Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Observatoire de l'Environnement: Lebensräume in Gefahr
Naturschutzgebiete sollen helfen, die Biodiversität zu erhalten.

Observatoire de l'Environnement: Lebensräume in Gefahr

Foto: Lex Kleren
Naturschutzgebiete sollen helfen, die Biodiversität zu erhalten.
Lokales 3 Min. 15.10.2017

Observatoire de l'Environnement: Lebensräume in Gefahr

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Das „Observatoire de l'environnement“ warnt vor weiterem Verlust der Biodiversität. Vor allem Urbanisierung und Landwirtschaft amchen Druck auf die natürliche Umwelt.

Von Jacques Ganser

Die Regierung in Umweltschutzfragen beraten und begleiten sowie zugleich den Zustand der Biodiversität in Luxemburg überwachen, dies ist die Aufgabe des „Observatoire de l'environnement naturel“. Es handelt sich um ein politisch neutrales Gremium, das sich aus Mitgliedern von kommunalen Verbänden und staatlichen Verwaltungen zusammensetzt. In seinem kürzlich veröffentlichten Bericht analysiert das „Observatoire“ Statistiken, welche auf wissenschaftlicher Basis erhoben wurden.

Laut Präsident Gérard Anzia gibt es sowohl Licht als auch Schatten: Zum einen übt die Zersiedelung der natürlichen Landschaft weiterhin einen hohen Druck auf die natürliche Umwelt aus, zum anderen konnte der Verlust an Biodiversität nicht wirklich gebremst werden. Dies belegen auch aktuelle Bestandszählungen gefährdeter Arten.

Zu starkes Wachstum

Vor allem das weiterhin stark anhaltende Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum macht der Umwelt zu schaffen: Mit ihm steigen der Landverbrauch und die Urbanisierung bisher wenig berührter Landschaften. Damit wird auch der Zersplitterung der Naturräume Vorschub geleistet, natürliche Lebensräume verschwinden und mit ihnen die von ihnen abhängigen Tier- und Pflanzenarten. Das „Observatoire“ verlangt deshalb eine grundlegende Umorientierung der Landesplanung und innovative Modelle, die den Impakt des Landverbrauchs auf die Umwelt möglichst gering halten.

„Wir bebauen weiterhin 200 bis 300 Hektar jährlich. Wenn wir diesen Landverbrauch nicht bremsen, dann werden die Lebensräume unweigerlich zerstört“, so Gérard Anzia, Präsident des „Observatoire“. Hier wird sich vor allem von den künftigen sektoriellen Leitplänen mehr Klarheit erwartet.

Negativfaktor Landwirtschaft

Neben dem Wachstum ist die moderne Landwirtschaft ein weiterer Knackpunkt für das empfindliche natürliche Gleichgewicht. Getrieben von der internationalen Konkurrenz im Agroindustriebereich, sehen sich die Landwirte gezwungen, immer weiter aufzurüsten, dies bei fallenden Preisen und immer höheren Investitionen. Seit Jahren wird in der Branche eine Konzentration beobachtet, die am Ende nur noch wenigen Großbetrieben eine Überlebenschance bieten wird. Zugleich werden Äcker und Felder Mangelware, der Druck auf die natürliche Landschaft wird umso größer.

„Jeder kleine landwirtschaftliche Betrieb, der aufgeben muss, wird von einem größeren geschluckt“, so Anzia. „Zugleich entstehen durch Flächenzusammenlegung riesige zusammenhängende Äcker ohne Zwischenvegetation. Dies bedeutet wiederum Verlust an Biodiversität.“ Auch der häufige Schnitt des Grünlandes, das immer häufiger gar nicht mehr als Weidefläche genutzt wird, schadet der Biodiversität.

Hohe Produktivität, größere Betriebe, hoher Einsatz von Pestiziden und Düngern schwächen und schädigen die empfindlichen Ökosysteme. Die Autoren des Berichts setzen sich deshalb für eine grundlegend neu orientierte Landwirtschaft ein, die sowohl die Zukunft der Lebensräume als auch der Landwirte absichert.

„Besonders desaströs für die Biodiversität ist der hohe Einsatz an Spritzmitteln“, so Gérard Anzia. „Insektenarten verschwinden und mit ihnen die Vögel, denen sie als Nahrungsgrundlage dienen. Hier müsste vor allem in Sachen Beratung umgedacht werden.“ Er spricht sich für eine integrierte Beratung der Landwirte aus. Diese sollten sowohl umweltrelevante als auch betriebswirtschaftliche Aspekte vermitteln. „Es kann nicht sein, dass der Spritzmittelverkäufer zugleich der Berater ist“, erklärt Gérard Anzia.

Mehr Beratung

Der Präsident fordert deshalb einen integrierten Beirat, der sich aus Agrarberatern und Umweltschutzexperten zusammensetzt. Diese Teams sollten den Landwirten beratend zur Seite stehen und überprüfen, ob die Umweltprämien auch wirklich den Zielsetzungen entsprechen. Zudem müsste die Biolandwirtschaft weiter gefördert werden. Die Nachfrage in Luxemburg sei sehr hoch und die Produktion absolut unzureichend. „Ich denke, man sollte in der Ackerbauschule einen kompletten Lehrgang ,Biolandwirtschaft‘ anbieten“, so Gérard Anzia. „Ich bin mir sicher, dass genug Interesse dafür besteht.“

Auch positive Ansätze

Nimmt man den Bericht im Detail unter die Lupe, so fällt die Bestandsaufnahme sowohl in Hinsicht auf die Lebensräume als auch auf die in Luxemburg beheimatete Flora und Fauna kaum positiver aus als jene aus dem Jahr 2013. Der Großteil der Arten und der Lebensräume bleibt bedroht. Lob gibt es trotzdem: Insbesondere die zwölf Aktionspläne Habitat und Artenschutz im Rahmen des neuen Naturschutzgesetzes werden hervorgehoben. Auch das Ausweisen der Natura-2000-Zonen und das Zuweisen der einzelnen Managementpläne stößt bei den Autoren des Berichts auf eine positive Resonanz.

Das gleiche gilt für die Renaturierung der Wasserläufe und die Wiederherstellung von Feuchtbiotopen. Flüsse und Bäche, welche ihren natürlichen Lauf wiederfinden, bilden neuen Lebensraum und vermindern zugleich die Hochwassergefahr. An die Regierung richtet sich allerdings auch die Empfehlung, die Biodiversität weiterhin durch gezieltes Monitoring im Auge zu behalten und die nötigen finanziellen Mittel dafür bereitzustellen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Projekt "Naturschutz-Fleesch": Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
Rinder der Rasse Galloway und Highland Cattle stehen oftmals das ganze Jahr über auf der Weide - meistens im Rahmen des Projekts „Naturschutz Fleesch“. Dies ist aber nicht zwingend ein Zeichen von Tierquälerei, denn die Tiere sind robust. Allerdings gibt es ein paar Voraussetzungen.
8.09.2015 Luxembourg, Mensdorf, Galloway Rinder Reportage photo Anouk Antony