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Novembermorde von 2016: Eine Mutter im Zeugenstand
Lokales 2 Min. 23.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Novembermorde von 2016: Eine Mutter im Zeugenstand

Am 14. November 2016 wurde beim Fräiheetsbam in Strassen die Leiche von Florentina E. gefunden. Sie war in der Nacht zuvor mit einem Kopfschuss getötet worden.

Novembermorde von 2016: Eine Mutter im Zeugenstand

Am 14. November 2016 wurde beim Fräiheetsbam in Strassen die Leiche von Florentina E. gefunden. Sie war in der Nacht zuvor mit einem Kopfschuss getötet worden.
Foto: Lex Kleren
Lokales 2 Min. 23.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Novembermorde von 2016: Eine Mutter im Zeugenstand

Am zehnten Verhandlungstag um die Morde an einem Drogendealer und einer Prostituierten im November 2016 kam am Mittwoch die Mutter einer der beiden Angeklagten zu Wort.

(SH) - Drei Zeugen sollten am zehnten Verhandlungstag im Prozess um die Morde am 9. November 2016 an einem nigerianischen Drogendealer und vier Tage später an einer rumänischen Prostituierten gehört werden. Am Ende kam nur die Mutter von Lee K., einem der beiden Angeklagten, zu Wort – während über zweieinhalb Stunden.

Denn viele ihrer Aussagen hinterließen sowohl bei der vorsitzenden Richterin als auch beim Vertreter der Staatsanwaltschaft einen bitteren Nachgeschmack. „Es sind zwei Menschen gestorben. Doch an die wird einfach nicht gedacht“, brachte es Letzterer auf den Punkt. Er verstehe, dass die Frau in einer schlechten Situation sei. Sie sei die Mutter eines Beschuldigten und es sei normal, dass sie wolle, dass dieser nichts mit den Vorfällen zu tun habe.

Darauf, dass sie als Mutter eines Angeklagten auf eine Aussage verzichten könne, hatte die vorsitzende Richterin sie zu Beginn der Sitzung hingewiesen. Ebenso auf den Umstand, dass sie im Falle einer Falschaussage eine zehnjährige Gefängnisstrafe riskiere. Dennoch wollte die Frau aussagen. „Ich will, dass die Wahrheit herauskommt“, so die Worte jener Frau, die am 16. November 2016 die Polizei gerufen hatte, nachdem sie festgestellt hatte, dass das Beifahrerfenster des Wagens kaputt war und sich im Kofferraum Kleider mit Blutflecken befanden.

Entlassung aus U-Haft empört

Vor Gericht sagte sie am Mittwoch, dass Lee K. sowohl am Abend des 9. als auch des 13. November 2016 zwar mehrmals unterwegs war, sich zu den Tatzeiten jedoch zu Hause habe blicken lassen. „Es ist unmöglich, dass er zwischen 21 und 22.30 Uhr weg war“, sagte sie betreffend den 13. November. Sie wisse das, da sie ihren Sohn kontrolliere. Mehrmals wies die vorsitzende Richterin sie darauf hin, dass objektive Elemente der Ermittlungen gegen diese Schilderungen sprechen würden. Dennoch blieb die Zeugin bei den Aussagen.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft sprach gar davon, dass sie versuche, ihrem Sohn ein Alibi zu geben. Die Frau erhebe Vorwürfe in alle Richtungen. Damit könne er aber nicht einverstanden sein.


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Sowohl ihm als auch der Richterin missfiel eine Aussage besonders. So meinte die Mutter, es sei erzählt worden, dass Alden S., der nur wegen des ersten Mordes angeklagt ist, einem Anwalt 10.000 Euro und einer weiteren Person 50.000 Euro bezahlt habe, um aus der Untersuchungshaft entlassen zu werden. Die 50.000 Euro sollen an jene Person gegangen sein, die der Entlassung eingewilligt hatte – also ein Richter. „Damit unterstellen Sie den Richtern, dass sie sich bestechen lassen. Mit solchen Aussagen sollten Sie etwas vorsichtiger sein“, so die Präsidentin.


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Überhaupt ließ der Umstand, dass Alden S. unter Auflagen auf freiem Fuß ist, Lee K. jedoch seit knapp drei Jahren in Untersuchungshaft sitzt, die Gemüter aufkochen. Die Zeugin kam immer wieder auf Alden S. zu sprechen und versuchte, ihn in einem schlechten Licht dastehen zu lassen. So gab sie am Mittwoch an, Alden S. am 9. November gemeinsam mit ihrem Sohn gesehen zu haben. In ihrer ersten Vernehmung bei der Polizei hatte sie diesen Namen jedoch nie angegeben.

Der Prozess wird am Donnerstagnachmittag fortgesetzt.

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