Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Novembermorde: Der Wagen als Tatort
Lokales 3 Min. 22.10.2019

Novembermorde: Der Wagen als Tatort

Der zweite Leichnam wurde in der Nacht zum 14. November 2016 am Waldparkplatz Fräiheetsbam in Strassen entdeckt.

Novembermorde: Der Wagen als Tatort

Der zweite Leichnam wurde in der Nacht zum 14. November 2016 am Waldparkplatz Fräiheetsbam in Strassen entdeckt.
Foto: Steve Remesch/LW-Archiv
Lokales 3 Min. 22.10.2019

Novembermorde: Der Wagen als Tatort

Bei den Fundorten der beiden Leichen von November 2016 soll es sich nicht um den Tatort handeln. Vielmehr sollen der Mann und die Frau im Fahrzeug von Lee K. erschossen worden sein.

(SH) - Es sei ziemlich schnell zu erkennen gewesen, dass es sich sowohl beim Waldstück bei Leudelingen, an dem am 10. November 2016 die Leiche von Emeka O. gefunden worden war, als auch beim Fräiheetsbam in Strassen, an dem vier Tage später der leblose Körper von Florentina E. lag, jeweils um den Fundort, nicht aber um den Tatort handelte. Dies erklärte ein Ermittler der Spurensicherung am neunten Verhandlungstag im Prozess um die Novembermorde von 2016.

In beiden Fällen sei die Position der Leiche nämlich nicht mit den Verletzungen und den Blutspuren an den Opfern vereinbar gewesen. Während der leblose Körper des 36-jährigen nigerianischen Drogendealers Emeka O. allerdings eher „weggeworfen“ worden sei, sei jener der 27-jährigen rumänischen Prostituierten Florentina E. auf dem Parkplatz regelrecht „präsentiert“ worden.

Dicke und dünne Schädelknochen

Ein weiterer Unterschied zeigte sich bei den Schusswunden. So wurde bei Emeka O. lediglich im Hinterkopf ein Einschussloch festgestellt, bei Florentina E. hingegen an der linken Schädelseite ein Einschuss- und an der rechten Seite ein Austrittsloch. Die Autopsien lieferten für diesen Unterschied allerdings eine recht simple Erklärung: Emeka O. hatte außergewöhnlich dicke Schädelknochen, durch die die Kugel Kraft verlor, Florentina E. unterdessen äußerst dünne.

Während das Projektil, durch das Florentina E. starb, nicht gefunden werden konnte, befand sich im Stirnbereich von Emeka O. eine Kugel. Zwar war diese deformiert, dennoch konnten die Experten auf Neun-Millimeter-Unterschallmunition schließen. Eben diese Munition war bei Lee K., einem der beiden Angeklagten, sichergestellt worden.

Dass für den Mord an Emeka O. Unterschallmunition verwendet worden war, macht insofern Sinn, als diese „nur dann zum Schießen interessant ist, wenn auch ein Schalldämpfer benutzt wird“. Dem Einschussloch zufolge war dies am Abend des 9. November 2016 der Fall, so die Ermittler.

Schuss aus nächster Nähe

Die Experten der Police technique ließen zudem kaum Zweifel daran, dass die Waffe bereits vorbereitet war, bevor Emeka O. an besagtem Abend in die Mercedes A-Klasse von Lee K. stieg. Eben in diesem Wagen sollen sowohl der nigerianische Drogendealer als auch Florentina E. aus nächster Nähe – die Ermittler sprachen von einer Entfernung fünf bis zehn Zentimetern – erschossen worden sein.

Wohl hatte Lee K. versucht, das Fahrzeug noch vor der Hausdurchsuchung und seiner Festnahme am 16. November 2016 zu reinigen, allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Denn die Polizei konnte im Innern des Wagens Blutspuren sichern, dies vor allem im Bereich des Beifahrersitzes, wo sich jeweils das Opfer befunden haben soll, und auf der Rückbank – dort, wo der Täter beim ersten Verbrechen gesessen haben soll.

In diesem Zusammenhang wiesen die Beamten der Spurensicherung auf das Foto der blutverschmierten Hose hin, das Lee K. Bekannten nach dem ersten Vorfall mit den Worten „Meine Hose, meine Waffe, aber nicht mein Blut“, hatte zukommen lassen. Es sei gut möglich, dass das Blut von dieser Hose auf den Sitz gelaufen sei. Demnach müsse Lee K. dann auf der Rückbank gesessen haben.


An diesem Radweg bei Leudelingen entsorgten die Täter die Leiche des ersten Mordopfers.
Novembermorde: Ein aktiver und ein passiver Täter
Lee K. sei wohl der Täter des zweiten Mordes. Alden S. könne aber nicht sagen, dass er vom ersten Verbrechen nichts wusste: Der Ermittler fand am Freitag klare Worte.

Schmauchspuren

In der A-Klasse wurden auch in großen Mengen Schmauchspuren sichergestellt. Diese könnten den Experten zufolge wohl nur vom Mord an Florentina E. stammen, da der Schalldämpfer beim Verbrechen an Emeka O. die Bildung von Schmauchspuren zum größten Teil verhindert hatte. Am 13. November 2016, als Florentina E. starb, war die Walther P 99 den Schusswunden nach wohl nicht mit einem Schalldämpfer versehen.


Mord Strassen Fräiheetsbam Prostituierte
Dossier: Die Novembermorde 2016
Binnen drei Tagen werden im November 2016 zwei Menschen in den Wäldern am Rande der Hauptstadt erschossen: im Laangebësch in Leudelingen und am Fräiheetsbam in Strassen.

Schmauchspuren waren auch in den Haaren und Augenbrauen von Lee K. festgestellt worden, als dieser am 16. November 2016 festgenommen wurde. Da zwischen der Tat und der Festnahme allerdings mehrere Tage lagen, könne man sich nicht sicher festlegen, ob die Schmauchspuren tatsächlich von der Tat stammen.

Der Prozess wird am Mittwochnachmittag fortgesetzt.  

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Novembermorde: Ansage per SMS
Im Prozess um die Bluttaten im November 2016 in Leudelingen und Strassen erläuterte der leitende Ermittler am Freitag die Taten, die Festnahmen und die Verhöre.
Dossier: Die Novembermorde 2016
Binnen drei Tagen werden im November 2016 zwei Menschen in den Wäldern am Rande der Hauptstadt erschossen: im Laangebësch in Leudelingen und am Fräiheetsbam in Strassen.
Mord Strassen Fräiheetsbam Prostituierte
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.