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Novembermorde: Ansage per SMS
Lokales 3 Min. 11.10.2019

Novembermorde: Ansage per SMS

Während die Leiche von Emeka O. dem Ermittler zufolge in Leudelingen (Foto) regelrecht „wechgehäit“ wurde, behandelte der Mörder den Leichnam von Florentina E. mit Respekt.

Novembermorde: Ansage per SMS

Während die Leiche von Emeka O. dem Ermittler zufolge in Leudelingen (Foto) regelrecht „wechgehäit“ wurde, behandelte der Mörder den Leichnam von Florentina E. mit Respekt.
Foto: Steve Remesch / LW-Archiv
Lokales 3 Min. 11.10.2019

Novembermorde: Ansage per SMS

Im Prozess um die Bluttaten im November 2016 in Leudelingen und Strassen erläuterte der leitende Ermittler am Freitag die Taten, die Festnahmen und die Verhöre.

(str) -  Der vierte Verhandlungstag im Prozess um die Novembermorde von 2016 gewährte am Freitag einen tiefen Einblick in die Ermittlungen: vom ersten Leichenfund in Leudelingen, den Ermittlungsmaßnahmen und dem zweiten Leichenfund über die Identifizierung von zwei Tatverdächtigen bis hin zu deren Verhören und den Aussagen aus dem Umfeld.


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Daraus gehen gleich mehrere Erkenntnisse hervor, die so noch nicht bekannt waren. Vor allem zeigt sich durch die Aussagen des leitenden Ermittlers, dass es bereits sehr früh Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Mord am 9. November 2016 am 36-jährigen nigerianischen Drogenhändler Emeka O. in Leudelingen und an der 27-jährigen rumänischen Prostituierten Florentina E. am Fräiheetsbam in Strassen gab.

Beide wurden mit einer Waffe gleichen Kalibers in den Kopf geschossen. Die Morde erfolgten in einem sehr kurzen Zeitraum. Beide Leichen wurden nachts in Wäldern nahe der Hauptstadt abgelegt. Beide Opfer stammten aus sozial schwachen Schichten und bewegten sich am Rande der Gesellschaft. Es wurden keine Papiere und Mobiltelefone gefunden. Es gab weder Abwehrverletzungen noch Kampfspuren – ein Hinweis auf einen Hinterhalt. Und die Opfer waren beim Leichenfund vollkommen bekleidet.

„Täter wollte den Tod nicht sehen“

Der Ermittler hob aber auch einen Unterschied hervor: Der Körper von Florentina E. wurde sorgsam in Bauchlage abgelegt, mit dem Gesicht nach unten. „Der Täter wollte den Tod nicht sehen“, betonte der Mordermittler. „Er zeigte Respekt.“ Bei Emeka O. war das anders. Dieser sei regelrecht „wechgehäit“ worden.


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Im Detail schilderte der Ermittler auch, wie es nach einem Hinweis von der Mutter von Lee K. zu dessen Festnahme kam. Die Mutter habe bereits nach dem ersten Mord ein schlechtes Gefühl gehabt. Lee K. war hoch verschuldet, war abhängig von Drogen sowie Medikamenten, er war aggressiv und vernarrt in seine Waffensammlung. Zudem gab es immer wieder Streit wegen Geld.

Vier Tage vor der ersten Tat hatte er der Mutter etwa in einer SMS gedroht: „Wenn du kein Geld auf den Tisch legst, dann muss draußen jemand dran glauben.“

Mit der Maschinenpistole am Frühstückstisch

Ein anderes Mal war Lee K. mit einer Maschinenpistole am Frühstückstisch erschienen, um von den Eltern Geld zu erpressen. Einmal soll er seiner Mutter wegen 2000 Euro eine Waffe auf die Stirn gesetzt haben.


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Als die Polizei nach dem Mord am Fräiheetsbam nach einem Wagen mit kaputtem Fenster suchte, verständigte sie die Polizei: Am Wagen ihres Sohnes war das Beifahrerfenster kaputt, es gab Blutspuren und im Kofferraum lagen blutverschmierte Kleider.

In einem ersten – neunstündigen – Verhör erklärte Lee K. der Polizei, die Blutspuren an der Kleidung würden von einem Wildunfall stammen. Das Fenster habe sein Bekannter und nun Mitangeklagter Alden S. beschädigt, als er diesem den Wagen – am Abend, an dem Florentina E. starb – geliehen hatte. Dieser habe ihm gesagt, er habe sich an den Glasscherben verletzt. Daher kämen die Blutspuren im Auto.

50 Waffen – mehrere Rohrbomben

Am Abend nach der Festnahme war allerdings bei der Hausdurchsuchung Beweismaterial gesichert worden, das ihn in Verbindung mit beiden Taten bringt. Zudem wurden rund 50 legale Waffen – und in einem Safe mehrere funktionstüchtige Rohrbomben – sichergestellt. Welchen Zweck letztere erfüllen sollten, ist ungeklärt.


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Zudem wurde auch ein Video entdeckt, auf dem Lee K. aus seinem Auto mit einer Maschinenpistole vom Typ Heckler&Koch MP5 ziellos in den Wald feuert.

Zweiter Anlauf vor der Untersuchungsrichterin

Als Lee K. zwei Stunden nach dem Polizeiverhör der Untersuchungsrichterin vorgeführt wird, macht er eine spontane Aussage zum ersten Mord: Alden S. habe an dem Abend Kokain kaufen wollen. Deswegen habe man mit dem Wagen einen Drogendealer in Lamadelaine abgeholt. Lee K. sagt, er sei gefahren, Emeka O. habe auf dem Beifahrersitz gesessen, Alden S. auf der Rückbank.

Auf der N  4 zwischen Steinbrücken und Leudelingen sei es dann zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Dealer und Alden S. gekommen, die damit geendet hätten, dass Alden S. Emeka O. in den Kopf geschossen habe. Die Waffe aus dem Besitz von Lee K. habe sich in einer Tasche im Auto befunden.


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Die Leiche habe man dann in Leudelingen entsorgt. Später sei man noch einmal zurückgekehrt, um die Drogen zu holen, die der Dealer im Mund gebunkert hatte.

In Bezug auf den zweiten Mord blieb Lee K. bei seinen ursprünglichen Aussagen.

Am Dienstag wird der Ermittler seine Ausführungen fortsetzen.


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