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Novembermorde: Anwälte fordern Freisprüche
Lokales 3 Min. 19.11.2019

Novembermorde: Anwälte fordern Freisprüche

Der Leichnam von Florentina E. wurde in der Nacht zum 14. November 2016 am Waldparkplatz Fräiheetsbam in Strassen entdeckt.

Novembermorde: Anwälte fordern Freisprüche

Der Leichnam von Florentina E. wurde in der Nacht zum 14. November 2016 am Waldparkplatz Fräiheetsbam in Strassen entdeckt.
Foto: Steve Remesch/LW-Archiv
Lokales 3 Min. 19.11.2019

Novembermorde: Anwälte fordern Freisprüche

Im Prozess um die zwei Morde von November 2016 haben die Anwälte der beiden Beschuldigten deren Freispruch gefordert. Sie wiesen auf Zweifel bei der Schuldfrage hin.

(SH) - Der 36-jährige nigerianische Drogendealer Emeka O. und die 27-jährige rumänische Prostituierte Florentina E. mussten im November 2016 sterben – getötet durch einen Kopfschuss aus nächster Nähe. Ihre Leichen wurden in einem Waldstück bei Leudelingen, beziehungsweise am Parkplatz beim Fräiheetsbam in Strassen, abgelegt. Von jenen zwei Männern, die sich wegen der Verbrechen seit Anfang Oktober dieses Jahres vor Gericht verantworten müssen, soll jedoch keiner verurteilt werden – zumindest wenn es den jeweiligen Anwälten nach geht. Denn diese forderten am 16. Verhandlungstag einen Freispruch für ihre Mandanten.

Es sei nicht eindeutig bewiesen, dass sein Mandant die Taten begangen habe, erklärte Maître Rosario Grasso, Verteidiger des Hauptangeklagten Lee K., und fügte hinzu: „Der leichteste Zweifel reicht aus, um den Beschuldigten freizusprechen.“ In diesem Fall seien durch die Aussage von Lee K., der dem Mitangeklagten Alden S. stets die Schuld zuschob, Zweifel entstanden.

Drogen und Schmerzmittel

Es sei an den Richtern, zu entscheiden, wer von den beiden Angeklagten die tödlichen Schüsse abgegeben habe. Sollten diese zur Auffassung kommen, dass Lee K. für die Verbrechen verantwortlich sei, so stelle sich die Frage der juristischen Qualifikation. Von Morden, die begangen wurden, um einen Diebstahl zu erleichtern oder zu vertuschen, könne man nicht sprechen. Vielmehr wohl von Situationen, in denen der Tod der Opfer herbeigeführt wurde, ohne dass dies die Absicht des Täters gewesen sei.

Dies sei bei Kopfschüssen aus nächster Nähe nur schwer zu glauben, bemerkte die vorsitzende Richterin daraufhin. Der Verteidiger von Lee K. hielt dennoch daran fest und ging auf die psychische Verfassung seines Mandanten zum Tatzeitpunkt ein. So habe Lee K. nicht nur Drogen, sondern auch Schmerzmittel konsumiert, durch die er „wie in einer anderen Welt“ lebte.

Es fehlt eine Handlung

Einen Freispruch für seinen Mandanten forderte unterdessen auch Maître Pim Knaff. Alden S. muss sich während des Verfahrens lediglich für das Verbrechen an Emeka O. verantworten. Allerdings, so Maître Pim Knaff, könne den Ermittlungen zufolge kein Zweifel bestehen, dass Lee K. die beiden Opfer erschossen habe.

Sein Mandant habe sicherlich nicht alles richtig gemacht. Nach dem Mord am Drogendealer wäre das einzige richtige Verhalten gewesen, zur Polizei zu gehen. Dies hatte Alden S. nicht getan.

Dennoch gebe es kein Element, das es erlaube, seinen Mandanten zu verurteilen – weder als Täter, noch als Mittäter oder Komplize. Es fehle schlicht und einfach eine Handlung, durch die belegt sei, dass Alden S., die Idee, Emeka O. zu erschießen, geteilt habe.


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Ungeplante Taten

Einig waren sich die beiden Anwälte unterdessen in einem Punkt: Von geplanten Taten – ein Umstand, durch den das Strafmaß weitaus härter ausfallen dürfte – könne man nicht sprechen. Am Tag, an dem Emeka O. erschossen wurde, hätte man sonst zunächst kaum noch eine dritte Person, einen Bekannten von Alden S., im Wagen mitgenommen.

Uneinigkeit herrscht jedoch darüber, warum sich Alden S. und Lee K. an jenem 9. November 2016 getroffen hatten. Maître Pim Knaff zufolge sollte es bei dem Treffen darum gehen, dem Bekannten seines Mandanten eine Arbeit bei der Sicherheitsfirma von Lee K. zu verschaffen. Maître Rosario Grasso erklärte unterdessen, dass es an besagtem Abend nur darum ging, Drogen zu beschaffen. Die Absicht, jemanden zu erschießen, habe keiner der beiden Angeklagten gehabt.


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Der Prozess wird am Mittwochnachmittag mit der Anklagerede des Vertreters der Staatsanwaltschaft fortgesetzt. Er wird wohl eine andere Position vertreten, hatte er doch bereits während des Verfahrens durchblicken lassen, dass er zumindest an der Schuld des Hauptangeklagten kaum Zweifel hegt.

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