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Neue Chance für die Geschäftswelt
Lokales 4 Min. 07.11.2018

Neue Chance für die Geschäftswelt

Die Escher Geschäftswelt und das Stadtzentrum sollen nach und nach aufgewertet werden.

Neue Chance für die Geschäftswelt

Die Escher Geschäftswelt und das Stadtzentrum sollen nach und nach aufgewertet werden.
Foto: Luc Ewen
Lokales 4 Min. 07.11.2018

Neue Chance für die Geschäftswelt

Anne Julie HEINTZ
Anne Julie HEINTZ
Für die Geschäftswelt im Zentrum von Esch sieht es seit Jahren nicht blendend aus. Etwa 60 Lokale stehen zurzeit leer. Umso mehr begrüßt der Escher Geschäftsverband die Aufwertung des Stadtkerns.

In den 1980er- und 1990er-Jahren florierte das Geschäftsleben in der Escher Alzettestraße und den Nebenstraßen. Große Geschäftshäuser wie Monopol, Sichel, Brust, Nussbaum, Belle Jardinière, Zimmer und Plasticonfort lockten die Kundschaft aus allen Teilen des Landes an. Eine Zeit, die vielen nur noch in blasser Erinnerung ist. Internationale Modemarken haben hier inzwischen zum Großteil das Ruder übernommen. Viele Lokale stehen seit Jahren leer. Die Mietpreise sind hoch. Die Bevölkerung hat sich verändert und ist gewachsen. Umso mehr freut es die Präsidentin des Escher Geschäftsverbandes, Astrid Freis, dass nun der Revitalisierungsprozess (Siehe LW vom 26. Oktober) des Stadtzentrums in seine nächste Phase geht.

Zunächst einmal begrüßt sie die Initiative der Gemeindeverantwortlichen, auf den Weg einer Aufwertung des Stadtzentrums zu gehen und dabei die Bürger mit ins Boot zu nehmen. „Es war wichtig und notwendig, den Puls bei den Bürgern zu fühlen, nicht zu vergessen bei den Geschäftsleuten. Dass 1 300 Personen bei der Befragung mitgemacht haben, hätte ich mir nicht erwartet. Es ist nämlich oft nicht so leicht, die Leute zu bewegen, wenn es darum geht, etwas zu ändern“, sagt die Immobilienmaklerin. Die große Anteilnahme zeigt also auch, wie wichtig dieses Thema für die Stadt Esch ist. Denn „ein attraktives Stadtzentrum interessiert“, sagt Astrid Freis.

Nichts Neues

Das Resultat der Bürgerbefragung zum Revitalisierungsprozess hat sie jedoch nicht überrascht. Es hat kein Geheimnis enthüllt, sondern das bestätigt, was schon lange gewusst ist und was auch die Analysen des Geschäftsverbandes wiedergeben. Vier große Themen müssen laut der Präsidentin weiterhin große Aufmerksamkeit erhalten: die Sicherheit, die Sauberkeit, die Mobilität und eine Vielfältigkeit des Kaufangebots. „Es dreht sich in allen Versammlungen, Analysen und Befragungen immer wieder um dieselben Aspekte“, so die Präsidentin.

Seit 43 Jahren arbeitet Astrid Freis in Esch. Vor elf Jahren nahm sie beim Escher Geschäftsverband das Zepter in die Hand. Sie kennt hier jeden Grashalm, hat sowohl die schönen als nun auch die eher unruhigen Zeiten in der Escher Geschäftswelt miterlebt. Der Dialog mit den Geschäftsleuten ist ihr heute deshalb umso wichtiger.

„Als Geschäftsverband führen wir regelmäßig eine Bestandsaufnahme der leer stehenden Lokale durch und fühlen den Geschäftsleuten auf den Zahn, um zu erfahren, wie die Stimmung ist. Rund 1 500 Angestellte werden zurzeit in den unterschiedlichen Läden im Zentrum beschäftigt. Knapp 300 Mitglieder zählt aktuell der Geschäftsverband. Es sind deutlich weniger geworden als noch vor Jahren, was logisch ist – denn es werden ja auch immer weniger Geschäftsleute. Auch bei den Kosten für eine Mitgliedschaftskarte bei uns mussten wir schon teilweise zurückschalten“, so die Präsidentin.

