Obdachlosigkeit in Luxemburg: Auf Bettensuche im Winter
Von Jan Söfjer
Seit 13 Jahren gibt es die Winteraktion in Luxemburg, bei der Obdachlose von Dezember bis März ein Bett für die Nacht bekommen. In den ersten Jahren wurden die Obdachlosen in mehreren Einrichtungen untergebracht, die räumlich schnell an ihre Grenzen stießen.
Seit zwei Jahren werden für die Winteraktion nun ehemalige Büroräume auf Findel genutzt. Es gibt dort zwei Schlafsäle für Männer mit insgesamt 150 Betten, ein Schlafsaal mit zehn Betten für Frauen und drei Familienzimmer. Zusätzlich gibt es noch Feldbetten und Schlafsäcke. 8 152 Übernachtungen verzeichnet das Familienministerium, welches die Winteraktion organisiert bereits in diesem Winter vom 1. Dezember bis zum 4. März. 87 Übernachtungen im Schnitt täglich.
Ob die Räume im kommenden Winter auch für die Winteraktion genutzt werden können, ist aber nicht klar. Die Räumlichkeiten gehören LuxAirport. Das Familienministerium hat zwar schon eine Anfrage für den Winter 2015/2016 gestellt, doch ob diese genehmigt wird, ist ungewiss. Um Abhilfe zu schaffen, lässt das Familienministerium nun eigene Gebäude bauen, in denen künftig auch die Winteraktion unterkommen soll (siehe Kasten).
Nur zwei ganzjährige reguläre Einrichtungen
Abgesehen von der Winteraktion gibt es nur zwei Einrichtungen, in denen Obdachlose im Winter und auch den Rest des Jahres regulär unterkommen können: das Foyer Ulysse in Luxemburg-Bonneweg und das Abrisud in Esch/Alzette. Obdachlose aus anderen Teilen des Landes müssen also zur Winteraktion kommen oder draußen übernachten. Wobei es zur Not an den Gemeinden läge, sich darum zu kümmern, dass niemand auf der Straße erfriert.
Außerhalb des Winters ist es für viele Obdachlose hingegen oft unvermeidlich auf der Straße zu schlafen, denn so viele Betten gibt es in den beiden oben genannten Einrichtungen nicht. Das Foyer Ulysse zählt 64 Betten (davon acht für Frauen), das Abrisud hat 18 Betten (davon vier für Frauen). Beim Abrisud muss man einen luxemburgischen Pass, eine Aufenthaltserlaubnis oder eine Meldebescheinigung besitzen (für eine Nacht geht es auch ohne). Letztere können Obdachlose beim Foyer Ulysse bekommen. Ihr Wohnsitz ist dann offiziell dort. Beide Einrichtungen sind aber durchgehend ziemlich ausgelastet. Beim Foyer Ulysse gibt es gar eine Warteliste von bis zu mehreren Wochen.
„Winteraktion müsste es das ganze Jahr über geben“
Etwas spezieller ist das Tox-In. Die Einrichtung mit 42 Betten und einem Aufenthaltsraum für den Tag richtet sich primär an drogenabhängige Obdachlose. Wenn noch Platz ist, können aber auch reguläre Obdachlose unterkommen.
Schließlich gibt es noch das Foyer Obenthalt. Dort können bis zu 35 Menschen (auch Paare oder Familien) für drei Monate unterkommen, die gerade ihre Wohnung verloren haben – allerdings nur, wenn sie in der Gemeinde Luxemburg gewohnt haben. Letztlich bleiben also nur drei Einrichtungen, bei denen gewöhnliche Obdachlose schlafen können: bei der Winteraktion, im Foyer Ulysse und im Abrisud. 242 Betten stehen dort insgesamt bereit, außerhalb des Winters sogar nur 82. In Luxemburg gibt es allerdings rund 250 Obdachlose schätzt Alexandra Oxacelay, Direktionsbeauftragte der „Stëmm vun der Strooss“. Die Winteraktion hält sie für eine gute Sache, aber es müsste sie das ganze Jahr über geben. „Wenn die Winteraktion vorbei ist, gibt es jedes Jahr ganz viele Obdachlose, die nicht wissen, wo sie schlafen sollen.“
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Neue Gebäude für die Winteraktion
Wie aus dem Familienministerium zu erfahren ist, sollen auf Findel zwei Gebäude entstehen, in denen künftig die Obdachlosen der Winteraktion untergebracht werden sollen. Die Gebäude sollen auf einem staatseigenen Grundstück neben dem Centre de Rétention entstehen. Baugenehmigungen wurden bereits beantragt. Laut Familienministerium soll eine Multifunktionsstruktur für mehrere Hundert Personen entstehen, die auch für Fälle genutzt werden kann wie im Oktober 2013, als in einer Kindertagesstätte auf Kirchberg Asbest entdeckt wurde und dringend für den Übergang Ausweichräume gebraucht wurden. (jsf)
Film über Obdachlosigkeit
Das „Lycée technique du Centre“ lädt am 24. März um 17 Uhr in 106, Avenue Pasteur, L-2309 Luxemburg zu einer Filmvorführung über das Leben auf der Straße ein. Der Film „Blind Spot“ wurde von Schülern des Lyzeums gedreht und wurde unterstützt von der Fondation Thierry van Werveke und dem „Service national de la jeunesse“. Anmeldungen bis zum 17. März via Mail an nancy.holtgen@ltc.lu. (jsf)