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Nicht ohne meine Schenke …
Lokales 2 Min. 21.04.2012

Nicht ohne meine Schenke …

Nicht ohne meine Schenke …

Lokales 2 Min. 21.04.2012

Nicht ohne meine Schenke …

Am Schrank kleben alte Postkarten, an den Wänden antike Plakate, ein alter Spiegel und eingerahmte Erinnungsfotos vergangener Tage runden den wohnlichen Charakter dieses Schanklokals ab. Wir befinden uns im modernen Altersheim in Redingen.

(hip) - Am Schrank kleben alte Postkarten, an den Wänden antike Plakate, ein alter Spiegel und eingerahmte Erinnungsfotos vergangener Tage runden den wohnlichen Charakter dieses Schanklokals ab. Wir befinden uns im modernen Altersheim in Redingen. Ein „Bopebistro“ im Altersheim?

Ja, sie haben richtig gelesen: Im Redinger „Home pour personnes âgées“ befindet sich auf der zweiten Etage eine Schenke, die uriger nicht sein könnte. Würde man mit verbundenen Augen hierhin gelotst werden, käme man als allerletztes auf die Idee, sich in einem Altersheim zu befinden – so perfekt wurde die originale Gaststätte bis ins letzte Detail rekonstruiert.

Das gesamte Inventar, Schränke, Stühle, Tische und der Tresen befanden sich einst in Holtz im „Café Wiltgen“. Hier betrieben zwei Schwestern eine Schankstube der gemütlichen und geselligen Art. Das Haus war stets im Familienbesitz. Seit nun schon 140 Jahren betreibt die Familie das Ausschenk-Business. Eine Urkunde der Diekircher Brauerei zum 100-jährigen Bestehen der Marke aus dem Jahre 1971 bestätigt dies. Die Urkunde ziert ebenfalls eine Ecke hinter dem Tresen, genauso wie die alten Pokale des Jugendclubs.

Als 2010 der viele Schnee kam

Wie kam die Kneipe nun ins Altersheim? Nun, das rüstige Damen-Duo, bekam im hohen Alter regelmäßig Hilfe von „Hëllef Doheem“. Im Winter 2010, „als der viele Schnee fiel“, bemerkten die Angestellten des Pflegedienstes, dass Schmelzwasser ins Hausinnere eindrang. Dies meldeten sie den Gemeindeverantwortlichen, die daraufhin den Direktor des Redinger Altersheims, Christian Ensch, der sich die Situation in Holtz anschaute, informierten. „Es gehört zum Aufnahmeprotokoll, uns zu den Leuten zu begeben, damit wir uns vor Ort davon überzeugen, ob sie in Frage kommen, ins Heim aufgenommen zu werden,“ erklärt Ensch. „ Als ich sah, wie glücklich die beiden Schwestern in ihrem Haus und in ihrer Schänke waren, konnte ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, die zwei aus ihrem Umfeld herauszureißen. Der Entschluss stand fest: Wenn die Damen ins Heim ziehen, dann nicht ohne das Café Wiltgen“, erzählt der Initiator der Umzugsaktion weiter.

 

Hier ist jeder willkommen

Heute heißt der Raum, in dem sich das ganze Mobiliar befindet „Café Beim Kropemann“. Jeden Dienstag und Donnerstag öffnet die Kneipe vom 19 bis 21 Uhr ihre Türen. Der „Kropemann“ ist eine wahre Erfolgsstory und der Andrang der Besucher enorm groß. Der Lautstärkepegel steht den anderen Kneipen keineswegs nach. Nur wird hier noch miteinander geredet, wo in anderen Lokalen laute Musik dröhnt und Unterhaltungen fast unmöglich sind. Das Lokal heißt nicht nur die Heimbewohner willkommen, auch Besucher von auswärts sind beim „Kropemann“ gern gesehene Gäste. Eine Familientradition lebt weiter, denn heute bedient hier Liliane, die Tochter einer der beiden Schwestern, die Gäste – und dies ganz auf ehrenamtlicher Basis.

  • Ein mywort-Video zu diesem Bericht gibt es hier