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Neuer Bebauungsplan der Stadt Luxemburg: Von großen Bauprojekten und seltenen Schlangen
Lokales 4 Min. 01.07.2016 Aus unserem online-Archiv

Neuer Bebauungsplan der Stadt Luxemburg: Von großen Bauprojekten und seltenen Schlangen

Großes Interesse: Im Centre culturel in Neudorf waren weitaus mehr Interessierte als Stühle.

Neuer Bebauungsplan der Stadt Luxemburg: Von großen Bauprojekten und seltenen Schlangen

Großes Interesse: Im Centre culturel in Neudorf waren weitaus mehr Interessierte als Stühle.
Foto: Christophe Olinger
Lokales 4 Min. 01.07.2016 Aus unserem online-Archiv

Neuer Bebauungsplan der Stadt Luxemburg: Von großen Bauprojekten und seltenen Schlangen

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
Über 300 Bürger aus Kirchberg, Kiem, Weimershof, Cents, Hamm und Pulvermühle diskutierten am Donnerstagabend über die Zukunft ihrer Stadtteile. Für einige Beschwerden sorgte erwartungsgemäß das Projekt "Schoettermarial".

(DL) - Über 300 Bürger aus den Stadtteilen Kirchberg, Kiem, Weimershof, Cents, Hamm und Pulvermühle nahmen am Donnerstagabend zur sechsten und damit letzten Versammlung zum neuen PAG der Hauptstadt im Kulturzentrum in Neudorf teil. Trotz einiger Kritikpunkte - vor allem in Bezug auf große Bauprojekte - verlief die Diskussion sehr sachlich. Die ominöse Fußgänger- und Radfahrerbrücke über Neudorf war überraschenderweise kein Thema.

Bürgermeisterin Lydie Polfer stand den Bürgern Rede und Antwort, nachdem Chantal Zeyen vom zuständigen Stadtplanungsbüro den neuen Bebauungsplan im Detail vorgestellt hatte - und auch eingehend auf die einzelnen Stadtteile eingegangen war. Und die Bürger nutzten die Gelegenheit, ihre Fragen direkt an das Gemeindeoberhaupt richten zu können - sie standen vor dem Mikrofon regelrecht Schlange.

"Schoettermarial" und "Kennedy-Süd"

Erwartungsgemäß kritisierten mehrere Anrainer das Projekt "Schoettermarial". Auf dem Areal in Kirchberg/Weimerskirch soll ein komplett neues Wohn- und Arbeitsviertel entstehen. Das Fußballfeld, das sich dort befindet, soll den Plänen zufolge weichen. Darauf angesprochen versprach Bürgermeisterin Lydie Polfer, dass man eine Ersatzstruktur für die Sportler finden werde. Ein Bewohner kritisierte, dass es mit dem Projekt zu einem Verkehrsproblem kommen würde. Eine weitere Anwohnerin sorgte sich um den Naturschutz und berichtete von einer seltenen Schlangenart, der sie dort begegnet sein will und die es ihrer Ansicht nach zu schützen gelte.

Das Fußballfeld in Weimerskirch soll im Hinblick auf das Projekt "Schoettermarial" weichen. Das gefällt einigen Anrainern überhaupt nicht. Bürgermeisterin Lydie Polfer versprach Ersatz.
Das Fußballfeld in Weimerskirch soll im Hinblick auf das Projekt "Schoettermarial" weichen. Das gefällt einigen Anrainern überhaupt nicht. Bürgermeisterin Lydie Polfer versprach Ersatz.
Foto: Marc Wilwert

Ein weiteres Thema war das Bauvorhaben "Kennedy Süd". Ein Teil des diesbezüglichen Bebauungsplans wurde bereits verabschiedet. Ein Anwohner beschwerte sich darüber, dass die angekündigte Grünstreifen, der zwischen dem bestehenden Viertel Weimershof und dem neuen Stadtteil entstehen soll, nicht fest im PAG eingetragen sei.

