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Radfahrer müssen den Umweg benutzen
Lokales 3 Min. 24.06.2021
Neue Verkehrsregelung in Esch/Alzette

Radfahrer müssen den Umweg benutzen

Die Schilder zeigen: Fahrräder sind in der Fußgängerzone tagsüber nicht erwünscht.
Neue Verkehrsregelung in Esch/Alzette

Radfahrer müssen den Umweg benutzen

Die Schilder zeigen: Fahrräder sind in der Fußgängerzone tagsüber nicht erwünscht.
Foto: Raymond Schmit
Lokales 3 Min. 24.06.2021
Neue Verkehrsregelung in Esch/Alzette

Radfahrer müssen den Umweg benutzen

Raymond SCHMIT
Raymond SCHMIT
Im Zentrum von Esch/Alzette eine neue Regelung für Radfahrer. Die Gemeinde hat einen verpflichtenden Umweg um die Alzettestrasse eingerichtet.

„Was haben die deutsche Fußballnationalmannschaft und Esch gemeinsam?“, fragt Bürgermeister Georges Mischo (CSV) und liefert die Antwort gleich mit. „In Deutschland gibt es 82 Millionen Bundestrainer, bei uns 36.000 Verkehrsexperten.“ 

Und eben diese Fachleute hätten die unterschiedlichsten Vorstellungen darüber, wie ein friedliches und vor allem ungefährliches Zusammenleben von Fußgängern und Radfahrern in der Alzettestraße möglich sein könne. Jetzt liege aber ein Konzept mit neuen Regeln vor, die denn auch schon seit Donnerstag gelten. Ob man damit den Stein der Weisen gefunden habe, werde die Erprobungsphase zeigen. 

Fußgängerzone für Fußgänger 

Absolute Vorfahrt in der Alzettestraße haben die Fußgänger und das zumindest am Tag. Radfahrer sind an sich nur zwischen 20 Uhr und 8 Uhr erwünscht. Diese Regel, die auch für die Besitzer von E-Rollern gilt, ist so alt wie die längste Fußgängerzone des Landes. 

Diese Botschaft ist allerdings nicht überall angekommen, und das hat immer wieder zu Konflikten zwischen jenen auf zwei Beinen und jenen auf zwei Rädern geführt. Der regelrechte Fahrradboom hat das Konfliktpotenzial noch verschärft und damit will Bürgermeister Mischo nun Schluss machen. 

Umweg über die Kanalstraße

Eine Umgehungsstrecke soll es jetzt zwischen dem Stadthausplatz und dem Brillplatz richten und zur Konfliktvermeidung beitragen. Sie ist ausgeschildert und führt über Nebenstraßen und die Tempo-30-Zone in der Kanalstraße, in der auch eine Radspur eingezeichnet wurde, zum Brillplatz. Definitiv sei diese Route wegen verschiedener Straßenbaustellen noch nicht, heißt es. Zusätzlich machen Schilder am Eingang der Fußgängerzone Radfahrer darauf aufmerksam, dass sie hier zwischen 8 Uhr und 20 Uhr unerwünscht sind. 

Mit dieser Maßnahme hat man in Esch das Rad nicht neu erfunden. Ähnliche Vorschriften würden beispielsweise in Karlsruhe gelten, wo zwischen 10 Uhr und 22 Uhr Fußgängerzonen für Radfahrer tabu sind, in Trier oder Gent. Selbst im Mekka des Zweirads, in Amsterdam, müssten sich die Nutzer an Regeln halten und Fußgängerzonen umfahren. 

„Wir sind nicht gegen Radfahrer“

„Wir sind nicht gegen Radfahrer“, versichert Bürgermeister Georges Mischo, allerdings müssten auch sie sich an Regeln halten und Verantwortung gegenüber schwächeren Verkehrsteilnehmern, in diesem Fall Fußgängern, übernehmen. 

Und natürlich dürften Radfahrer weiterhin in der Alzettestraße einkaufen. Für sie gelte es dann allerdings, vom Rad abzusteigen und dieses zu schieben. Damit diese Übung nicht zu schweißtreibend wird, hat man in der Fußgängerzone zusätzliche Fahrradständer aufgestellt.

Information vor Bestrafung 

Mit der Keule will man zunächst nicht gegen die lieben Gewohnheiten auf zwei Rädern vorgehen. Wie der Bürgermeister betont, würden, in einer ersten Phase würden Mitarbeiter der Stadtverwaltung Flugblätter verteilen, in denen auf die neuen Bestimmungen und Verbindungswege aufmerksam gemacht wird. 

Sollten diese höflichen Aufforderungen nicht zum gewünschten Ergebnis führen, dann müssen Unverbesserliche damit rechnen, zur Kasse gebeten zu werden. Kleinkinder dürfen indes weiterhin die längste Fußgängerzone des Landes mit dem Fahrrad oder dem Roller erkunden. 


 

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