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Neue "Velosbréck": Das „Puzzlestück“ unter der Brücke
Lokales 104 3 Min. 17.09.2017

Neue "Velosbréck": Das „Puzzlestück“ unter der Brücke

Lokales 104 3 Min. 17.09.2017

Neue "Velosbréck": Das „Puzzlestück“ unter der Brücke

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Mit einem umfangreichen Rahmenprogramm wurde am Sonntag die neue Fahrradbrücke unter dem Pont Adolphe in Betrieb genommen.

(str) - Trotz der herbstlichen Kälte war der Andrang am späten Sonntagvormittag groß, als die „Velosbréck“ unter dem Pont Adolphe eröffnet wurde – und das nicht nur um einen der im Wahlkampf so begehrten Plätze auf den offiziellen Fotos oder auf Selfies mit den mit den Verantwortlichen des Projekts zu erlangen.

Radfahrer, darunter viele Familien und fast noch mehr Fußgänger warteten ungeduldig, bis Infrastrukturminister François Bausch den Weg freigab.

Die neue Brücke unter dem Pont Adolphe sei ein sehr wichtiges "Puzzlestück" in der Fahrradstrategie der Hauptstadt, hob der Minister hervor. „Wenn wir das Potenzial von mindesten 25 Prozent sanfter Mobilität erreichen wollen, dann müssen wir die Infrastruktur verbessern“, so François Bausch.

Drei Wochen für eine Lösung

2013 habe das Fahrradkonzept den Verantwortlichen viel Kopfzerbrechen bereitet. Auf dem Pont Adolphe sei kein Platz für Radfahrer gewesen und eine dritte Brücke zwischen „Passerelle“ und „Viaduc“ keine Option. Demnach sei keine Lösung in Aussicht gewesen, um wie geplant, auf der der gesamten Länge der Tramstrecke einen Fahrradweg anzulegen. Das eine "Puzzlestück" habe gefehlt, für eines der wichtigsten Standbeine bei der Förderung der sanften Mobilität in der Stadt.


„Dann aber bat ein Ingenieur der Straßenbauverwaltung um ein Gespräch“, erzählt François Bausch. „Er sagte, es habe schon Mal eine andere Idee gegeben, die jedoch in einer Schublade verschwunden sei.“ Der Ingenieur stellte dem Minister Pläne für eine Brücke unter der Brücke vor – auf Basis einer Skizze, die der Fahrradaktivist Jo Simon bereits 2007 dem damaligen Infrastrukturminister vorgestellt hatte.

Jo Simon (3.v.r.) hatte die erste Skizze der Brücke unter der Brücke gezeichnet.
Jo Simon (3.v.r.) hatte die erste Skizze der Brücke unter der Brücke gezeichnet.
Foto: Laurent Blum


Das sei die perfekte Lösung gewesen, die dann auch kaum auf Widerstand gestoßen sei, führte Bausch aus. Doch die Zeit sei zu diesem Zeitpunkt bereits sehr knapp gewesen: Es waren nur noch drei Wochen bis zum Beginn der Instandsetzungsarbeiten am Pont Adolphe. Doch in einer regelrechten Nacht-und-Nebel-Aktion habe man das dann doch gemeinsam mit einem Architekten hinbekommen.

Lichtdurchfluteter Eingang – weicher Belag

Die vier Meter breite „Velosbréck“ ist sehr einladend gestaltet, die Zugänge sind großräumig ausgelegt und lichtdurchflutet. Die historische Bausubstanz sowohl der Brücke als auch der Festungsmauern wird besonders zur Geltung gebracht. Das Zusammenspiel mit der modernen „Passerelle“ unter der Brücke ist durchaus gelungen. Die filigrane Struktur und die hängende Bauweise verstärken gleichermaßen ein Gefühl des freien Schwebens unter dem Pont Adolphe. Und auch die Aussicht über das Petrussetal ist sehr ansprechend, weil ungewohnt. Der weiche Bodenbelag dürfte zudem Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen erfreuen.

Rund um die Eröffnungsfeier der Fahrradbrücke hatte die Stadt Luxemburg zudem am Sonntag ein umfangreiches Rahmenprogramm unter dem Motto "La ville est belle" organisiert:  ein Fahrrad- und Straßenfest mit viel Animation, eine thematische Ausgabe des „Vide grenier“ und Picknick und "Food Trucks" auf dem Pont Adolphe. Zudem waren  große Teile des Stadtzentrums für den Autoverkehr gesperrt worden. Die Avenue de la Liberté, die Avenue de la Gare und der Boulevard Roosevelt luden zum Flanieren ein.

Und auch hier zeigte sich, dass der Wahlkampf auf vollen Touren läuft. Auf der offiziellen Radrundfahrt grüßten alteingesessene und angehende Lokalpolitiker mit einem möglichst perfekten Lächeln eifrigst in die Runde. Dass diese Übereifer nicht unbemerkt blieb, darauf wies ein Paar gestern auch, einen der Hauptstadt-Kandidaten hin.  „Kréie mer lo e Bic?“, rief die Frau dem radelnden Lokalpolitiker zu, der sie etwas zu überschwänglich begrüßt hatte. Man kannte sich. Ein Scherz unter Freunden. Er nahm es mit einem getroffenen Lächeln zur Kenntnis.




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