Das Projekt Kennedy-Süd (vorne auf dem Modell) soll auf dem Areal gegenüber der Coque, am Rande von Weimershof, entstehen. Doch nicht jedem gefällt das Bauvorhaben.
Das Projekt Kennedy-Süd (vorne auf dem Modell) soll auf dem Areal gegenüber der Coque, am Rande von Weimershof, entstehen. Doch nicht jedem gefällt das Bauvorhaben.
Foto: Michel Thiel

Kulturzentren erwünscht

Unzufrieden zeigte sich auch ein Bewohner aus Hamm. Im neuen PAG seien zu viele Flächen für sogenannte "bâtiments et équipements techniques" vorgesehen. Die Bürger würden sich jedoch vielmehr wünschen, dass zusätzlicher Wohnraum entstehe und die Zahl der Einwohner zunehme. Positiv wurde die Frage eines anderen Bürgers zu dem alten Bauernhaus bei der Kirche beantwortet: Laut Lydie Polfer gehört das Gebäude der Stadt Luxemburg. Die Bürgermeisterin stellte in Aussicht, dass hier ein schönes Kulturzentrum entstehen könnte.

Apropos Kulturzentrum: Auch eine Einwohnerin aus Cents äußerte den Wunsch nach einer solchen Einrichtung. Lydie Polfer nahm die Idee mit auf den Weg und erklärte, dass man das Schwarze Haus in der Rue Trèves eventuell erneuern könne - die Lage dieser Einrichtung sei jedenfalls perfekt.

Mehrere Kritikpunkte von den Neudorfern

Mehrere Bürger aus der Umgebung von Kalchesbrück stellten fest, dass ihre Wohnhäuser gemäß dem neuen PAG nun in einer "zone économique" liegen würden. Polfer riet ihnen, sich schriftlich an den Schöffenrat zu richten.

Eine Anwohnerin aus Neudorf beklagte, dass es in dem Viertel kaum Kinder gebe und die Eltern sie dort nicht in die Schule schicken wollen würden. Lydie Polfer verwies auf die neue Zentralschule in Clausen, die derzeit gebaut wird und die auch die Kinder aus Neudorf, Pfaffenthal und Grund späterhin besuchen sollen. Die Schule sei "ein Garant für eine gute pädagogische Organisation", so Polfer - die noch am Abend selber einen Termin mit den Neudorfern vereinbarte, um sich mit ihnen über das Thema Schule zu unterhalten.

Die Kinder aus Neudorf, Clausen, Grund und Pfaffenthal sollen ab nächstem Jahr die große neue Zentralschule in Clausen besuchen.
Die Kinder aus Neudorf, Clausen, Grund und Pfaffenthal sollen ab nächstem Jahr die große neue Zentralschule in Clausen besuchen.
Foto:Gerry Huberty

Die Spielschule in Neudorf soll hingegen möglicherweise abgerissen werden - hier könnte ein toller Spielplatz entstehen, antwortete die Bürgermeisterin auf eine entsprechende Anfrage einer anderen Bürgerin.  Etwas überrascht stellte Lydie Polfer fest, dass die geplante Fußgänger- und Radfahrerbrücke zwischen Cents und Kirchberg und über Neudorf von den Bürgern nicht weiter thematisiert wurde. Sie unterstrich aber nochmals, dass noch weitere Studien durchgeführt werden, bevor das Projekt realisiert wird - dies angesichts der komplizierten geologischen Lage.

Bauprojekt auf Industriebrache in Pulvermühle

Schließlich warf das große Bauvorhaben auf der Industriebrache in Pulvermühle einige Fragen auf. Bürgermeisterin Lydie Polfer entgegnete dem, dass dieses Bauvorhaben schon beschlossen sei. Sie versicherte aber, dass das Areal fachgerecht entseucht wird.

Noch bis zum 20. Juli können interessierte Bürger den neuen Bebauungsplan im Bierger-Center einsehen. Mitarbeiter des "Service de l'urbanisme" bieten Unterstützung an. Schriftliche Beschwerden können ebenfalls bis zum 20. Juli bei der Stadt Luxemburg eingereicht werden. Der Schöffenrat wird anschließend jeden einzelnen Bürger empfangen.


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