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Novembermorde: Widersprüchliche Aussagen
Lokales 3 Min. 08.11.2019

Novembermorde: Widersprüchliche Aussagen

Die Leiche von Florentina E. wurde am 14. November 2016 beim Fräiheetsbam in Strassen gefunden.

Novembermorde: Widersprüchliche Aussagen

Die Leiche von Florentina E. wurde am 14. November 2016 beim Fräiheetsbam in Strassen gefunden.
Foto: Lex Kleren
Lokales 3 Min. 08.11.2019

Novembermorde: Widersprüchliche Aussagen

Im Prozess um die Novembermorde von 2016 hatte der Hauptangeklagte auch am Freitag das Wort. Er stritt weiter alles ab. Am Ende wurde er mit widersprüchlichen Aussagen konfrontiert.

(SH) - Nachdem der Hauptangeklagte Lee K. im Prozess um die beiden Morde von November 2016 am Donnerstag bereits abgestritten hatte, jener Mann gewesen zu sein, der am 9. November 2016 Emeka O. erschossen hatte, gab er am Freitag an, vom Mord an Florentina E. rein gar nichts zu wissen. Die 27-jährige rumänische Prostituierte war am Abend des 13. November 2016 durch einen Kopfschuss gestorben. Ihre Leiche war am folgenden Morgen am Parkplatz beim Fräiheetsbam in Strassen abgelegt worden. Während für dieses Verbrechen nur Lee K. angeklagt ist, muss sich für jenes an Emeka O. auch Alden S. vor Gericht verantworten.

Obwohl die Ermittlungen belegt hatten, dass Alden S. für den 13. November 2016 ein Alibi hat, hielt Lee K. am Freitag daran fest, dass er Alden S. seinen Wagen an diesem Abend geliehen hatte. Er sage nicht, dass Alden S. die Tat begangen habe. „Meine Vermutung ist es, dass er jemand anderem den Wagen gegeben hat“, so Lee K. Er selbst sei unterdessen zu Hause gewesen – den ganzen Abend über.

Waffen im Auto vergessen

Auch dafür, dass Florentina E. mit der Waffe von Lee K. umgebracht wurde – mit der Walther P 99, mit der auch Emeka O. erschossen worden war – fand Lee K. eine Erklärung: Er habe am 13. November 2016 an den Schießstand fahren wollen und die Waffen deshalb in den Wagen gelegt. Später habe er dann schlicht und einfach vergessen, dass sich die Tasche noch in der Mercedes A-Klasse befand.

Bedenken, dass es gefährlich sei, Waffen im Auto liegen zu lassen, äußerte er nicht. Auch nicht, als die vorsitzende Richterin ihn darauf hinwies, dass er – vorausgesetzt seine Version der Taten entspreche der Wahrheit – dadurch jenem Mann, der nur ein paar Tage zuvor Emeka O. erschossen haben soll, eine weitere Gelegenheit bot, ein Verbrechen zu begehen.

Dass sich die beiden Angeklagten gegenseitig beschuldigen, ist nicht neu. Bereits während der Ermittlungen hatten sie angegeben, dass jeweils der andere geschossen hatte. Die vorsitzende Richterin hat während des Prozesses bereits mehrmals durchblicken lassen, dass sie den Aussagen der beiden Beschuldigten nur wenig Glauben schenkt. Lee K. habe zudem jedes Mal, wenn ihm eine in ihren Augen wichtige Frage gestellt wurde, mit den Worten „Das weiß ich nicht“, „Das war so“ oder „Das war eine blöde Nachricht“ geantwortet habe.


Der Prozess wird am Freitagvormittag fortgesetzt.
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Aufbrausendes Verhalten

Zudem reagierte er mehrmals gereizt. „Ich danke Ihnen dafür, denn Sie haben uns bewiesen, dass Sie ausflippen, wenn Sie sich aufregen“, sagte die Richterin.

Sowohl sie als auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft bemerkten am Freitag zudem, dass Lee K. zumindest in einem Punkt nicht die Wahrheit gesagt haben kann. So hatte er bei der Untersuchungsrichterin bestätigt, am 14. November 2016 mit einem Zeugen über den Tod von Florentina E. gesprochen zu haben. Dabei hatte er diesem Täterwissen verraten, nämlich, dass die Frau durch einen Kopfschuss gestorben war und nur sieben Euro bei sich trug. Vor Gericht hat Lee K. nun erklärt, er habe nie mit dem Zeugen über Florentina E. gesprochen. Wie alle anderen habe auch dieser Zeuge gelogen.


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Zudem wisse außer ihm und Alden S. niemand, wie sich das Verbrechen an Emeka O. abgespielt habe. Denn nur sie beide seien dabei gewesen, so Lee K. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft erklärte unterdessen, dass der Spurenlage zufolge nur Lee K. als Schütze infrage kommen kann. Er betonte gar, dass der an die Waffe montierte Schalldämpfer und die Nachricht „Hast du Lust heute Abend jemanden umbringen zu gehen oder sonst etwas“, die am 9. November 2016 vom Telefon von Lee K. aus an einen unbekannten Absender verschickt worden war, auf eine geplante Tat hindeuten. „Ich bin enttäuscht, dass Menschen nicht einmal aus Respekt vor zwei Opfern den Mut haben, zu sagen, was wirklich passiert ist“, so der Vertreter der Staatsanwaltschaft.

Der Prozess wird am 19. November fortgesetzt.  


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