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Naturparadies aus Menschenhand
Die früheren Bergbaugebiete im Süden des Landes beherbergen zahlreiche schützenswerte Biotope.

Naturparadies aus Menschenhand

Lex Kleren
Die früheren Bergbaugebiete im Süden des Landes beherbergen zahlreiche schützenswerte Biotope.
Lokales 3 Min. 26.07.2018

Naturparadies aus Menschenhand

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Insgesamt acht Natura-2000-Gebiete im Süden des Landes werden künftig über eine gemeinsame Plattform verwaltet.

Es ist heiß in der Eisekaul in der Nähe von Esch/Alzette, sehr heiß. Die roten Eisenerzsteine reflektieren das Sonnenlicht, der Trockenrasen macht seinem Namen alle Ehre. Inmitten des früheren Tagebaugebietes hat sich ein Tross aus Bürgermeistern, Mitarbeitern der Naturverwaltung und des Nachhaltigkeitsministeriums gebildet. Die Charta, die hier feierlich unterschrieben wird, stellt eine Premiere dar und ist eine direkte Konsequenz des neuen Naturschutzgesetzes: Ein Steuerungskomitee soll künftig als regionale Plattform die acht Natura-2000 Zonen im Süden des Landes mit Leben füllen.


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Ganz neuer Weg

„Es ist dies ein komplett neuer Weg den wir beschreiten, um vor Ort konkrete Naturschutzprojekte umzusetzen und den Natura-2000 Auflagen gerecht zu werden“, so Umweltministerin Carole Dieschbourg. Das europäische Netz der Natura-2000 Zonen umfasst speziell geschützte Regionen, die entweder der EU-Habitat-Direktive oder der Vogelschutzdirektive unterliegen. „Natura-2000 ist im Gegensatz zum Naturschutzgebiet aber keine Käseglocke, die über die Landschaft gestülpt wird“, so Michel Leytem von der Forstverwaltung. „Es geht in erster Linie darum, vorgegebene Ziele in diesen Zonen zu erreichen. Dazu gehören der Erhalt der Biodiversität im Zusammenklang mit wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Aktivitäten.“

Anders gesagt: Sport, Freizeit, Natur und Landwirtschaft sollen im konstruktiven Nebeneinander ihren Nutzen aus diesen Gebieten ziehen können. Zugleich sollen die lokalen Gegebenheiten und Aktivitäten mit einbezogen werden. Insgesamt sind in Luxemburg 66 Zonen als Natura-2000-Gebiete in dieser Liste aufgeführt, davon betroffen sind 27 Prozent der Gesamtfläche des Landes.

Von Petingen bis Düdelingen

Im Süden des Landes soll das Steuerungskomitee acht Zonen mit einer Gesamtfläche von insgesamt 3 390 Hektar verwalten. Unter dem Namen Frühere Bergbaugebiete werden der Prënzebierg bei Differdingen, das Gebiet um den Ellergronn in Esch/Alzette, die Haard bei Düdelingen, das Waldgebiet Waal sowie die Minenregion Giele Botter bei Differdingen zu einer großen Projektlandschaft mit den gleichen Entwicklungszielen.

Im Steuerungskomitee selbst sind Mitarbeiter der Ministerien, Verwaltungen und Gemeinden vertreten. Aber auch Privatwaldbesitzer, ArcelorMittal als großer Grundstückseigner, Natur & Emwelt sowie Landwirtschaft und Regionaltourismus haben dort ein Wort mitzureden. Weil die Region für die Aufnahme in die UNESCO-Biosphären-Liste kandidiert, hat auch ein Vertreter der nationalen Unesco-Kommission seinen Platz im Steuerungskomitee.

So sollen die Habitate in ihrer aktuellen Form erhalten bleiben. Es sind dies vor allem Trockenwiesen mit zahlreichen Orchideenvorkommen und den seltenen Vogelarten Heidelerche und Uhu. Aber auch die Insektenarten sind auf dem trockenen, steinigen Untergrund reichlich vertreten.

Natur, Kultur und Sport

Um den Trockenrasen zu erhalten, muss allerdings mechanisch eingegriffen werden. Schließlich sind diese Biotope ja auch erst durch Menschenhand erschaffen worden. Ohne Eingriff würde das ganze Areal sich weiter zum Wald entwickeln, was in diesem Fall aber nicht erwünscht ist. Um das Gras kurz zu halten und Sträucher zu entfernen, soll Wanderbeweidung durch Schafe erfolgen. Andere Maßnahmen sind das Absichern der zahlreichen Mineneingänge. Fledermäuse sollen mit Hilfe spezieller Öffnungen aber weiterhin vom Leben unter Tage profitieren können.


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Auch Freizeitangebot

Da das Gebiet wegen der Nähe zu den Städten unter starkem Bevölkerungsdruck steht, müssen die Sportler und Wanderer auf speziell für sie vorgesehene Wege orientiert werden. Das Anbieten und Ausschildern von Wanderwegen und Mountainbike-Pfaden gilt deshalb ebenfalls als wichtige Maßnahme. Finanziert wird das gesamte Projekt aus dem Umweltfonds, rund zwei Millionen Euro stehen dazu in den nächsten fünf Jahren zur Verfügung. Renaturierungsmaßnahmen der Gewässer werden ihrerseits vom Fonds pour la gestion de l'eau übernommen. Da das Naturschutzgesetz auch eine Kontaktperson für die Steuerungskomitees vorsieht, wird Jan Herr, Mitarbeiter der Naturverwaltung, diese Aufgabe übernehmen. Er wird der Ansprechpartner für alle im Projekt eingebundenen Interessenvertreter sein.


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