Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Noch (k)eine Ruine
Lokales 2 Min. 12.10.2018

Noch (k)eine Ruine

Jahrzehntelang stand das Gebäude leer. Nun entdeckt die Wahlkampfmaschinerie das Problem der Nachbarn für sich.

Noch (k)eine Ruine

Jahrzehntelang stand das Gebäude leer. Nun entdeckt die Wahlkampfmaschinerie das Problem der Nachbarn für sich.
Foto: Luc Ewen
Lokales 2 Min. 12.10.2018

Noch (k)eine Ruine

Luc EWEN
Luc EWEN
Ein Schriftzug sorgt in Differdingen für Aufsehen. Es geht um ein seit Langem leer stehendes Gebäude, das zur Ruine zu werden droht.

Des Bürgers Mund tut Unmut kund. So scheint es auf Nummer 9 in der Rue Emile Mark im Differdinger Stadtkern. Seit Längerem ärgern sich Anwohner über ein leer stehendes Wohn- und Geschäftsgebäude, das sich auf halbem Weg zwischen der Stadtmitte und dem neuen Einkaufszentrum befindet.

Das ehemalige Schaufenster einer Buchhandlung im Erdgeschoss ist zugenagelt und beim Blick auf die oberen Stockwerke fallen alte, hölzerne Fensterrahmen auf, die augenscheinlich angestrichen werden müssten. Mittlerweile reden manche bereits von der „Déifferdanger Petite Marquise“, in Anspielung auf eine landbekannte Ruine, die jahrzehntelang das Stadtbild der Abteistadt Echternach verschandelt hatte.

Das Gebäude befindet sich auf halbem Weg zwischen Stadtmitte und dem neuen Einkaufszentrum Opkorn.
Das Gebäude befindet sich auf halbem Weg zwischen Stadtmitte und dem neuen Einkaufszentrum Opkorn.
Foto: Luc Ewen

Doch ist der Vergleich wirklich angebracht? „Nicht ganz“, findet Bürgermeister Roberto Traversini. Zwar ärgert auch er sich über den Leerstand in bester Lage, aber es gebe doch einige Unterschiede zur „Original-Marquise“. „Zum einen handelt es sich um ein bedeutend kleineres Gebäude“, so Traversini. Zum anderen stimme es nicht, dass das Gebäude gänzlich vernachlässigt werde.

So würde jedes Mal, wenn die Stadt sich wegen Unzulänglichkeiten beschwere, sofort reagiert. Immer wenn es Probleme gäbe, würde der Eigentümer unverzüglich Handwerker beauftragen, diese Probleme zu beseitigen. Anders ausgedrückt: Es bestehe keine Gefahr und das Gebäude sei weder baufällig, noch einsturzgefährdet.

Zu hohe Preisvorstellungen

Dennoch, zufrieden mit dieser Situation ist auch der Bürgermeister nicht. „Ich habe mich mehrmals mit dem Eigentümer getroffen“, so Traversini. Man habe sich dabei als Stadt auch für den Verkaufspreis des Gebäudes interessiert. Ein Kauf durch die Gemeinde sei aber aufgrund der Preisvorstellung des Eigentümers bis dato nicht in Frage gekommen. Ähnlich denken offenbar auch andere potenzielle Käufer und so bleibt das Gemäuer leer.

Nach der Zukunft des Hauses gefragt, antwortet der Bürgermeister: „Wir arbeiten dran. Es kann aber nicht sein, dass die Stadt aus öffentlichen Geldern einen total unmöglichen Preis bezahlt.“ Bei solch vagen Zukunftsaussichten eines Gebäudes, das in bester Lage augenscheinlich zur Ruine zu werden droht, wundert es in Wahlkampfzeiten kaum, dass politische Akteure das Thema aufgreifen.

So prangert ein handgefertigtes, unsigniertes Plakat, das von der Partei Déi Lénk stammt, den Leerstand an. „Ech sinn dépriméiert. Zënter Joerzéngte sinn ech verlooss, kee wunnt méi hei, fir de Propriétaire sinn ech just ee vu villen. Meng Heemecht Déifferdeng interesséiert hie kee Spoun“, steht in handgeschriebenen Lettern auf dem selbst gebastelten Aushang. Und jeden Tag kommt ein Satz dazu.

Auf Nachfrage, warum die Partei ihre Forderung nicht signiert, bestätigt der Differdinger Kandidat der Partei, Gary Diderich, dass Déi Lénk an mehreren Stellen im Süden des Landes auf solches, sogenanntes Guerilla-Marketing zurückgreife. Es gehe um die Sache, so Diderich. Man fordere eine Steuer auf Leerstand, und - in besonders schweren Fällen von Spekulation - auch die Möglichkeit einer temporären Enteignung.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.