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Novembermorde: Im Sog der Drogen
Lokales 2 Min. 09.10.2019

Novembermorde: Im Sog der Drogen

An diesem Radweg bei Leudelingen entsorgten die Täter die Leiche des ersten Mordopfers.

Novembermorde: Im Sog der Drogen

An diesem Radweg bei Leudelingen entsorgten die Täter die Leiche des ersten Mordopfers.
Foto: Steve Remesch / LW-Archiv
Lokales 2 Min. 09.10.2019

Novembermorde: Im Sog der Drogen

Am zweiten Verhandlungstag im Prozess um die Morde von Leudelingen und Strassen im Jahr 2016 nehmen zwei psychiatrische Gutachter das Leben und die Selbstdarstellung der Angeklagten unter die Lupe.

(str) - Mit dem Gemütszustand, der Psyche und dem Lebenslauf der beiden Angeklagten befasste sich die Kriminalkammer am zweiten Verhandlungstag im Prozess um die Morde von Leudelingen und Strassen. Zwei psychiatrische Gutachter hatten das Wort. Die Aussagen der Beschuldigten, Lee K. (36) und Alden S. (24), zu den Geschehnissen von November 2016 wurden dabei wider Erwarten nicht thematisiert.

Zur Sprache kamen allerdings eine ganze Reihe von für den Fall nicht unerheblichen Gemeinsamkeiten der beiden Angeklagten, die sicherlich dazu beigetragen haben, dass es überhaupt zu den Bluttaten gekommen ist. Zunächst einmal hatten beide einen wenig erfolgreichen Schulparcours. In der Arbeitswelt hatten beide Schwierigkeiten, Fuß zu fassen.

Während Lee K. auf familiäre Unterstützung zählen konnte und so im Familienunternehmen unterkam – was offenbar mit größeren Konflikten einherging – hielten die Verpflichtungen von Alden S. nie länger als ein paar Monate – weder bei der Armee noch in Handwerksbetrieben.

Faszination für Waffen

Ihre Wege kreuzten sich über das Sicherheitsunternehmen, das Lee K. 2014 mit der Unterstützung seiner Eltern gegründet hatte. Alden S. arbeitete schwarz für ebensolche Unternehmen. Beide wurden Freunde mit gemeinsamen Interessen: schnelles Geld, schnelle Autos, ein berauschender Lebenswandel sowie eine Faszination für Kampfsport – und Waffen. Lee K. verfügte offenbar über eine umfangreiche Waffensammlung.


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Darüber hinaus hatten Alden S. und Lee K. eine weitere gemeinsame Leidenschaft: der Konsum von Kokain. Allerdings auf ganz verschiedenen Ebenen: Während Alden S. den Gutachtern von einem gelegentlichen Konsum mehrmals pro Woche erzählt, gilt Lee K. als starker Konsument: Er selbst spricht von ein bis zwei Gramm Kokain pro Tag, dazu ist er von Schmerzmitteln abhängig und nimmt anabole Steroide.

Eltern sperren sich aus Angst im Schlafzimmer ein

Wie die Psychiater beide herausstreichen, bleibt dies nicht ohne Folgen für seinen ohnehin schwierigen Charakter. Auch von seinem Umfeld wird der 36-Jährige im Gutachten als impulsiv, leicht aufbrausend, zu Wutausbrüchen neigend bis hin zu größenwahnsinnig und gewalttätig beschrieben. So soll er auch gegen seine Mutter und Schwester handgreiflich geworden sein. Kurz vor den Morden sperrten sich seine Eltern nachts im Schlafzimmer ein, um seinen Stimmungsschwankungen zu entgehen.


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Beide Männer werden zudem als affektiv und moralisch unreif beschrieben. Selbsterkenntnis falle Lee K. bis heute noch schwer. Bei Alden S. sei sie erst in Untersuchungshaft erfolgt – wenn auch nur kurzweilig, denn seine Haftverschonung wurde vor dem Prozess unterbrochen: Der 24-Jährige war gegenüber seiner Freundin handgreiflich geworden und hatte diese verletzt.

Zweifelhafte Opferrolle

Dafür, dass er sich selbst als Opfer in diesem Fall sehe und stets seine Angst vor Lee K. beteuere, habe er sich nach dem ersten Mord zudem sehr ungewöhnlich verhalten, hob der Vertreter der Staatsanwaltschaft indes hervor. Alden S. habe zwar scheinbar einen Vorschlag von Lee K., Frauen zu überfallen und zu berauben, abgelehnt, aber dennoch Zeit mit diesem verbracht und sich etwa von ihm zur Arbeit bringen lassen.


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Darüber hinaus haben die Psychiater keine posttraumatischen Symptome, die eigentlich mit seiner Darstellung des Tatablaufs einhergehen müssten, festgestellt.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.


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