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Polizei nimmt Handy-Sünder ins Visier
Lokales 7 4 Min. 09.06.2021
Neue Verkehrskampagne

Polizei nimmt Handy-Sünder ins Visier

Neue Verkehrskampagne

Polizei nimmt Handy-Sünder ins Visier

Foto: Chris Karaba
Lokales 7 4 Min. 09.06.2021
Neue Verkehrskampagne

Polizei nimmt Handy-Sünder ins Visier

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Die Polizei widmet sich im Juni gezielt der Ablenkung am Steuer - insbesondere der Handynutzung während der Fahrt.

Wo früher Geschwindigkeit, Alkohol und der nicht angelegte Sicherheitsgurt, als die größten Killer im Straßenverkehr galten, nimmt inzwischen das Smartphone eine Spitzenposition ein.

Experten der schweizerischen Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) schätzen etwa, dass Unaufmerksamkeit und Ablenkung am Steuer bei mittlerweile jedem dritten schweren Verkehrsunfall eine Rolle spielen. 

Kampagne vom 7. bis 13. Juni 

Das Phänomen bereitet Verkehrsexperten weltweit Sorgen und ist auch in Luxemburg, wenn auch nicht statistisch erhoben, dennoch offensichtlich weit verbreitet. Deshalb widmet sich die Polizei in ihrer monatlichen Verkehrssicherheitskampagne vom 7. bis zum 13. Juni dann auch besonders der Ablenkung durch die unrechtmäßige Benutzung von Mobiltelefonen während der Fahrt. 


Lok , Sensibilisierungsaktion für die Fahrrradfahrer durch die Polizei , Fahrrad , Velo Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
Polizei fokussiert sich im Mai auf Radfahrer
Erst Prävention, dann Repression: In ihrer allmonatlichen Verkehrssicherheitskampagne befasst sich die Polizei im Mai mit sanfter Mobilität.

„Als Handys populär wurden, galten Freisprechanlagen als gute Lösung“, erklärt André Schaack, Chefkommissar bei der Verkehrspolizei, dem „Luxemburger Wort“. „Aber heute ist das Problem ein Anderes. Es werden soziale Medien genutzt, ganze Texte gelesen und geschrieben und das während der Fahrt. Das führt dann zu einem totalen Blindflug.“

14 Meter pro Sekunde innerorts 

Tatsächlich legt ein Auto bei 50 km/h binnen einer Sekunde eine Strecke von 14 Metern zurück. Bei 130 km/h sind es bereits 40 Meter. Und selten dauert ein Blick auf das Mobiltelefon nur eine Sekunde. 

Bei gemeinsamen Versuchsreihen der Automobilclubs ADAC und ÖAMTC im Jahr 2020 summierten sich etwa beim Schreiben von WhatsApp-Nachrichten bis zu 140 blind gefahrene Meter. Ein Drittel der Fahrer überfuhr bei den Tests auf einem abgesperrten Gelände die Mittellinie für bis zu vier Sekunden lang. 

„Auch wenn es in erster Linie um das Handy geht, gibt es mittlerweile sehr viel technische Ablenkung in modernen Fahrzeugen“, gibt André Schaack zu bedenken. „Und das Problem betrifft nicht nur Autofahrer, sondern auch Fußgänger, Roller- und Radfahrer. 

145 Euro und bald vier Punkte

Wer das Handy während der Fahrt verbotenerweise bedient und dabei erwischt wird, riskiert ein Bußgeld in Höhe von 145 Euro und den Abzug von zwei Führerscheinpunkten. „Es handelt sich dabei um eine Contravention grave“, betont André Schaack. „Und angesichts dessen, wie verbreitet dieses Vergehen ist, ist geplant, diesen Punktabzug künftig auf vier Punkte zu erhöhen.“ 

Am Schwender beobachtete ein Polizist die Autofahrer, die vom Boulevard d'Avranches zum Viaduc abbogen. Wer in diesem engen Kurvenbereich das Handy benutzte, wurde von anderen Beamten in Höhe der Cité judiciaire gestoppt.
Am Schwender beobachtete ein Polizist die Autofahrer, die vom Boulevard d'Avranches zum Viaduc abbogen. Wer in diesem engen Kurvenbereich das Handy benutzte, wurde von anderen Beamten in Höhe der Cité judiciaire gestoppt.
Foto: Chris Karaba

Am Mittwochvormittag führte die Polizei eine entsprechende Kontrolle am hauptstädtischen Viaduc durch. Ein Polizist hatte am Schwender, also an der Kreuzung des Boulevard d‘Avranches mit der Avenue de la Gare, Stellung bezogen und dabei insbesondere jene Autofahrer im Blick, die aus Richtung Verlorenkost auf den Viaduc zur Oberstadt abbogen. 

Wen er in diesem engen Kurvenbereich bei verbotener Handynutzung erblickte, meldete er dann seinen Kollegen, zwei Motorradpolizisten, die an der Cité judiciaire Position bezogen hatten und den betroffenen Autofahrer dann aus dem Verkehr zogen. 

Kontrolle unter Idealbedingungen 

„Das ist natürlich eine Kontrolle unter Idealbedingungen“, bemerkt André Schaack. „Ein Element stellt fest, zwei weitere sanktionieren. Das ist zwar personalintensiv, aber sehr effizient.“ Aber auch bei den alltäglichen Patrouillenfahrten würden viele Verstöße festgestellt. „Dann ist es oft so, dass die Fahrer so sehr von ihrem Handy abgelenkt sind, dass sie das Polizeiauto neben ihnen gar nicht wahrnehmen“, meint der erfahrene Verkehrspolizist. 

Im Jahr 2019 wurden in Luxemburg rund 3.400 Verstöße gegen Artikel 170bis des Code de la Route festgestellt, der die Handynutzung während der Fahrt untersagt. Im Pandemiejahr 2020 waren es 2.900 und in diesem Jahr waren es bis Mittwochabend bereits 1.937. 


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