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Novembermorde: Videoaufnahmen und Mobilfunkdaten belasten einen der Angeklagten schwer
Lokales 2 Min. 16.10.2019

Novembermorde: Videoaufnahmen und Mobilfunkdaten belasten einen der Angeklagten schwer

Am 14. November 2016 wurde beim Fräiheetsbam in Strassen die Leiche von Florentina E. gefunden. Sie war in der Nacht zuvor mit einem Kopfschuss getötet worden.

Novembermorde: Videoaufnahmen und Mobilfunkdaten belasten einen der Angeklagten schwer

Am 14. November 2016 wurde beim Fräiheetsbam in Strassen die Leiche von Florentina E. gefunden. Sie war in der Nacht zuvor mit einem Kopfschuss getötet worden.
Foto: Lex Kleren
Lokales 2 Min. 16.10.2019

Novembermorde: Videoaufnahmen und Mobilfunkdaten belasten einen der Angeklagten schwer

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Die Auswertung von Videomaterial und Mobilfunkdaten bringen neue Erkenntnisse zu den beiden Morden - und zeigen: Eine Version der Tatverdächtigen kann so nicht stimmen.

Um 22.08 Uhr meldet sich Florentina E. ein letztes Mal bei ihrer Freundin. Die beiden stehen regelmäßig gemeinsam entlang der hauptstädtischen Rue de Hollerich, arbeiten als Prostituierte. Die 27-jährige Rumänin bittet die Frau, die gerade bei einem Freier ist, per Textnachricht um einen Gefallen: Sie soll ihr Zigaretten und einen Cappuccino mitbringen.

Florentina E. hat nur noch wenige Minuten zu leben: Sie sitzt – so zeigen es die Ermittlungen – zu diesem Zeitpunkt bereits bei ihrem Mörder im Auto – einem weißen Mercedes A 170.

Während des sechsten Verhandlungstages im Prozess um die Novembermorde von 2016 gab der leitende Ermittler unter anderem Einblick in die Telefon- und Videoüberwachungsdaten, die im Zuge der Ermittlungen gegen die beiden Angeklagten Lee K. und Alden S. ausgewertet wurden.


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Schuldzuweisungen unter Mordangeklagten
Der Prozess um die beiden Morde in Leudelingen und in Strassen im November 2016 beginnt am Dienstagvormittag vor der Kriminalkammer.

Anhand der Daten lassen sich die Aussagen der Verdächtigen überprüfen – und sogar widerlegen, wie im Zusammenhang mit dem Mord an Florentina E., dem zweiten Mordopfer, am 13. November 2016.

Beide Angeklagte bestreiten, die Tat begangen zu haben und beschuldigen sich gegenseitig. Fest steht allerdings, dass das Verbrechen sich im Auto von Lee K. abspielte, demselben Fahrzeug, in dem das erste Mordopfer, der nigerianische Drogendealer Emeka O., am 9. November erschossen wurde.

Die letzten Minuten

Aufnahmen im Bahnhofsviertel zeigen, wie am 13. November 2016 um 21.47 Uhr ein heller Mercedes A 170 über die Rue de Strasbourg und Rue Fort Wedell in Richtung Rue de Hollerich fährt – dort, wo auch das zweite Opfer, Florentina E., steht. Zwölf Minuten später kommt das Auto zurück. Zwar lässt sich das Kennzeichen aufgrund der schlechten Qualität der Aufnahmen nur teilweise entziffern. Doch die einzelnen Zeichen stimmen mit denen vom Fahrzeug von Lee K. überein und dem Auto fehlt links eine Radkappe – genauso wie an dem Wagen des Angeklagten.

Laut Lee K. hat Alden S. das Fahrzeug an jenem Sonntagabend ausgeliehen und das Auto gegen 23 Uhr blutverschmiert und mit einem kaputten Fenster zurückgebracht. Eine Tatversion, die der Auswertung der Daten und den Zeugenberichten zufolge nicht stimmen kann. Die Nacht von Alden S. lässt sich bis in die frühen Morgenstunden rekonstruieren.


Mord Strassen Fräiheetsbam Prostituierte
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Binnen drei Tagen werden im November 2016 zwei Menschen in den Wäldern am Rande der Hauptstadt erschossen: im Laangebësch in Leudelingen und am Fräiheetsbam in Strassen.

So zeigen die Ermittlungen unter anderem, dass Alden S. gegen 22 Uhr seinen Vater gemeinsam mit einem Bekannten von Esch/Alzette aus in einem BMW zu seiner Arbeit in Luxemburg-Stadt gefahren hat. Dort kommt der Vater gegen 22.30 Uhr an.

Der BMW ist wenig später auf Videoaufnahmen im Bahnhofsviertel zu sehen – kurz nach 23 Uhr zeigen Bilder Alden S. und seinen Bekannten vor einem Schnellrestaurant an einer Raststätte. Zu diesem Zeitpunkt lebt Florentina E. bereits nicht mehr. Sie wurde mit einem Kopfschuss getötet.

Gemeinsame Wege

Die Auswertung der Mobilfunkdaten zeigt, dass das Handy von Florentina E. gegen 22.20 Uhr an einem Funkmast in der Nähe des Fräiheetsbam in Strassen eingeloggt war, dort wo die Leiche der Frau gefunden wurde. Gegen 22.30 Uhr wird das Handy dann von einem anderen Mast in unmittelbarer Nähe von Lee K.'s Wohnort erfasst. Dieser registriert zur selben Zeit das Telefon von Lee K. – und das Handy des ersten Mordopfers Emeka O.


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Novembermorde: Ermittler stellen Aussagen der Verdächtigen gegenüber
Die beiden Angeklagten beschuldigen sich gegenseitig - keiner von ihnen will der Todesschütze gewesen sein. Zeugenaussagen belasten einen von ihnen aber zusätzlich.

Etwa eine halbe Stunde später bewegen sich das Telefon des Angeklagten und der Frau in Richtung der Mamer Bréck auf der A6. Danach trennen sich ihre Wege. Die Ermittler gehen davon aus, dass Lee K. dort die Handtasche der jungen Frau mitsamt dem Telefon entsorgt hat.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.


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