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"Null Offall": Luxemburg will es wissen
Lokales 5 Min. 06.05.2019

"Null Offall": Luxemburg will es wissen

Zwar bleibt die Gesamtabfallmenge in Luxemburg trotz Bevölkerungswachstums seit Jahren konstant, doch nimmt der Anteil an Plastikverpackungen im Hausmüll deutlich zu. Sie machen ganze 43,7 Prozent des Gesamtvolumens aus.

"Null Offall": Luxemburg will es wissen

Zwar bleibt die Gesamtabfallmenge in Luxemburg trotz Bevölkerungswachstums seit Jahren konstant, doch nimmt der Anteil an Plastikverpackungen im Hausmüll deutlich zu. Sie machen ganze 43,7 Prozent des Gesamtvolumens aus.
Foto: Shutterstock
Lokales 5 Min. 06.05.2019

"Null Offall": Luxemburg will es wissen

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
Luxemburg soll zur "Zero waste"-Nation werden - ohne Einwegplastik, sondern mit Alternativen. Bei der Ausarbeitung der Strategie sollen auch die Bürger mitreden.

Vom Coffee-to-go-Becher am Morgen über die Salatverpackung am Mittag bis hin zu allerlei Kunststoffschalen und Folien beim Auspacken des Lebensmitteleinkaufs am Abend: Nicht selten ist der Mülleimer am Ende des Tages voll. Mit der Kampagne „Null Offall – fir eng besser Ëmwelt“ sagt das Umweltministerium dem Abfallproblem nun den Kampf an. „Im Englischen ist der Begriff ,Zero waste‘ in aller Munde“, so Umweltministerin Carole Dieschbourg gegenüber den Medien – jetzt soll das „Null Offall“-Prinzip auch in Luxemburg zum Grundsatz werden.

Zwar sei beim Müllaufkommen pro Kopf seit 1991 eine deutliche Verbesserung erfolgt, die Gesamtmenge an Abfall hat sich trotz des erheblichen Bevölkerungszuwachses in den vergangenen Jahren stabilisiert. Dennoch nimmt gerade der Anteil an Plastikverpackungen im Hausmüll weiterhin zu, wie die Ministerin erklärte.


Die Papiertüte wird ihr Pendant aus Plastik zusehends ersetzen. Einwegbeutel aus Kunststoff dürfen zwar weiterhin vergeben werden, allerdings nur 
gegen eine Gebühr. Schon jetzt verlangen einige Geschäfte ein paar Cent dafür – nach dem 31. Dezember ist dies Pflicht.
Abschied von der Plastiktüte
Vom Kleiderladen bis zur Tankstelle: Ab dem 31. Dezember dürfen Händler keine gratis Einwegtüten mehr an ihre Kunden verteilen. Viele Geschäfte haben bereits auf das Pendant aus Papier umgestellt.

Mehr Plastikverpackungen im Müll

Wie aus der letzten Analyse der „Déchets résiduels“, die in den Jahren 2013/2014 durchgeführt wurde, hervorging, machen Plastikabfälle 43,7 Prozent des Gesamtvolumens und 17,8 Prozent des Gewichts in den hiesigen Mülltonnen aus. Dies entspreche einer Steigerung um 5,6 Prozent innerhalb von nur vier Jahren. Eine aktuelle Hausmüllanalyse wird zurzeit durchgeführt, die Ergebnisse werden kommenden Monat vorgestellt.

„Hier haben wir noch sehr viele Hausaufgaben zu erfüllen, trotz der Initiativen, die wir bereits umgesetzt haben“, so Carole Dieschbourg, die aber auch darauf hinweist, dass es sich dabei um ein internationales Problem handelt. „Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass wir auf europäischer Ebene handeln und auch die Produzenten mit in die Verantwortung nehmen.“

Vorzeigeprojekt Öko-Tut

Zu den erwähnten, bereits umgesetzten Alternativen zählt etwa das Vorzeigebeispiel Öko-Tut, durch die seit der Einführung im Jahr 2004 bereits rund 500 Millionen Tüten eingespart worden seien. An der Supermarktkasse müssen Kunden seit 2007 für Einwegtüten bezahlen. Die Statistik der Gesellschaft Valorlux zeigt, dass die Zahl der Plastikbeutel pro Person seitdem erheblich reduziert werden konnte, nämlich von 138,4 pro Person im Jahr 2006 auf nur mehr 10,8 in 2016.

