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Neue Präventionsansätze: Drogenkonsum: Aufklären statt abschrecken
Lokales 2 Min. 01.10.2015 Aus unserem online-Archiv

Neue Präventionsansätze: Drogenkonsum: Aufklären statt abschrecken

Legal, aber nicht risikofrei: Die Erfahrung mit Alkohol zeigt, dass der verantwortungsvolle Umgang mit Drogen erlernbar ist.

Neue Präventionsansätze: Drogenkonsum: Aufklären statt abschrecken

Legal, aber nicht risikofrei: Die Erfahrung mit Alkohol zeigt, dass der verantwortungsvolle Umgang mit Drogen erlernbar ist.
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Lokales 2 Min. 01.10.2015 Aus unserem online-Archiv

Neue Präventionsansätze: Drogenkonsum: Aufklären statt abschrecken

Drogenkonsum ist bei weitem nicht das Randphänomen, als das es oft dargestellt wird. Eine Feststellung, die nach neuen Ansätzen und mehr Pragmatismus verlangt, wie in- und ausländische Experten auf diesem Gebiet, die sich am Mittwoch zu einem Symposium in Luxemburg trafen, bestätigen.

(mth) - Die Feststellung, dass die überwiegende Mehrzahl von Drogenkonsumenten nicht zur Gruppe der „Problemkonsumenten“ gehören, ist nicht neu. Tatsächlich konsumiert eine Mehrheit der Bevölkerung regelmäßig Drogen. Laut der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) haben ein Viertel aller Europäer, also rund 80 Millionen Menschen, mindestens einmal in ihrem Leben eine illegale Droge ausprobiert.

Legale Drogen wie Koffein, Alkohol oder Nikotin gehören ebenso zum Alltag der meisten Menschen wie beispielsweise Sex, Computerspiele oder das Hören lauter Musik – alles Praktiken, die ebenso wie psychotrope Substanzen Suchtverhalten oder Risiken hervorrufen können.

Am Mittwoch fand in Luxemburg ein Symposium internationaler Experten zum Thema „recreational drug use“ statt, das von der luxemburgischen Präventionsstelle „Centre de Prévention des Toxicomanies“ (Cept) organisiert wurde. Im Fokus stand dabei der gelegentliche, ja alltägliche, Konsum psychotroper Substanzen sowie die geeigneten Strategien zur Risikoreduzierung bzw. Schadensbegrenzung in diesem Zusammenhang.

Seit einigen Jahren hat ein Paradigmenwechsel im Bereich der Drogenprävention eingesetzt. Die Feststellung, dass trotz Prohibition, Abschreckung und Warnhinweisen der Konsum legaler wie illegaler Drogen kaum abnimmt, verlangt nach neuen, pragmatischen Ansätzen.

Aufklären statt Abschrecken

Die Ausgangsbasis für diese Strategien ist die Feststellung, dass negative Auswirkungen des Drogenkonsums auf die öffentliche Gesundheit oft weniger auf die Substanzen an sich, sondern vielmehr auf den Kontext des Konsums zurückzuführen sind.

Daher erscheint es weitaus realistischer und sinnvoller, den Konsumenten die nötigen Informationen und Freiräume zu geben, um ihnen einen verantwortungsbewussten und möglichst risikofreien Umgang mit Drogen zu ermöglichen, anstatt auf nur begrenzt effektive Mittel wie Repression und Abschreckung zu setzen.

Ein Argument, das sogar eingefleischten Gegnern einer liberalen Drogenpolitik einleuchten sollte, die beispielsweise eine Entkriminalisierung von Cannabis ablehnen, aber zugleich nichts an einem verantwortungsvollen Konsum legaler „Kulturdrogen“ wie Bier oder Wein auszusetzen haben.

Das Cept hat in diesem Zusammenhang nicht nur umfangreiches Informationsmaterial ausgearbeitet, sondern 2014 ein „Drug testing“-Programm ins Leben gerufen, in dessen Rahmen Partygäste illegal beschaffte Drogen auf Inhaltstoffe und Dosierung überprüfen lassen können. Nur ein Beispiel für solche Ansätze, die sich im Ausland bereits bewähren.


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