In der Alzettestraße herrscht in vielen Lokalen gähnender Leerstand.
In der Alzettestraße herrscht in vielen Lokalen gähnender Leerstand.
Foto: Luc EWEN

Sicherheitsgefühl

Ein Thema, das Freis immer wieder zu schaffen macht, ist das Sicherheitsgefühl vieler Passanten und der Kundschaft im Stadtzentrum. „Ich höre oft, dass die Kunden sich darüber beklagen, dass sie sich nicht mehr wohl und nicht sicher fühlen, wenn sie zum Einkaufen ins Zentrum kommen. Vor allem diese unzähligen zwielichtigen Cafés, vor denen Gruppen von betrunkenen und unter Drogen stehenden Leuten abhängen, sind ein großes Problem im Stadtkern. Um diese Situation zu verbessern, müssen diese Cafés ganz einfach verschwinden“, betont sie.

In diesem Zusammenhang begrüßt sie die Maßnahmen, die in den vergangenen Tagen und Wochen bereits von der Gemeinde und der Polizei unternommen wurden, damit in und rund um diese Kneipen wieder Ruhe einkehrt. Auch in Zukunft gelte es, hier weiterhin anzupacken und kontinuierlich gegen diese Mißstände vorzugehen. In puncto Mobilität konnte laut Astrid Freis – unter anderem auch auf Druck des Geschäftsverbandes hin – schon so einiges erreicht werden. Hierzu zählt unter anderem das Parken für einen Euro pro Stunde im Parking Brill. „Denn auch Parkmöglichkeiten und vor allem günstiges Parken spielen eine große Rolle, wenn es darum geht, ins Stadtzentrum zu kommen“, so die Immobilienmaklerin.

Ähnlich schildert sie die Situation bezüglich der Sauberkeit im Zentrum. Trotz vieler neuer Maßnahmen gilt es, diesen Bereich auch weiterhin nicht zu vernachlässigen, denn auch hier bleibe noch viel zu tun.

Leerstand auffüllen

Den leer stehenden Geschäftslokalen im Zentrum wieder Leben einzuhauchen, ist laut Astrid Freis hingegen keine so einfache Angelegenheit.

„Die Idee, eine ähnliche Einrichtung wie die einer Agence immobilière sociale (AIS) zu gründen, um die leer stehenden Geschäftsflächen für einen Mietpreis, der unter dem Marktpreis liegt, zu vermieten, ist ein netter Versuch, aber ich bin diesem Unterfangen noch skeptisch gegenüber. Damit die Eigentümer von solch einer Vorgehensweise überzeugt werden können, müssen ihnen gegenüber gute Argumente geliefert werden. Aber ich will nicht voreilig sein, alles ist möglich und ich weiß ja auch nicht, was konkret sie sich bei diesem Projekt vorstellen“, betont sie.

Es gebe nicht Tausende Möglichkeiten, wolle man alle gemeinsam an einem Strang ziehen, so Astrid Freis. „Wäre es einfach, gebe es längst schon eine Lösung. Aber es ist nun mal komplex“, sagt sie.

Revitalisierungsprozess

Die neue Mehrheit im Escher Rathaus hegt die Absicht, das Stadtzentrum aufzuwerten. Laut Bürgermeister Georges Mischo ist es eines der wichtigsten, wenn nicht sogar das wichtigste Projekt der aktuellen Koalition. Im Mai hat sie in diesem Zusammenhang ein Bürgerbeteiligungsprojekt gestartet. Ein Ideenkatalog wurde erstellt und auch die Forderungen wurden mit eingebracht. Nicht alles kann verwirklicht werden aber erste Maßnahmen sollen bereits kommendes Jahr umgesetzt werden.


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