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Notaufnahme: Der Hausarzt hilft auch
Lokales 3 Min. 15.12.2017 Aus unserem online-Archiv

Notaufnahme: Der Hausarzt hilft auch

Die Studie zur Überprüfung des Notaufnahmebetriebs hat etwa 200 000 Euro 
gekostet.

Notaufnahme: Der Hausarzt hilft auch

Die Studie zur Überprüfung des Notaufnahmebetriebs hat etwa 200 000 Euro 
gekostet.
Foto: Pierre Matge/LW-Archiv
Lokales 3 Min. 15.12.2017 Aus unserem online-Archiv

Notaufnahme: Der Hausarzt hilft auch

Die langen Wartezeiten in den Notaufnahmen sorgen immer wieder für Kritik. Um die Situation zu verbessern, hat das Gesundheitsministerium ein Audit in Auftrag gegeben. Am Freitag wurden die Ergebnisse vorgestellt.

(m.r.) - „Eine gute Versorgung in den Notaufnahmen ist ein wesentliches Recht der Bürger“, betont Gesundheitsministerin Lydia Mutsch. Insbesondere da die Patienten in diesen Situationen auf Hilfe angewiesen sind. Um die Versorgung in den Notaufnahmen zu verbessern, wurde eine detaillierte Analyse der Services d'urgence in Auftrag gegeben.

Dafür sind die Notfalldienste der vier Spitalgruppen des Landes genauer unter die Lupe genommen worden. Am Freitag stellten Gesundheitsministerin Lydia Mutsch und der Minister für soziale Sicherheit, Romain Schneider, die Ergebnisse der etwa 200 000 Euro teuren Studie vor.

Fakten sollen Aufschluss geben

Vorher habe es keine vergleichbaren Statistiken gegeben. Die seien allerdings notwendig, um die medizinische Versorgung in den Krankenhäusern zu verbessern, so Mutsch. Deshalb befasst die Studie sich nicht nur mit dem aktuellen Zustand der Notaufnahmen, sondern liefert auch Verbesserungsvorschläge.

Insbesondere die Wartezeiten sorgen immer wieder für Kritik. Zwischen einer Stunde 20 Minuten und drei Stunden 49 Minuten beträgt die durchschnittliche Aufenthaltszeit in den Notaufnahmen. 75 Prozent der Patienten können die Notaufnahme aber wieder nach weniger als drei Stunden verlassen. „Das ist schneller als im Ausland, denn dort liegt der Durchschnitt bei vier Stunden“, betonte Mutsch.

Mit der Situation zufrieden ist die Ministerin dennoch nicht: In zwei Jahren soll niemand mehr länger als zwei Stunden 30 Minuten in der Notaufnahme verbringen müssen. Ausgenommen seien natürlich Patienten, die hospitalisiert werden müssen.

Mit Husten in die Urgences

„Die Luxemburger schenken den Notaufnahmen großes Vertrauen“, sagte Mutsch. 312 109 Behandlungen wurden 2016 in den Services d'urgence durchgeführt. Das sind 540 Behandlungen auf 1 000 Einwohner. Was das Aufsuchen der Notaufnahmen anbelangt, belegt Luxemburg somit in Europa Platz eins. Mit 340 Behandlungen auf 1 000 Einwohner liegt Frankreich weit dahinter auf dem zweiten Platz.

Aber: „Nicht für jede Urgence muss man aber in die Urgences“, betonte Lydia Mutsch. In 18,5 Prozent der Fälle wären die Patienten besser in der Praxis eines Allgemeinmediziners aufgehoben, denn bei ihnen liegt eigentlich kein schwerwiegendes medizinisches Problem vor. 2016 belasteten somit etwa 57 600 Fälle die Notaufnahmen unnötig. Angesichts dieser Zahlen ist eine schnelle medizinische Einteilung der Patienten unabdingbar, um die wirklichen Notfälle schnell von den kleineren Beschwerden unterscheiden zu können.

Nicht für jede Urgence muss man aber in die Urgences

Auch hier gibt es noch Verbesserungsbedarf, denn die sogenannte Triage erfolgt bei 89,5 Prozent der Patienten erst 30 Minuten nach ihrer Aufnahme. „Bereits 2018 wollen wir es gewährleisten, dass jeder Patienten innerhalb von zehn Minuten eine solche medizinische Einschätzung erhält“, so Mutsch.

Für eine Entlastung der Notaufnahme soll aber auch eine gezielte Aufklärung sorgen. „Es ist wichtig, dass die Menschen wissen, welche Beschwerden nicht zwingend in der Notaufnahme behandelt werden müssen“, betonte Mutsch. Unter anderem will das Gesundheitsministerium deshalb eine Informationsbroschüre herausgeben.

Gang zum Allgemeinmediziner vereinfachen

Auch eine neue Telefon-App soll vom kommenden Jahr an den Gang zum Allgemeinmediziner vereinfachen. Über die Anwendung können die Nutzer sich über die Verfügbarkeit der Ärzte in ihrer Nähe informieren.

Um wiederum deren Verfügbarkeit zu verbessern, soll zudem die Gründung von Gemeinschaftspraxen gefördert werden. Diese Centres médicaux könnten nämlich flexiblere Öffnungszeiten anbieten, so Mutsch.

Pilotprojekt in zwei Spitalgruppen

Zudem sollen die Bereitschaftsdienste der Krankenhäuser überarbeitet werden. Zu diesem Zweck wird 2018 ein Pilotprojekt mit dem Centre hospitalier de Luxembourg und den Hôpitaux Robert Schuman gestartet. Bisher wechselten die beiden Spitalzentren sich mit dem Bereitschaftsdienst ab. Dies führte allerdings besonders zu Stoßzeiten zu Überlastungen in den Notaufnahmen. In den kommenden Monaten soll nun eine gleichzeitige Besetzung der Krankenhäuser bis 19 Uhr gewährleistet werden.

„Die Verbesserung der Notaufnahmen hat für das kommende Jahr oberste Priorität“, betonte Mutsch. Ziel sei es, bis 2018 zwei Drittel aller Maßnahmen umzusetzen oder zumindest in die Wege zu leiten.

In der Vergangenheit seien bereits zusätzliche zwei Millionen Euro im Gesundheitswesen zur Verfügung gestellt worden, so der Minister für soziale Sicherheit, Romain Schneider. Mit diesen Mitteln soll unter anderem mehr Personal in den Notaufnahmen eingestellt werden.


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