Seit Anfang dieses Jahres dürfen in den Geschäften gar keine Plastiksäcke mehr kostenlos an die Bürger verteilt werden. Ausgenommen von dieser Regelung sind sogenannte leichte Plastiktüten, wie man sie etwa in der Gemüseabteilung bekommt. Der Ministerin zufolge wollte man diese Beutel vorerst nicht aus den Läden verbannen, um zu verhindern, dass noch mehr vorverpacktes Gemüse in den Handel kommt und zuerst Alternativen ausarbeiten.

Ecobox in 100 Restaurants

Im Sinne einer stärkeren Wiederverwertung von Verpackungsmaterial wurde im vergangenen Sommer zudem das Projekt Ecobox lanciert. In dem grünen Kunststoffbehälter, den man im Restaurant gegen eine Pfandgebühr erhält, können Gäste ihre Take-away-Mahlzeit oder Essensreste nach Hause transportieren, ohne dass wiederum Einwegverpackungen anfallen.

Für fünf Euro Pfand erhalten Gäste in den teilnehmenden Restaurants eine Ecobox. Der Kunststoffbehälter ist robust, spülmaschinenfest und (ohne Deckel) mikrowellengeeignet. Er soll dabei helfen, unnötige Einwegverpackungen zu reduzieren.
Für fünf Euro Pfand erhalten Gäste in den teilnehmenden Restaurants eine Ecobox. Der Kunststoffbehälter ist robust, spülmaschinenfest und (ohne Deckel) mikrowellengeeignet. Er soll dabei helfen, unnötige Einwegverpackungen zu reduzieren.
Foto: Pierre Matgé

War man damals mit sechs teilnehmenden Lokalen gestartet, so haben sich inzwischen 100 Restaurants und Kantinen angeschlossen, 25 000 Ecoboxen sind im Umlauf. Ein Projekt, das denn auch weiter ausgebaut wird. Carole Dieschbourg zufolge soll etwa eine Art Ecobox für die Frischeabteilung in den Supermärkten entwickelt werden.

Der Wille, Einwegplastik den Garaus zu machen, sei auch auf Unternehmensebene erkennbar, wie die Ministerin berichtete. So hätten sich inzwischen 54 hiesige Firmen der Initiative „Zero Single-Use Plastic“ des Netzwerks IMS Luxembourg (Inspiring more sustainability), mit dem das Ministerium kooperiert, angeschlossen.


Auf dem Weg zu „Zero Waste“
Die Zero-Waste-Bewegung setzt sich für ein Leben ohne Müll ein. Immer mehr Supermärkte setzen auf wiederverwertbare Verpackungen. Und auch Gesetze sollen helfen, dem Thema Rückenwind zu verleihen.

„Es freut mich sehr, dass, obwohl das entsprechende Gesetz noch nicht vorliegt, bereits so viele Akteure aus der Wirtschaft unterzeichnet haben“, so Dieschbourg. Und auch bei Freizeitveranstaltungen will man zunehmend auf den Weg gehen, Plastikbecher zur einmaligen Nutzung durch Alternativen zu ersetzen.

Über die EU-Direktive hinaus

All diese Vorhaben sind denn auch in den nationalen Abfall- und Ressourcenplan, der in der vergangenen Legislaturperiode angenommen wurde, eingeflossen. Dessen ambitiöses Ziel: 50 Prozent weniger Lebensmittelverschwendung bis 2022 und 70 Prozent weniger Plastikverpackungen. Die diesbezüglichen Abfalldirektiven sollen noch in diesem Jahr umgesetzt werden – in Form eines großen, allumfassenden Abfallgesetzes, so Dieschbourg.

Dazu zählt auch die EU-Direktive, die ein Verbot von verschiedenen Einwegprodukten, etwa Trinkhalmen, Plastikgeschirr und Wattestäbchen, vorsieht. Doch: „Leider betrifft die Direktive die Verpackungen im Lebensmittelbereich nur wenig“, merkt Ministerin Dieschbourg an. Luxemburg erwägt daher, über die Direktive hinauszugehen. „Wir sind dabei, juristisch zu überprüfen, ob wir beim Verbot noch einen Schritt weiter gehen können.“ Ebenso wichtig sei es aber, das Verantwortungsbewusstsein der Produzenten zu erweitern. Es gilt: Die Mischung macht es – weshalb auch die Bürger ihre Ideen mit einbringen sollen.


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