Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Saftige Bilanz für den luxemburgischen Apfel
Lokales 11 5 Min. 14.09.2021
Obstanbau

Saftige Bilanz für den luxemburgischen Apfel

Der Lëtzebuerger Landesuebstbauveräin lud zu einer Vorernteuntersuchung auf den Pretemer Haff der Familie Hoffmann ein.
Obstanbau

Saftige Bilanz für den luxemburgischen Apfel

Der Lëtzebuerger Landesuebstbauveräin lud zu einer Vorernteuntersuchung auf den Pretemer Haff der Familie Hoffmann ein.
Fotos: Guy Jallay
Lokales 11 5 Min. 14.09.2021
Obstanbau

Saftige Bilanz für den luxemburgischen Apfel

Jean-Philippe SCHMIT
Jean-Philippe SCHMIT
Seit 20 Jahren wird in Luxemburg verstärkt einheimisches Obst angebaut. In Limpach steht eine der sechs großen Apfelanlagen Luxemburgs.

Die Apfelernte steht an. Aus diesem Grund organisierte der Lëtzebuerger Landesuebstbauveräin einen Vorernterundgang über den Pretemer Haff in Limpach, eine der sechs großen Apfelanlagen des Landes. Insgesamt sei das Obstjahr 2021 zufriedenstellend, so das Fazit. Auch, wenn einige Betriebe im April Frostschäden zu beklagen hatten. 

„Hier in Limpach stehen sehr interessante Sorten“, meint der Anbauberater und Apfelexperte Franz-Josef Scheuer. Dem Betrieb von Nico Hoffmann stehe „eine schöne Ernte“ bevor. Mehrmals lobt Scheuer das „vitale und grüne Blatt“ der Apfelbäume. Aus dem Grün ließen sich sogar erste Rückschlüsse für die Ernte im Jahr 2022 schließen, so der Experte. „Es ist wichtig, dass die Knospen fit und gut ernährt in den Winter kommen.“ 

Vom Milchbauern zum Obstbauern 

Vorerst interessiert er sich aber für die diesjährige Ernte. Die Bäume des Bauern Hoffmann tragen viele Früchte. Nun gilt es, den besten Zeitpunkt zu bestimmen, um diese „schöne Ernte“ auch einfahren zu können. 

Mit einer Glykollösung misst der Apfelexperte den Reifegrad der Äpfel. „Die Stärke im Apfel reagiert mit der Lösung“, so Scheuer. „An der Farbe erkennt man dann den Reifegrad.“ Viele der gestern getesteten Äpfel brauchen aber noch einige Zeit, um den gewünschten Reifegrad zu erreichen. 


Nach weniger als 30 Minuten ist eine lange Reihe abgeerntet und die Körbe sind voll.
Wenn die Erntemaschine Johannisbeeren spuckt
Als einziger Bauernhof in Luxemburg baut der Betrieb von Jean-Paul Friederes Johannisbeeren im großen Stil an - ein Teil der Ernte geht an das Schloss Befort.

Der Betrieb von Nico Hoffmann ist 21 Hektar groß und beschäftigt zehn Festangestellte. 14 verschiedene Apfelsorten und andere Obstarten wachsen auf dem Hof. Rund 500 bis 700 Tonnen Früchte will er dieses Jahr ernten. 

Einen Teil der Ernte verkauft der Bauer in seinem eigenen Hofladen. Einige Äpfel werden zu Viiz oder Kompott weiterverarbeitet. Den Großteil der Ernte lagert der Obstbauer jedoch ein. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und einer sauerstoffarmen Atmosphäre bleiben Äpfel lang frisch. „Sie werden regelrecht in den Schlaf versetzt“, erklärt Franz-Josef Scheuer. Dies ermöglicht es dem Obstbauern, die Ernte über das ganze Jahr zu verkaufen. 

Schlafende Äpfel

Nico Hoffmann war nicht immer Obstbauer. „Den ersten Apfelbaum pflanzte ich im Jahr 2003“, sagt er. Davor war er Milchbauer und hielt Kühe. Die Jahre bis zur ersten richtigen Apfelernte waren eine kritische Zeit für den angehenden Obstbauern. Der Umbau seines Betriebes war denn auch nur möglich, weil Nico Hoffmann von Anfang an einen Abnehmer für die zu erwartende Ernte hatte.

„Wir importieren keine Ware, solange regionale Ware vorhanden ist“, sagt Francis Demesse, Direktor des Großhändlers Cactus Cafruta, dem Abnehmer der Äpfel vom Pretemer Haff. Bei der Sorte Jonagold liege der Anteil an lokalen Äpfeln im Verkauf sogar bei 80 Prozent. „Die Kunden fragen nach lokalem Obst und Gemüse und sind auch bereit, mehr dafür zu zahlen.“ 

Bis die ersten Äpfel der diesjährigen Ernte in den Regalen liegen, wird es aber noch etwas dauern. In rund zwei Wochen seien sie reif, meint der Apfelexperte. In den vergangenen Jahren lief die Ernte zu diesem Zeitpunkt bereits auf Hochtouren. 

Drei trockene Jahre

„Es liegen drei heiße Jahre hinter uns“, erklärt Franz-Josef Scheuer. Das habe dazu geführt, dass die Apfelblüte sehr früh stattgefunden habe. In diesem Jahr war das anders, die Blüte begann später und dauerte länger. 

Der daraus folgende späte Erntezeitpunkt in diesem Jahr sei eigentlich das normale Niveau, meint der Experte Scheuer. Die Apfelbäume haben den verregneten Sommer 2021 besser überstanden als die drei sonnenreichen Sommer davor. 

Kein Sonnenbrand

„Es gibt in diesem Jahr fast kaum Schäden durch Sonnenbrand“, so Scheuer. Der Regen und auch die Unwetter haben den Apfelbäumen unterdessen nicht geschadet. „Vorausgesetzt, das Wasser konnte abfließen und die Bäume standen nicht im Schlamm“, ergänzt Jean-Claude Muller vom Landesuebstbauveräin.

Der nasse Sommer hat den Bäumen sogar gutgetan. Auf dem Hof in Limpach musste die Tröpfchenbewässerungsanlage nur zweimal eingeschaltet werden. „Gerade wegen des Regens, sehen die Bäume so fit und vital aus“, sagte Scheuer. In den kommenden Wochen brauchen die Äpfel noch ein paar sonnige Tage, ehe sie erntereif sind. „Und ein paar kühle Nächte“, so Scheuer. „Dann bekommen sie auch eine schöne Färbung.“

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die kürzlich erst eröffnete Erntesaison startete dieses Jahr mit Problemen. Vor allem der Mäusebefall und der Wassermangel macht den Plantagen zu schaffen. So wird für dieses Jahr eine niedrigere Produktion erwartet.
Der Apfel ist mit einer Produktion von etwa 2600 Tonnen und einem Anteil von rund 85 Prozent an der Gesamtproduktion das beliebteste Obst in Luxemburg.