen der Bommeleeër-Affäre über die Oesling85-Manöver aus den 80er-Jahren spekuliert. wort.lu hat mit einem ehemaligen Soldaten gesprochen, der an einem Kommandotraining mit amerikanischen Special Forces teilgenommen hat. Lesen Sie den dritten Teil der Artikelreihe über das Oesling-Manöver.

(str) - Viel wird im Rahmen der Bommeleeër-Affäre über die Oesling-Manöver aus den 80er Jahren spekuliert. Oft werden sie in Verbindung mit dem Luxemburger Stay-Behind-Netzwerk „Plan“ gebracht. Nur wenig ist allerdings über die Hintergründe der Manöver bekannt, bei denen es auch um Sabotage ging und Parallelen zu den ersten Attentaten der Bombenserie nicht von der Hand gewiesen werden können.

wort.lu hat mit einem ehemaligen Soldaten gesprochen, der im Rahmen des Oesling85-Manövers an einem „Kommandotraining“ mit amerikanischen „Special Forces“ teilgenommen hat – eine Bezeichnung, die er aus heutiger Sicht als etwas hoch gegriffen empfindet.

Die dritte Mission

Als dritte Mission wurde dem Trupp aufgetragen, den Sendemast in Hosingen zu sprengen. „Mission impossible“, meint Georges (Name von der Redaktion geändert), „denn die Bewacher aus Neidhausen und Drauffelt waren dort zusammengezogen worden“. Doch der Luxemburger Offizier wollte den Sieg um jeden Preis, trotz aller Bedenken seiner Begleiter.

Als der Einsatz anstand, war der Offizier jedoch nicht da. Wie bereits mehrfach zuvor, warer zu anderer Stelle beordert worden. Durch das nasse Gras robbten die Soldaten bis auf hundert Meter an den Feind heran. Auch den Amerikanern war jetzt klar, dass sie dieses Ziel nicht erreichen können. Sie brachen ab. Die Einheit zog sich in ihr Lager zurück.

Inzwischen war auch der Nahrungsvorrat der Gruppe aufgebracht. In diesen Tagen lernten die Luxemburger Soldaten dann auch, was hungern bedeutet. „Zweieinhalb Tage waren wir ganz ohne Essen in freier Natur“, erzählt Georges. „Wer das noch nicht erlebt hat, der mag das vielleicht belächeln.“

Einige Soldaten stahlen mehrere Forellen aus einem Fischweiher. Andere widersetzten sich strengsten Anweisungen, klingelten bei Anwohnern, baten um eine Kleinigkeit zum Essen. Als das Manöver nach 14 Tagen vorbei war, war die Einheit von den Strapazen gezeichnet.

Bombenanschläge während der Manöver

Ein direkter Zusammenhang zwischen Manöver und Attentatsserie konnte aber bis heute nicht erstellt werden. Eines ist aber deutlich: Während im Norden des Landes Soldaten die Sprengung von Antennen übten, sprengten unbekannte Täter am Staffelter und am Schlewenhof Hochspannungsmasten. Bei diesen und auch bei den meisten anderen Attentaten der Serie schließen die Ermittler auf ein eindeutig militärisches Vorgehen.

„Die aktuellen Entwicklungen rund um den Bommeleeër-Prozess ließen mich schon mal zweifeln “, sagt Georges. „Vor allem als die Rede von Stay Behind war, habe ich mir die Frage gestellt, ob das, was ich erlebt habe nicht Teil davon war.

Allerdings bin ich mir mittlerweile im Klaren, dass das was wir getan haben nichts mit Stay Behind zu tun hat. Stay Behind, das ist wohl doch etwas anderes. Das sehe ich eher in einem nachrichtendienstlichen Kontext – ohne militärische Komponente. Und trotzdem, der Kontext ist mit Sicherheit der gleiche. Manöver und Stay Behind stehen im Schatten des Kalten Krieges.“

Das feste Band der Kameradschaft

Sehr stark an die Bommeleeër erinnert Georges aber auch etwas anderes: „Das feste Band, das mich mit jenen Kameraden verbindet, mit denen ich das Manöver erlebt habe und das heute auch noch zusammenhält“.

Später während der Attentatsserie war Georges in gemischten Gendarmerie- und Armeepatrouillen im Einsatz. Zunächst waren Soldaten nämlich nur zum Objektschutz eingeteilt. Im Winter 1985 begleiteten sie aber die Gendarmen auch bei der Bommeleeër-Jagd. „Die Patrouillen wurden genau festgelegt“, erzählt er. „Sie führten überall hin, alles war abgedeckt, nur zwei Wohnviertel wurden nicht überwacht: Cents und Belair. Und genau dort geschahen die zwei letzten Attentate. Dort musste es geschehen.“


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Oesling85: Mission „Antenne sprengen“
Viel wird im Rahmen der Bommeleeër-Affäre über die Oesling85-Manöver aus den 80er-Jahren spekuliert. wort.lu hat nun mit einem ehemaligen Soldaten gesprochen, der an einem Kommandotraining mit amerikanischen Special Forces teilgenommen hat.
Oesling85: Mission „Flussbrücke sprengen!“
Viel wird im Rahmen der Bommeleeër-Affäre über die Oesling85-Manöver aus den 80er-Jahren spekuliert. wort.lu hat nun mit einem ehemaligen Soldaten gesprochen, der an einem Kommandotraining mit amerikanischen Special Forces teilgenommen hat. Lesen Sie den zweiten Teil der Artikelreihe über das Oesling-Manöver.